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Alles ist wichtig

Von Kornelius Purps - 17. Juni 2010

• Schweiz: Alles, was die Schweizer Notenbank heute sagt, ist wichtig

• Schweiß: Alles, was die Europäische Notenbank heute schreibt, ist wichtig

• Schweig: Alles, was beim Gipfeltreffen der EU Regierungschefs gesagt wird, soll wichtig klingen

Wo waren Sie an 11/9? Wo an 9/11? Und wo an 6/16? Mauerfall, 9/11, Nati schlägt Furia roja. Zugegeben, ein Fußballspiel in einer Reihe mit die Welt verändernden Ereignissen zu nennen, ist mehr als anmaßend. Aber der Moment des Jubel-Bebens in der Alpenrepublik soll an dieser Stelle ausreichend gewürdigt werden. Herzlichen Glückwunsch. Die Fußball-WM hat jetzt erst so richtig begonnen.

Auch heute wird die Schweiz wieder im Mittelpunkt stehen. Und erneut richtet sich das Augenmerk auf die Verteidigungsarbeit des Landes. Nur geht es heute nicht um die Verhinderung eines abwertenden Gegentores, sondern um die Abwendung eines aufwertenden Frankens. Die Schweizer Notenbank (SNB) verkündet heute das Ergebnis ihrer routinemäßigen, nur alle drei Monate stattfindenden Ratssitzung zur Bewertung der geldpolitischen Lage. Und alles, wirklich alles, was die Notenbanker bei der ab 9:30h stattfindenden Pressekonferenz zu sagen haben, wird von hoher Bedeutung sein: Wie entwickeln sich die Wachstumsaussichten der Schweizer Wirtschaft? Im Prinzip ja sehr gut (BIP in Q1 +2,2% ggü. Vj., Arbeitslosenrate 4,0%, Vorlaufindikator KOF steigt seit 13 Monaten). Wie entwickelt sich der Inflationsausblick? Nach -1% letzten Sommer stieg die Inflationsrate im Frühjahr auf +1,1-1,2%. Wie steht die Nationalbank zu ihrer Interventionspolitik im Währungsmarkt? Die Währungsreserven stiegen innerhalb von 18 Monaten von 50 Mrd. auf fast 250 Mrd. Franken. Dennoch wertete der Franken während dieser Zeit gegenüber dem Euro um rund 10 Prozent auf. Als Leitzins visiert die SNB einen 3-Monats Libor-Satz von 0,25% an. Infolge der Interventionen (Kauf von EUR und USD, Verkauf von CHF) stieg die Liquidität massiv an und drückte den Libor-Satz auf zuletzt nur noch 9 Basispunkte. Alle Marktteilnehmer, die irgendwie, long oder short, im Schweizer Franken engagiert sind, werden heute Vormittag mit Spannung nach Zürich blicken.

Nur die Spanier nicht. Die wünschen den Schweizern wahrscheinlich den Teufel an den Hals. Aber zugegeben, die Iberer haben – ganz abgesehen von der vollkommen unerwarteten Auftaktniederlage – ihre eigenen Probleme. Hartnäckig, und untermauert von einer ganzen Reihe von Zeitungsberichten, halten sich im Markt die Vermutungen, das Land stünde in Verhandlungen über ein 250 Mrd. Euro schweres Stützungspaket. Die EU Kommission, der IWF und selbst die USA seien in die Verhandlungen integriert. Von allen Seiten kommen halbstundenweise Dementis, aber die Anleger bleiben verunsichert. Die Renditeaufschläge spanischer Anleihen gegenüber Bunds weiteten sich gestern erneut aus und erreichten bei 221 Basispunkten einen neuen Rekordstand. Immer wieder hört man, Spanien sei mit Griechenland überhaupt nicht zu vergleichen. Das soll beruhigen, tut es aber nicht. Während Griechenland ein Staatsschuldenproblem hat, hat Spanien ein Bankenproblem. Die geplatzte Immobilienblase sorgt für hohe Abschreibungen auf Hypothekendarlehen in den Bilanzen der spanischen Banken. Die spanischen Zentralbank hat daher angekündigt, die Ergebnisse des EU-weiten Stress-Tests für Banken zu veröffentlichen. Daraus würde hervorgehen, dass trotz aller Probleme das spanische Bankensystem gesund und die Institute ausreichend kapitalisiert sind. Dagegen regt sich in Rest-Europa heftiger Widerstand. Man befürchtet, dass dann alle Ergebnisse des Stress-Tests an die Öffentlichkeit gelangen könnten. Fehlinterpretationen auf Seiten der Anleger könnten dann zu einer Destabilisierung des gesamten europäischen Bankensystems führen.

Es gibt also viel zu diskutieren auf dem heutigen EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs. Zwar steht Spanien nicht auf der Agenda, aber die Gerüchteküche wird auch heute heiß kochen, zumal für morgen ein Treffen zwischen der spanischen Regierung und dem IWF anberaumt ist. Als Sahnehäubchen gibt es heute noch den Monatsbericht der EZB. Es heißt, darin stünde eine ausführliche Erläuterung zum Anleihen-Kaufprogramm der Notenbank. Garniert wird dieser Tag mit US Daten (Jobless Claims, CPI, Philly Fed, Vorlaufindikator), Nachwirkungen der gestrigen Gewinnwarnungen von FedEx und Nokia, spanischen Bondauktionen (10J & 30J), und anhaltenden Sorgen um BP. Was für ein Tag. Wer weiß, vielleicht werde ich ja irgendwann mal gefragt: „Papa, wo warst Du an 6/17?“

Foto: © by blackred – www.istockphoto.com

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