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BelloBörse rennt voraus – Eine Aktienhausse ohne Ende?

Von Andreas Meyer - 09. März 2015

Trotz allen Wandels gibt es doch Konstanten. Eine davon sind die Crash-Propheten, die in jeder Hausse einen Vorboten eines bald kommenden Totalzusammebruchs des Kapitalmarktes erkennen wollen. Das derzeitige Hoch am deutschen Aktienmarkt ist für sie weder nachhaltig noch von Dauer. Doch ein näherer Blick zeigt das Gegenteil.

Es war der Börsenaltmeister André Kostolany (1906 – 1999), der immer wieder das Börsengeschehen anhand interessanter Alltagsmetaphern erklärte. Dies war wertvoll und hat den Kapitalmarktlaien die so kompliziert wirkendenden Finanzmärkte näher gebracht. Eine meiner Lieblingsmethapern, die er seinerzeit verfasste, ist folgende: Kostolany beschrieb Wirtschaft und Börse als Herrchen, das mit seinem Hund, die Börse, die tägliche Runde dreht. Den Aktienmarkt bezeichne ich gerne als BelloBörse. Das Herrchen geht nun die vorher geplante Route, beeinflusst durch Regen oder Sonnenschein mal schneller und mal langsamer. Der Hund hingegen sieht weit im Voraus ein Rascheln im Gebüsch und rennt voraus, in der Hoffnung dort etwas Spannendes wie einen Hasen zu erhaschen. Auch wenn er sich zu weit von seinem Herrchen entfernt, kehrt er irgendwann zurück. Dieses Szenario wiederholt sich mehr als einmal. Am Ende des Spaziergangs ging das Herrchen zwei Kilometer. Durch das Vor- und Zurückrennen schaffte BelloBörse gar stolze vier Kilometer, erreichte aber zeitgleich mit dem Herrchen den Zielort.
Und so spielt es auch an der Börse. Gerüchte treiben den Markt, Draghi sorgt derzeit für Sonnenschein, Politiker in Athen, Berlin und Brüssel verstecken Überraschungen im Gebüsch und die Aktienmärkte, gerade hierzulande, machen sich auf zu neuen Allzeithochs. Nichtsdestotrotz sollte man sich davon nicht zu sehr blenden lassen und die eigens gesetzten Strategien weiter fest im Auge behalten.

Gute Stimmung lässt Vorsicht walten

Es war ebenso Kostolany, der versuchte, die Börse auf die aktuelle Gemütslage zu untersuchen. Mit der Befragung des Taxifahrers oder anhand des Mildmädchentests lotete er aus, ob sogar bereits hier ein Aktieninteresse besteht und die Märkte heiß zulaufen drohen. Heute muss man diesen Aufwand nicht mehr auf diese Weise betreiben. Zahlreiche Umfragen erlauben einen Blick auf viele spannende Indikatoren. Unterm Strich jedoch lassen auch diese Ergebnisse die gleichen Schlüsse zu. Aktuell dominiert ein allgemeiner Optimismus, was vor allem der lockeren Geldpolitik sowohl in Europa als auch in den USA geschuldet ist. Das alles wirkt sich auf das Anlegerverhalten aus, das derzeit steil den Gipfel des Optimismus anpeilt, wie wir es zuletzt im Januar, Juni und September des vergangenen Jahres gesehen haben. Daraufhin gab es jedes Mal eine ordentliche Korrektur, die antizyklisch so auch prophezeit werden konnte. Zahlreiche „Finanzmarktexperten“ hingegen hatten darin jeweils bereits den Anfang eines Crashs prognostiziert. Crash-Propheten gibt es viele und so ist es nur normal, dass es von Zeit zu Zeit jemand trifft, der im Timing richtig liegt, sei es durch Glück oder tatsächliche Expertise.

