Jetzt Mitglied werden
Artikel

Social Banking ist nicht gleich Social Banking

Von Thorsten Hahn - 19. August 2010

Matthias Kröner, Vorstandssprecher der FIDOR AG, über das Phänomen und die Mißinterpretation des Begriffes Social Banking.

Mit der Schließung der Noa Bank durch die BaFin erlebt die Social Banking Welle einen kleine Delle. Potenzial für Risikomanagement in den Reihen der Fidor Bank?
Nun, die englische Formulierung „social banking“ erfährt in unserem deutschen Sprachraum eine vielfältige Interpretation. Wenn man es korrekt übersetzt bedeutet „social banking“ eine Form des Bankings, die „gemeinsam“ betrieben wird. Dass dies auch gleichzeitig „nachhaltig“ und „gut“ sein sollte, ist eine Hoffnung, eine subjektive Interpretation des englischen Begriffs „social“, den man im Deutschen aber auf keinen Fall eins zu eins mit „sozial“ übersetzen darf. Auch Facebook bezeichnet sich als „social media plattform“, wobei offen bleibt, ob alles, was auf dieser Plattform betrieben wird, sozial, nachhaltig oder gut ist.
Grundsätzlich sind wir bei der FIDOR bank überzeugt, dass die wesentlichen Wirkmechanismen des web 2.0 auch in der Finanzdienstleistung einzug halten werden. Warum auch nicht? Warum sollten Kunden und User Verhaltensweisen (Produktbewertungen, Beraterbewertungen, Integreation bei der Erstellung einer Diensteistung etc. etc.) im Finanzkontext ablegen, die ihnen bei anderen Konzepten und in anderen Branchen laufend vorgelebt bzw. abgefordert werden?

Matthias Kröner als Banker und Branchenexperte. Wie ist Ihre Sicht auf den Fall Noa Bank?
Unsere Aufgabe ist es, dass wir uns um die Belange der FIDOR Bank kümmern, die ich als Sprecher des Vorstands auch gerne kommentiere.

Was antworten Sie aus der Sicht des Social Banking Wettbewerbers?
Nun, was sind die Unterscheidungsmerkmale der FIDOR Bank?
Erstens: Wir betreiben eine sehr aktive Community, die mittlerweile über 14.000 registrierte Mitglieder hat. In dieser Community tauschen sich die User über alle Formen des Geldes aus. Aktuell hatten wir einen Fall, bei dem die Recherche der User dazu geführt hat, dass andere User vor einer Fehlentscheidung schützte. All das findet unter dem Claim „Gemeinsam mehr Geld“ statt. Denn wir sind der Meinung, dass der gegenseitige Austausch von Erfahrungen und Erkenntnissen den Kunden und Usern helfen kann, eine bessere Finanzentscheidung zu treffen. Eines ist mir auch noch wichtig zu sagen: Auf dieser Plattform sind aktuell rd. 1.300 Finanzexperten registriert. Darunter verstehen wir auch beispielsweise Berater anderer Banken. Sie sehen, wir sind eine komplett offene Plattform, die sogar für andere Banken absolut offen steht.
Ein weiterer wesentlicher Unterscheidungspunkt ist unser Bonussystem: Wir honorieren annähernd jede Aktivität in unserer Community mit Cents und Euros. Aktivität lohnt sich also, denn Aktivität schafft wertvollen Content für andere User. Sei es eine Geldfrage oder die Beantwortung einer solchen. Sei es eine Produkt- oder Beraterbewertung und vieles mehr, es bringt dem Nutzer bares Geld.
Als dritten wesentlichen Unterscheidungspunkt sehe ich unser Angebot rund um die sogenannte e-wallet. Dieses Angebot wird das Wesen der Bank in Zukunft sehr prägen. Mittels diesen Angebots stellt sich die FIDOR Bank auf ein (nicht mehr alllzu fernes) Zukunftsszenario ein, das von „social media Plattformen“ und Smartphones dominiert wird.
All das macht uns doch sehr unterscheidbar zu jeder anderen Bank.

