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Welt der Visionäre

Von Redaktion - 03. September 2012

Innovationen erfordern Mut und die Bereitschaft gewohnte Pfade zu verlassen. Unter welchen Voraussetzungen entstehen die Ideen von morgen?

„If you can dream it, you can do it”, sagte Walt Disney einst. Es gehörte zur festen Überzeugung des Filmproduzenten, dass Visionen Wirklichkeit werden können, was er nicht zuletzt mit seinem eigenen Handeln bewiesen hat. Und so gibt es neben dem Disney Konzern auch viele andere Unternehmen, die ihre Mitarbeiter dafür bezahlen den ganzen Tag zu träumen.

Als Innovationsmanagement bezeichnet man die Generierung von Ideen und Lösungen in Bezug auf Produkte und Prozesse. Sogar ganze Geschäftsmodelle werden in diesem Zusammenhang neu überdacht. Als Teil der Unternehmensstrategie werden Innovationen immer bedeutsamer. Unternehmen sehen sich permanentem Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Wer sich mit seinen Produkten und Dienstleistungen in Wachstumsmärkten positioniert, schafft neues Potential und die Aussicht auf Gewinne. Beim Innovationsmanagement geht es darum Grenzen zu überschreiten, Regeln zu brechen und Neues entstehen zu lassen. Damit ist eine gewisse Risikobereitschaft verbunden, gleichzeitig verbirgt sich dahinter eine enorme Chance.

Das US-Wirtschaftsmagazin BusinessWeek veröffentlicht jährlich eine Liste mit den 50 innovativsten Unternehmen weltweit. Gerade mal zwei deutsche Unternehmen schafften es 2010 in das Ranking (Volkswagen: Platz 15, Siemens: Platz 34). Angeführt wird die Liste von Apple, gefolgt von Google auf dem zweiten Platz und Microsoft auf Platz Drei. Im Gegensatz zu den USA ist das Sicherheitsdenken in Deutschland stark vorhanden. Und so verwundert es nicht, dass rund die Hälfte der gelisteten Unternehmen ihren Hauptsitz in den USA hat. Allerdings wird Innovationsmanagement hier nicht innerhalb der bestehenden Unternehmensstruktur implementiert, sondern man hat längst erkannt, dass Kreativität zum festen Bestandteil der Unternehmenskultur werden muss. So ist Corporate Creativity entstanden; schon lange wird es an renommierten US-Universitäten gelehrt. Mittlerweile hat es auch in europäischen Hochschulen Einzug gehalten.

Zunächst einmal müssen also die richtigen Voraussetzungen für kreatives Denken geschaffen werden. „Unternehmen in jeder Industrie geht es besser, wenn es ihnen gelingt, eine Kultur der Kreativität zu etablieren“, sagt Prof. Teresa Amabile, Forscherin an der Harvard Universität. Sie geht sogar noch weiter und meint, „Um ihre gesellschaftlichen Ziele zu erreichen entwickeln sie Organisationen die systematisch Kreativität zerstören“. Die Unternehmensberatung Ideeologen hat in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für strategisches Management der Handelshochschule Leipzig (HHL) die 26 innovativsten Unternehmen analysiert und deren Erfolgsfaktoren ausgemacht. In die Untersuchung aufgenommen wurden Unternehmen wie Apple, Intel, Disney, Nike oder die indische Tata Gruppe, die 2009 und 2010 im Ranking der BusinessWeek erschienen.
Die Studie brachte hervor, dass traditionelle Führungsstrategien und Unternehmensstrukturen völlig ungeeignet sind, um Kreativität zu fördern. Die untersuchten Unternehmen sind stolz auf ihre Innovationskultur und betrachten sie als grundsätzlichen Motor ihres Erfolges. Dabei hat jedes Unternehmen seinen individuellen Ansatz entwickelt, welcher nicht vergleichbar ist und sich vor allem nicht einfach nachahmen lässt. Es beginnt beispielsweise schon bei der Einstellung von Mitarbeitern, Anreizsystemen, und Unternehmenshierarchien. Innovative Unternehmen haben zudem eine hohe Risikobereitschaft. Sie lassen ihre Mitarbeiter experimentieren, wobei sie auch scheitern dürfen und darüber hinaus wird es toleriert. Die Tata Gruppe zum Beispiel vergibt einen Preis für gescheiterte Innnovationen, um den Einsatz ihrer Mitarbeiter zu honorieren.

Die Unternehmen in der Studie setzen Denkprozesse nicht mit Produktionsprozessen gleich. Ideen entstehen unterbewusst und willkürlich, man kann sie weder planen noch messen oder in eine feste Form pressen. Laut den US-Wissenschaftlern Alan G. Robinson und Sam Stern, „Ist der Großteil des kreativen Potentials eines Unternehmens mit den herkömmlichen Planungs- und Kontrollmechanismen des Managements praktisch nicht erreichbar“. Prozesse sollen deshalb nicht aufgelöst werden. Vielmehr sollen sie in neue Strukturen eingebettet werden, die in erster Linie Freiräume zum Denken lassen.
Schließlich kommt auch der Rolle des Managements und der Mitarbeiterführung ein verändertes Verständnis zu. Die Wissenschaftlerin Amabile meint, dass das soziale Umfeld im Unternehmen, „sowohl den Grad als auch die Häufigkeit von kreativem Verhalten beeinflussen“. Mit seinem Führungsstil kommt dem Vorgesetzten einer Abteilung oder eines Teams die Aufgabe zu dieses Umfeld zu etablieren. Manager setzen ihren Mitarbeitern visionäre Ziele und schaffen damit erst die Voraussetzung ungewöhnliche Ideen zu denken. Intel veranstaltet zweimal Jährlich das Intel Developer Forum. Die Teilnehmer sind dazu aufgefordert ihre schwierigsten technischen Fragestellungen vorzustellen und anschließend von einer Expertenrunde erörtern zu lassen.

Ein Zeichen dafür, was mit Handlungsfreiheit in Unternehmen erreicht werden kann setzt Google: Einen Tag in der Woche haben die Mitarbeiter zur freien Verfügung, um an ihren 20 Prozent-Projekten zu arbeiten. Dabei beschäftigen sie sich nur mit Themen die sie interessieren. Ungewöhnlich ist auch, dass Informationen für alle frei zugänglich sind. Jeder weiß woran der andere gerade arbeitet und an welchen Ansprechpartner er sich wenden muss. Manche glauben es seien 20 Prozent verschwendetes Arbeitspotential. Kritikern setzte Marissa Mayer, ehemalige Leiterin des Produktmanagements für Suchprodukte bei Google, entgegen, „50 Prozent aller neuen Google-Produkte kamen aus dieser 20-Prozent-Zeit“. Ein Beispiel ist sicherlich Google News, die ein Informatiker im Rahmen seines 20-Prozent-Projekts entwickelte. Anhand von Stichworten werden Nachrichtenquellen aus aller Welt zusammengetragen.

Foto von PinkTag – www.istockphoto.com

 

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