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Compliance oder Kontrollzwang

Von Redaktion - 23. April 2012

Um sich vor kriminellen Straftaten zu schützen, setzen Unternehmen auf Compliance. Diese legt Verhaltenskodizes für Mitarbeiter fest. Compliance umfasst zudem die Maßnahmen, die das rechtmäßige Verhalten eines Unternehmens sicherstellen sollen. Doch wann geht der Kontrollzwang zu weit?

Bei der Einstellung von Mitarbeitern achten Personaler auf viele Details. Der Lebenslauf muss lückenlos sein, der Kandidat soll über Fachwissen und soziale Kompetenzen verfügen. Im Idealfall passt der Neue nach erfolgreichem Gespräch auch noch perfekt ins Team. Doch es gibt Dinge, die der Personaler weder abfragen noch vorhersehen kann. Gerade in der Bank- und Finanzbranche lebt es sich mit einem ruinierten Ruf nicht ungeniert. Wenn ein Arbeitgeber glaubt, den perfekten Mitarbeiter für seine Firma gefunden zu haben, ist er noch lange nicht abgesichert. Es besteht immer die Gefahr, einen Geldfälscher, Trickbetrüger oder Dieb in seinen Betrieb aufgenommen zu haben.

Kriminalität und Korruption wachsen in der Wirtschaft wie Unkraut. Mitarbeiter stehlen Daten, Bankangestellte geben geheime Insiderinformationen preis oder fälschen gezielt Bilanzergebnisse. Mitarbeiter, die Moral klein schreiben, sind die größte Bedrohung eines Unternehmens. Compliance-Experten greifen hier ein, um Straftaten aufzudecken. Ihr Geschäft ist der Kampf gegen unmoralisches, verbrecherisches Handeln.

Viele Unternehmen in der Finanzbranche wollen es gar nicht erst so weit kommen lassen. Wenn sie eines aus der Finanzkrise gelernt haben, dann das moralisches Handeln und unternehmerischer Erfolg nicht im Widerspruch zueinander stehen. Ziel ist es einen Mitarbeiter-Kodex optimal umzusetzen, damit die Unternehmensphilosophie und die Geschäftspolitik von Mitarbeitern gelebt und Gesetze stets eingehalten werden.

Compliance wird nicht retrospektiv eingesetzt, sondern präventiv angewendet. Viele Unternehmer müssen erst einmal verstehen, was im Betrieb erlaubt und was verboten ist. Compliance schützt die Mitarbeiter vor Unwissenheit. Diese müssen davon überzeugt werden, dass regelkonformes Handeln dem Unternehmen Erfolg bringt und über wirtschaftlichen Ertrag entscheidet.

Manchmal jedoch kann es passieren, dass ein Unternehmen, aufgrund schlechter Erfahrungen oder purer Angst, zur Hypochondrie neigt. Dann werden nicht nur Verhaltensanforderungen an die eigenen Mitarbeiter gestellt. Um sich vor Korruption, Kriminalität und Geldwäsche zu schützen, werden alle Informationen über Mitarbeitern erforscht. Dazu zählen Führungszeugnisse, ärztliche Bescheinigungen und gar angeordnete Bluttests, um zu sehen, wie rein die Weste wirklich ist. Konten werden überwacht, Daten über den Mitarbeiter ausgewertet. Natürlich nur zur Vorbeugung! Wann sind die Grenzen überschritten?

Der Autokonzern Daimler verlangte Blutproben von Stellenbewerbern, obwohl sie noch keine feste Zusage für die Stellen hatten. Der Konzern führte auch Krankenlisten über seine Mitarbeiter. In diesem Fall ging der Kontrollzwang so weit, dass die Datenschutzbehörde sich einmischte. Siemens ist mit einem der deutschen größten Korruptionsskandale vorbelastet. Der DAX-Konzern hat daraus gelernt und hält sich strikt an Richtlinien und Gesetze. Die hohen Compliance Standards will der Konzern zum Wettbewerbsvorteil nutzen.

Wenn von vornhinein kein Vertrauen besteht, kann sich auch keines entwickeln. Erfolgreiche Firmen besitzen eine Kultur des Vertrauens. Eine dauernde Überprüfung der Mitarbeiter ist stressig für beide Seiten, Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Positive Mitarbeit wird hier nicht entstehen. Zuviel Kontrolle ist die falsche Philosophie, um sich vor Kriminellen zu schützen. Belohnungssysteme hingegen sorgen eher für wirtschaftsethisches Handeln. Denn die Versuchung zur Regelverletzung ist umso kleiner, je größer die Belohnung für die Moral ist.

Foto von 4FR – www.istockphoto.de

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