Letzter Frage: Was ist Ihre Antwort für die, die jetzt sagen „Haben wir doch gleich gesagt!“?
Neue, innovative Konzepte müssen immer mehrfach überzeugen. Sie müssen Kunden überzeugen, indem sie eine valide, womöglich neuartige Antwort auf ein bestehendes Problem liefern. Noch schwieriger wird es, wenn Sie eine neue Verhaltensweise von den Kunden abverlangen, also ein Problem erst bewusst machen, es schaffen, um es dann lösen zu können. Sie müssen ihre Shareholder überzeugen und sie müssen sich dem Wettbewerb stellen. Im Falle einer Bank kommt natürlich auch noch die Aufsicht als wesentlicher Partner dazu. Darüber hinaus müssen Sie auch alle wirklichen und die selbsternannten Experten überzeugen.
All dies bedeutet in Summe, dass man im Rahmen eines Start-ups mehr zu tun hat, als in einem etablierten Unternehmen. Dies wiederum bedeutet, dass ein Start-up immer schon eine andere Kultur erfordert, die wiederum eine hohe Begeisterungsfähigkeit und Selbstmotivation mit sich bringt. Das ist eine Chance, denn dies erzeugt eine gewisse emotionale Unabhängigkeit gegenüber derartigen Aussagen, wobei sie dennoch immer ernst zu nehmen sind. Denn dieser „Zustand“ beinhaltet das Risiko, dass man aufrgund genau dieser hohen (Selbst)motivation beratungsresistent wird bzw. dem eigenen „Tunnelblick“ erliegt.

Wir warten gespannt auf eine endgültige Definition des Begriffes „Social Banking“! Herr Kröner, vielen Dank für das Interview!

© Foto by FIDOR AG – www.fidor.de

Lesen Sie auch

Ego-Probleme: Wer hat den größten Turm?

Von überall hört man es läuten: Filialen werden[…]

Christian Grosshardt

Fusionsdruck Rot

400 Sparkassen leisten sich knapp 170 weitere Unternehmen,[…]

Thorsten Hahn

Seitenwechsel – Jain zu Fintech

Anshu Jain kehrt den Banken den Rücken und[…]

Philipp Scherber

Targo-Chef vor die Tür gesetzt

Franz Josef Nick muss am Ende des Jahres[…]

Christian Grosshardt

Banken werden EU-Marionetten

Deutliche Einschnitte in die Kundenwahl müssen Banken ab[…]

Christian Grosshardt

Telekom-Konten gehackt!

In der vergangenen Woche soll es zu mehreren[…]

Christian Grosshardt

Probleme bei Paydirekt

Probleme über Probleme. Erst erklärten viele Händler, sie[…]

Julian Achleitner

Herber Rückschlag für Paydirekt

Da haben sich deutsche Banken endlich für einen[…]

Julian Achleitner

Niedrigzins trifft Bausparkassen

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) trifft nun[…]

Julian Achleitner

Credit Suisse steht vor Einigung

Credit Suisse kann schon einmal das Scheckbuch zücken.[…]

Julian Achleitner

Cryan läutet neues Zeitalter ein

Nun ist John Cryan schon seit fünf Wochen[…]

Julian Achleitner

Welche Vorteile bietet mir der BANKINGCLUB?

BANKINGCLUB ist einer der größten Wirtschaftsclubs für Mitarbeiter[…]

Thorsten Hahn

Nach Jenkins die Sinnflut

Knapp drei Jahre nach seinem Amtsantritt musste der[…]

Christian Grosshardt

Bankgeheimnis von EuGH gelockert

Erst Euphorie, dann die Ernüchterung: Man ersteigert zu[…]

Christian Grosshardt

Volksbank will Filialen schließen

Haben die Genossenschaftler der Volks- und Raiffeisenbanken zu[…]

Julian Achleitner

Apple Pay nun auch in Europa

In den USA können Verbraucher bereits seit Oktober[…]

Julian Achleitner

Bezahlen mit Selfie

Das ist mal innovativ. Vergessen Sie Bezahlen mit[…]

Julian Achleitner

Persona non grata – Varoufakis tritt zurück

Auf seinem Twitter-Account ist zu lesen: „Minister no[…]

Christian Grosshardt

Chapeau, Herr Neske!

Was für eine Schlagzeile heute Morgen in der[…]

Thorsten Hahn

Vorstand beschließt: Postbank steht zum Verkauf

Nach Tagen des Spekulierens ist zumindest eine Vorentscheidung[…]

Christian Grosshardt

Milliarden durch EZB verloren

Die Niedrigzins-Politik der EZB ist vielen ein Dorn[…]

Christian Grosshardt

Kritik an Deutschland

Wir stehen mal wieder in der Schusslinie! Die[…]

Christian Grosshardt

400 Kunden in die Wüste geschickt

Wer nicht hören will, muss fühlen. Wie SPIEGEL[…]

Christian Grosshardt

Amtlich: Der Euro wird abgeschafft!

