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Mitarbeiterführung mit Herz und Biophysik

Von Gabriela Friedrich - 23. April 2015

Eigentlich ist es ganz einfach: Führungsverhalten ist dann erfolgreich, wenn es  sich nach der biologischen Realität der Spezies Mensch richtet und nicht nach theoretischen Modellen, wie der Mensch nach Ansicht der Wirtschaft sein sollte. Besonders wichtig für den Umgang mit Mitarbeitern (und mit sich selbst) sind dabei aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse über das Herz.

„Mitarbeiterführung mit Herz“ – wenn ich dieses Thema bei Bankern anspreche, passiert es schon mal, dass ich zunächst belächelt werde. „Ach, wieder einer von diesen Gutmenschen“. „Nein“, sage ich, „es geht um das Herz als Organ.“ Jetzt ist die Verwirrung komplett. Schließlich kennt jeder das Herz als eine Blutpumpe. Wie kann die bei der Personalführung relevant sein? Doch wenn ich dann erzähle, welche erstaunlichen  Fähigkeiten und Eigenschaften dieses Organs die Forschung mittlerweile entdeckt hat, lauscht jeder Banker vom Berater bis zum Vorstand fasziniert, denn ein Herz hat schließlich jeder. Und was es, wissenschaftlich erwiesen, vermag, macht jede psychologische Diskussion über die Notwendigkeit eines wertschätzenden, achtsamen Umgangs überflüssig. Deshalb lade ich Sie jetzt ein zu einem Exkurs in Ihr Herz und in das Ihrer Kollegen und Mitarbeiter.

Das Herz als Informationslieferant

Das Gehirn gilt gemeinhin als die alleinige Steuerungszentrale des Menschen. Weit gefehlt. Neurokardiologen haben herausgefunden, dass sich im Herzen eine Gebilde aus ca. 40.000 Gehirnzellen (Neuronen) befindet, womit das Herz völlig unabhängig vom Gehirn fähig ist, zu empfinden, sich zu erinnern und Entscheidungen zu treffen. Und sie entdeckten, dass während des permanent stattfindenden Informationsaustausches zwischen Herz und Gehirn deutlich mehr Informationen vom Herzen an das Gehirn gesendet werden als umgekehrt. Wenn Sie also zukünftig auf „die Stimme Ihres Herzens“ achten, handeln Sie keinesfalls unvernünftig, sondern nutzen vielmehr sein biologisches System dafür, sich wertvolle zusätzliche Informationen zugänglich zu machen. Ein kluges Vorgehen, gerade wenn Sie komplexe Situationen beurteilen oder wichtige Entscheidung treffen müssen.

Das Herz als biophysikalischer Kommunikator

Das Hirn sendet kraftvolle Schwingungen aus, was keinesfalls esoterisch, sondern biophysikalisch zu verstehen ist. Bereits in den 1960er Jahren entdeckte man, dass das Herz als stärkste elektromagnetische Kraftquelle des Körpers ein mehrere Meter weit reichendes Schwingungsfeld erzeugt, das von Mitmenschen wahrgenommen werden kann. Sprechen wir über Ausstrahlung oder Charisma, ist letztlich dieses Feld gemeint. Dieses Feld elektromagnetischer Wellen vermag sogar, wie Hirnstrommessungen (EEG) belegen, einen direkten Einfluss auf Menschen auszuüben. Und es gehört schon seit Urzeiten zur „Basisausstattung“ des Menschen: Es handelt sich hierbei wohl um eine Form der nonverbalen Informationsübermittlung, die ein Relikt aus der Zeit ist, bevor der Mensch anfing, sich über Sprache zu verständigen. Welche Informationen über die Wellen gesendet werden und wie sie auf den Empfänger wirken, hängt von den Emotionen des Senders ab, die wiederum den Herzrhythmus steuern. Ein Bankmanager, der seinen Mitarbeitern Gefühle wie Sympathie, Wertschätzung und Dankbarkeit entgegenbringt, kreiert also ein völlig anderes Feld als jemand, der Geringschätzung empfindet. Ersteres können Sie sich als schönes, gleichmäßiges Wellenmuster vorstellen, Letzteres als unregelmäßige zackige Linie. Sie können sich denken, welches Muster sich für den Empfänger angenehmer und motivierender anfühlt.
Wie die Einflussnahme von Mensch zu Mensch mittels Elektromagnetismus genau funktioniert, ist noch nicht abschließend geklärt. Es gibt aber Hypothesen, dass dabei das Bindegewebe eine entscheidende Rolle spielt, was aufgrund des Aufbaus seiner Kollagenfasern die Eigenschaft besitzt, sowohl Feinströme als auch Informationen transportieren und verarbeiten zu können.

Das Herz als Einflussfaktor auf Leistungsfähigkeit und Gesundheit

Wie gut Sie oder Ihre Mitarbeiter nachdenken und arbeiten können und wie einwandfrei alle körperlichen Regulationsprozesse ablaufen, beeinflusst das Herz ebenfalls. Und spätestens jetzt wird jedem klar, welchen unmittelbaren (messbaren) Effekt die innere Haltung einer Führungskraft hat: Ist sie wertschätzend und entspannt, passiert Folgendes: Aufgrund des ständigen Informationsaustausches zwischen Herz, Gehirn und dem restlichen Körper kommt es bei der Führungskraft selbst zu einer optimalen Synchronisierung der Rhythmen von Herzschlag, Atmung und Blutdruck (Herzkohärenz). In diesem kohärenten Zustand ist ihr Gehirn maximal leistungsfähig und alle Prozesse im Körper, die der Gesunderhaltung  dienen, funktionieren bestmöglich. Das Gleiche bewirkt die Führungskraft bei ihren Mitarbeitern, die sich als Reaktion auf die Haltung des Vorgesetzten ebenfalls wohl und gelassen fühlen. Auch sie kommen in einen Zustand der Herzkohärenz, womit sie perfekt  leistungsfähig sind und ihr Potential voll entfalten können.

In den USA ist Herzkohärenz für viele Unternehmen ein Thema

Mit diesem Wissen um biologische Wirkzusammenhänge ist nachvollziehbar, warum mittlerweile in den USA Herzkohärenz für viele Unternehmen ein Thema ist, denn nur eine positiv emotionsgeladene Führungskultur fördert die Erreichung der unternehmerischen Ziele, während schlechte Führung diese (ungewollt) sabotiert. Für diejenigen, die sich dennoch schwertun umzudenken, gibt es Studien, die beispielsweise belegen, dass die Wundheilung bei Menschen, die viel streiten, deutlich länger dauert als bei denen mit einem harmonischen Miteinander; so gut wie alle biologischen Prozesse im Menschen reagieren stark auf Emotionen. Entsprechend wichtig ist es, dass Führungskräfte, aber auch Mitarbeiter, Methoden der emotionalen und mentalen Selbstregulation beherrschen; sie ermöglichen es, akute Emotionen und emotionssteuernde Konditionierungen rasch und einfach zu beseitigen und den Weg frei zu machen für eine rundum zielführende Selbst- und  Mitarbeiterführung.

Bildnachweis: ismagilov via istockphoto.de

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