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Vorsatz 2010: Vertrauen gewinnen

Von Kornelius Purps - 23. Dezember 2009

Von Kornelius Purps, Fixes Income Strategist bei der UniCredit Research

• Glaube: Ifo-Index schließt das Datenjahr mit einem weiteren Anstieg ab
• Liebe: Griechenland wirbt um das Vertrauen der Anleger
• Hoffnung: Ein schönes Weihnachtsfest und alles Gute für das Jahr 2010

In Deutschland leben zurzeit 26,6 Millionen Schweine. Das sind 1,3% weniger als noch vor einem halben Jahr. Das Statistische Bundesamt ließ in seiner Pressemeldung allerdings offen, ob nach einem Jahr fortgesetzten Banker-Bashings der gemeine Investmentbanker ebenfalls als „Schwein“ klassifiziert wird. Ein Hinweis darauf könnte sein, dass sich die Zahl der Zuchtsauen (Head-Of‘s) sogar um 3,9% verringert hat, während die Zahl der Ferkel und Jungsauen (Azubis) konstant geblieben ist.

Ja, es war wirklich kein leichtes Jahr für uns, die wir im Finanzgewerbe unsere Brötchen verdienen. Die (beruflichen) Vorsätze für das kommende Jahr ergeben sich somit von ganz alleine: Vertrauen wiedergewinnen. Dem Kunden zuhören und ihn individuell beraten. Und die richtigen Produkte empfehlen. Auf der Anlageseite wäre die Top-Empfehlung im Jahr 2009 nicht etwa eine Siemens-Anleihe, Porsche-Aktien oder gar Gold gewesen. Nein, Knoblauch war der absolute Renner. Unbestätigten Quellen zufolge hat sich der Knofi-Preis in China seit Jahresbeginn verfünfzigfacht. „Stinkreich“ seien einige Spekulanten damit geworden. Man spricht bereits von einer Knoblauchblase – wenn diese platzt, muss man vielleicht nicht unbedingt in der Nähe sein. Bevor jetzt jemand fragt: Nein, es gibt (noch) keine Knoblauch-Derivate wie Futures oder ETFs. Wenn sie mitspekulieren wollen, müssen Sie schon den Supermarkt plündern und das Zeug im eigenen Keller lagern. Kleiner Tipp: Für nächstes Jahr wird eine Chili-Blase erwartet…
Chili-Scharf ist auch das, was wir aus Dubai hören: Die Dubai-Krise wurde mehr oder weniger offiziell für beendet erklärt. Nicht ganz so schnell ging die Krise in Irland vorbei. Aber auch dort scheint wenigstens die Rezession beendet zu sein, nachdem das BIP im dritten Quartal um 0,3% gestiegen ist. Gerade erst so richtig angefangen hat die Krise in Griechenland. Das Downgrade von S&P auf „BBB+“ kam für viele Marktteilnehmer überraschenderweise überraschend. Und so weiteten sich die Renditeaufschläge auf griechische Staatsanleihen gegenüber Bunds abermals um 20-30 Bp aus. Zwischen 250 Bp und knapp 300 Bp liegt aktuell der Renditevorsprung. Wer 100%ig von einem wie auch immer gearteten Bail-Out überzeugt ist, darf da gerne einsteigen. Allerdings benötigen Sie starke Nerven (vorübergehend stärkere Spreadausweitung), ausreichend Kreditlinie – und Sie müssen Ihre Zuchtsau vom tieferen Sinn einer solchen Anlage überzeugen. Dieser Tage befinden sich die griechischen Offiziellen auf einer Werbe-Tour quer durch Europa, um die Anleger von der Nachhaltigkeit des anvisierten Sparprogramms zu überzeugen. Wahrscheinlich kommt Griechenland (wie jedes Jahr) gleich Anfang Januar mit einer neuen Anleihe an den Markt. Die erfolgreiche Platzierung eines 7-Mrd.-10-Jahres-Bonds würde die Marktteilnehmer sicherlich beruhigen. Reicht‘s am Ende aber nur für ein mickriges 3-Mrd.-3-Jahres-Papier, dürften uns gleich zu Jahresbeginn stürmische Zeiten ins Haus stehen. Hellas-Bashing könnte sich schon bald etablieren und uns arme Banker etwas entlasten.
Neben Griechenland erregten gestern noch die geplanten neuen Kapitalvorschriften für Banken Aufmerksamkeit. Ab Ende 2012 sollen Finanzinstitute mehr und „besseres“ Eigenkapital ausweisen. Dies setzte Banktitel unter Druck, die Aktienmärkte gingen schwächer aus dem Handel, Anleihen dagegen fester. Der Euro verabschiedet sich derweil aus dem Kreis der „festen“ Währungen – der Fall Griechenland spielt hierbei sicherlich die Hauptrolle. Heute kommt noch der Ifo-Index (18.12. – 10:00h), und dann geht‘s für die meisten von uns ab in die Weihnachtspause. Denken Sie bitte daran, dass beim Abbrennen von Kerzen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe entstehen können und der eifrige Konsum von Großmutters Plätzchen zu einer idiopathischen intrakraniellen Hypertension führen können.
Ich sage „Danke“ für ein intensives Jahr mit Ihnen, liebe Leser. Ihre Rückmeldungen sind mir jeden Tag auf‘s Neue Ansporn, mich den Entwicklungen an den Märkten von schräg unten anzunähern. Ich wünsche Ihnen erholsame Tage! Ab dem 4. Januar 2010 geht es dann von dieser Stelle wieder weiter. Frohes Fest!

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