Jetzt ist es spruchreif: Nachdem sich die führenden[…]

Christian Grosshardt

Der Dollar ist zurück

Wer hätte das gedacht? Dollar und Euro bewegen[…]

Christian Grosshardt

Gemeinsames Online-Bezahlsystem auf dem Weg

In Zeiten von Fintechs, die extern teilweise Online-Bezahldienste[…]

Christian Grosshardt

Lufthansa mit enormen Verlusten an der Börse

Der gestrige Absturz eines Airbus A320 hat viele[…]

Christian Grosshardt

Radikale Maßnahme bei der Deutschen Bank

Seit einiger Zeit berät die Deutsche Bank in[…]

Christian Grosshardt

Tag 1 nach Blockupy

Unfassbare Bilder boten sich uns gestern aus der[…]

Christian Grosshardt

Blockupy – Ausschreitungen mit Angriffen auf Polizei

Man rechnete mit dem Schlimmsten, aber die Befürchtungen[…]

Christian Grosshardt

Geldwäsche treibt Bank in die Pleite

Banco Madrid ist insolvent. US-Behörden werfender Bank vor[…]

Thorsten Hahn

Den Kunden dort abholen, wo er ist – im Netz

Über 28 Millionen Deutsche erledigen ihre Bankgeschäfte online:[…]

Juliane Hartmann

Turnschuhe sind zum Turnen da

Ein altes Sprichwort besagt: „Kleider machen Leute.“ Dieses[…]

Julian Achleitner

DAX 30 CFD-Trading

Experten raten in diesen harten Zeiten des Niedrigzinses[…]

Julian Achleitner

Finanzprodukte – einfach unterhaltsam

Wie Erklärfilme komplexe Finanzprodukte begreifbar machen und zu[…]

Julian Achleitner

Austerität. Politik der Sparsamkeit: Die kurze Geschichte eines großen Fehlers

Autor: Florian Schui Euro: 19,99 256 Seiten, broschiert[…]

Julian Achleitner

Die BIZ als Wahrsager?

Im Oktober mussten die Aktienkurse einen enormen Einbruch[…]

Christian Grosshardt

Mario "Two-Face" Draghis neuer Job

Auf die Europäische Zentralbank und Mario Draghi wartet[…]

Christian Grosshardt

Bevormundung erwachsener Bürger

In einer freiheitlichen Grundordnung müsste die Eigenverantwortlichkeit des[…]

Julian Achleitner

Maßnahmen gegen Steuerflucht

In drei Jahren wird mit offenen Karten gespielt:[…]

Julian Achleitner

Fintech mal anders

Die Zukunft des Zahlens hat schon längst begonnen.[…]

Julian Achleitner

Ein Tag, der die Welt veränderte

Vor 85 Jahren sorgte der berüchtigte „Black Thursday“[…]

Julian Achleitner

Algorithmen oder das vermeintliche Ende des Beraters

Kann die Maschine Menschen ersetzen? Diese Frage wird[…]

Julian Achleitner

Regionale Werbung mit internationalem Flair

Mehrere Tausend Werbebotschaften versuchen täglich, die Aufmerksamkeit der[…]

Christian Dorn

Auf Wanderschaft

Schon praktisch diese Rucksäcke. Man hat die Hände[…]

Thorsten Hahn

MaRisk-konformer Einsatz des iPads in der Bank

Der Siegeszug des iPad ist nicht aufzuahlten, auch[…]

Thorsten Jekel

„Der Fokus liegt auf der Online-Präsenz“

Im Interview mit den BANKINGNEWS spricht Kai Fürderer,[…]

Thorsten Hahn

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Über 200 Vergleichsportale gibt es heute bereits. Das[…]

Thorsten Hahn

Das Mitarbeitergespräch: Führung oder Flop?

Es ist Herbst. Die Tage werden kürzer. Zeit[…]

Niels Pfläging

„Du bist, was Du teilst!“

You are what you share! „Du bist, was[…]

Prof. Martina Dalla Vecchia

Outsourcing von Kreditanalysen

Zeiten ändern sich. Dieser berühmte Satz kann problemlos[…]

Markus Diehl