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Dresdner Bank nicht einfach schlucken…

Von Thorsten Hahn - 25. September 2008

Was bringt der deutsche Mega-Merger? Kann die Commerzbank ihn schultern? Und wie sieht es allgemein aus am M&A-Markt? FREITAGmittag sprach mit Prof. Dr. Christoph Schalast, Academic Director Master of Mergers & Acquisitions an der Frankfurt School.

FREITAGmittag: Herr Prof. Schalast, lange war es ruhig auf dem deutschen Bankenmarkt. Nun folgen Übernahmen Schlag auf Schlag: Citibank, Dresdner Bank und die Postbank, warum auf einmal diese Welle an großen Deals?

Prof. Schalast: Im Grunde ist das keine Überraschung. Die Konsolidierung stand schon seit vielen Jahren an. Und Fusionsversuche gab es auch schon früher, zwischen Deutscher und Dresdner Bank beispielsweise. Was heute als Vorteil hinzukommt, ist die Finanzkrise: Bewertungen sind niedriger, Zusammenschlüsse billiger. Es ist immer klug für einen Kaufmann, möglichst günstig einzukaufen.

FREITAGmittag: Haben Commerzbank und Dresdner Bank nicht zu ähnliche Geschäftsmodelle und im Privatkundengeschäft selbst zusammen noch einen viel zu kleinen Marktanteil, um Nennenswertes aus der Fusion herauszuholen?

Prof. Schalast: Experten sehen bis zu 5 Mrd. Euro Einsparungen durch Synergie-Effekte – gerade wegen der Überschneidungen, die der Zusammenschluss mit sich bringt. Darüber hinaus wird sich die Kundenzahl der Commerzbank verdoppeln. Das birgt interessante Chancen für den Vertrieb, zumal der Produktbedarf von Kunden im Grunde nie gedeckt ist. Was den Marktanteil betrifft: Es stimmt schon, dass er im Privatkundengeschäft relativ gering ist. Wie insgesamt der Marktanteil der privaten Kreditbanken in diesem Segment. Die Dresdner Bank allerdings verfügt über hervorragende internationale Kontakte, die Commerzbank ist besonders stark im Wachstumsmarkt Mittel- und Osteuropa. Eine ähnliche überregionale Aufstellung inklusive weltweiter Dienstleistungen findet man bei Sparkassen nicht. Nennenswert ist übrigens nicht zuletzt auch die Bedeutung für den Finanzplatz Deutschland. Er wird durch diese Fusion erheblich gestärkt.

FREITAGmittag: Auch die China Development Bank stand als Käufer der Dresdner Bank zur Debatte. Werden solche Einstiege ausländischer Investoren in Deutschland noch ohne Weiteres möglich sein, wenn ab 2009 die Novelle des Außenwirtschaftsgesetzes (AWG) gilt?

Prof. Schalast: Nach dem AWG darf die Regierung künftig eingreifen, wenn Auslandsinvestoren ohne Sitz in der EU direkt oder indirekt mehr als 25 Prozent der Stimmrechte an einem deutschen Unternehmen erwerben. Vorausgesetzt, sie gefährden dadurch die öffentliche Sicherheit und Ordnung der Bundesrepublik.

FREITAGmittag: Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung – die Formulierung scheint wenig griffig …

Prof. Schalast: Besser wäre es sicherlich gewesen, konkrete Branchen in die Regelung aufzunehmen, die Rüstungsindustrie beispielsweise. Man hat sich aber dagegen entschieden und den unbestimmten Rechtsbegriff „Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ gewählt. Der mag schwammig klingen, ist aber in seinem europarechtlichen Sinn schon lange in Gebrauch, oft ausgelegt worden und dadurch für Juristen relativ genau zu bestimmen.

FREITAGmittag: Wird das jüngst beschlossene Risikobegrenzungsgesetz den deutschen M&A-Markt transparenter machen?

Prof. Schalast: Das Gesetz zielt unter anderem darauf, mehr Transparenz bei Übernahmen börsennotierter Unternehmen nach dem Wertpapierhandelsgesetz zu schaffen. Die meisten Transaktionen finden aber außerhalb der Börse statt und bleiben von der Regelung demnach unberührt. Was nicht schlecht sein muss, denn: Muss wirklich alles bis ins kleinste Detail geregelt sein? Nehmen wir beispielsweise die Continental-Übernahme durch Schaeffler. Vor einem „Anschleichen“, wie Schaeffler es betrieben habe, würden Unternehmen auch durch die Neuregelung nicht geschützt, mahnen Kritiker. Aber muss man sie denn schützen? Mag sein, dass Aktionäre dadurch um eine Übernahmeprämie gebracht werden – andererseits ist bei Continental der Aktienpreis während des Übernahmeprozesses kontinuierlich gestiegen. Man muss nicht immer gleich nach dem Gesetzgeber schreien …

FREITAGmittag: Vor zwei Wochen verkaufte die staatliche KfW die IKB Deutsche Industriebank an den US-Finanzinvestor Lone Star. Berührungsängste mit den einst gefürchteten „Heuschrecken“ scheint es nicht zu geben.

Prof. Schalast: Private Equity ist bei Staatsunternehmen nichts Neues, die Bundesdruckerei und T-Com sind dafür gute Beispiele. Die teilweise noch herrschende Angst vor den sogenannten Heuschrecken ist einfach übertrieben. Tatsächlich entstehen durch Private Equity im Schnitt mehr Arbeitsplätze als wegfallen. Das zeigen auch die Statistiken des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften. Zudem würde kein Finanzinvestor in ein Unternehmen einsteigen, an dessen Erfolg er nicht fest glaubt. Er muss es erfolgreicher machen – davon lebt er schließlich.

FREITAGmittag: Wie wird sich der M&A-Markt entwickeln?

Prof. Schalast: Aktuell erleben wir weltweit eine Delle im M&A-Geschäft, spektakuläre Milliarden-Transaktionen sind selten geworden. Besser sieht es im Small- und Mid-Cap-Bereich aus. Für den Mittelstand sind derzeit Private-Equity-Lösungen etwa beim Thema Unternehmensnachfolge, aber auch bei Wachstumsszenarien interessant. Wann die M&A-Branche wieder an die alten Zeiten anknüpft, ist leider schwer zu sagen. Vermutlich in der zweiten Jahreshälfte 2009, dann könnte der Himmel wieder aufklaren.

Prof. Dr. Christoph Schalast, Rechtsanwalt und Mitautor diverser Gesetze, lehrt Rechtswissenschaften an der Frankfurt School of Finance & Management. Dort ist er Leiter des von ihm initiierten Studiengangs „Master of Mergers & Acquisitions“ (LL.M.).

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