Fundamental keine Blase in Sicht

Die Blase ist in jüngster Vergangenheit sicherlich eines der Hauptschlagwörter zahlreicher skeptischer Marktbeobachter. Die bereits genannte Börsenpsychologie eignet sich bestens, um kurzfristige Marktbewegungen, z.B. in Form von Korrekturen, antizyklisch vorauszusagen und sich dementsprechend zu verhalten. Wer sich jedoch die langfristige Brille aufsetzt, merkt schnell, dass es an den Börsen derzeit noch keine Blasen gibt. Ein Blick auf die Kennzahlen, wie das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) oder auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), spricht für sich. Es sind schließlich diese spannenden Merkmale, die anzeigen, ob und inwiefern Märkte aktuell über- oder unterbewertet sind. Werfen wir mal einen Blick auf das KGV.

Die Zahlen sprechen für sich

Wie bekannt, setzt es die Gewinne des jeweiligen Unternehmens in Relation zum derzeitigen Kurs. Beim DAX liegt er derzeit bei ca. 15. Das ist noch voll und ganz im Rahmen, denn es ist nur leicht über dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Zum Vergleich: Zu Zeiten der „New-Economy“ vor ca. 15 Jahren belief sich das KGV für den DAX auf zeitweise über 30. Ganz ähnlich sieht es beim KBV aus. Als Verhältnis zwischen bilanziertem Eigenkapital pro Aktie und Aktienkurs gehört diese Kennzahl ebenso zu einer der meistbeachteten fundamentalen Instrumente für Aktienmärkte. Das KBV zeigt dabei aktuell bereits eher teuer bewertete Kurse an, ähnlich wie wir es auch vor Ausbruch der Finanzkrise Ende 2007 gesehen haben. Jedoch darf man vor allem fundamental die Aussage treffen, dass wir zwar bereits ordentlich bewertet sind und sich die Suche nach Schnäppchen als schwieriger erweist, man jedoch noch weit von einer wahren Blasenbildung entfernt ist.

Schwaches Europa stützt den DAX

Diese Aussage wirkt auf den ersten Blick verwirrend. Beim zweiten Blick ergibt das alles Sinn. Das schwächelnde Europa hat dafür gesorgt, Mario Draghi zu einer expansiven Geldpolitik zu drängen. Durch das Fluten der Märkte mit über 60 Milliarden Euro im Monat versucht die EZB der kriselnden Wirtschaft in Europa wieder auf die Beine zu helfen. So etwas nennt man eine lehrbuchhafte Liquiditätsschwemme, wie man sie noch nie zuvor hatte. Sie wirkt sich mehrfach auf die Märkte aus.
Einerseits ist die Zinslandschaft bekanntermaßen am Boden und immer mehr institutionelle Investoren suchen ihre Alternativen auch in Aktien. Dies beflügelt die Märkte und gerade den DAX, da vor allem deutsche Unternehmen als krisensicher und ertragsstark gelten.
Anderseits jedoch schwächelt durch die erhöhte Geldmenge auch der Euro gerade im Vergleich zum US-Dollar. Dies bewegt amerikanische Investoren am europäischen Aktienmarkt zuzuschlagen und ihr Geld dann vor allem im „German Mittelstand“ anzulegen. Der schwache Eurokurs tut sein Übriges hinzu, die Gewinne exportstarker Unternehmen hierzulande weiter kräftig sprudeln zu lassen.

Unterm Strich wird der Aktienmarkt heißer

Aus antizyklischer Sicht ist bei der gefährlich angestiegenen Euphorie Vorsicht das Gebot der Stunde. Bereits zu viele Investoren zeigen einen ordentlichen Optimismus, weswegen vor allem kurzfristig mit Rückschlägen gerechnet werden darf. Auf längere Frist hingegen sprechen die fundamentalen Daten derzeit gegen einen Crash. Die Bewertungen des wichtigsten deutschen Aktienindex DAX sind zwar bereits ordentlich, jedoch noch weit von einer Blasenbildung entfernt. So lange also Draghi mit Milliarden für Unterstützung sorgt, der Markt mit Liquidität geflutet wird, der Euro derart schwach bleibt und weiter auf Parität zuläuft, ist keine nachhaltige Baisse in Sicht. Die Frage, die man sich langfristig dann stellen muss, ist: „Was passiert ohne Draghis Milliarden und der damit neu geschaffenen Normalität“

Bildnachweis: fandijki via istockphoto.de

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