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Shutdown

Von Kornelius Purps - 08. Oktober 2013

Die Fed ist aufgrund des Verwaltungsstillstands in den USA zur Untätigkeit verdammt.

Diese Woche haben wir es eigentlich ganz einfach: Der mit riesengroßem Abstand wichtigste Einflussfaktor für das Marktgeschehen sind die Haushaltsverhandlungen in den USA. Das ist ein bemerkenswerter Fortschritt. Noch vor einer Woche teilten sich die Themen „US Budget“, „Italien“, „EZB“, „Fed“ und „US Arbeitsmarktbericht“ den ersten Platz auf der Must Watch List. In Italien hat sich der Thriller im Verlauf der vergangenen Woche aus Sicht der Marktteilnehmer zum Positiven gewendet. Die EZB hielt eine bemerkenswert kursneutrale Pressekonferenz ab. Die Fed ist aufgrund des Verwaltungsstillstands in den USA gewissermaßen zur Untätigkeit verdammt. Und der US Arbeitsmarktbericht wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Diese Woche also (fast) nur noch ein Thema, wahlweise umschrieben mit „Shutdown“, „Debt Limit“ oder „Budget Impasse“.

„Fast“, weil wir die zahlreichen Zahlen zur August-Industrieproduktion in den Mitgliedsländern der Eurozone nicht unter den Tisch kehren wollen. Diese werden nämlich durch die Bank ziemlich stark erwartet. Zum einen als „Ausgleich“ für die unerwartet schwache Performance im Juli. Zum anderen als realwirtschaftliche Bestätigung der positiven Entwicklung in den zahlreichen nationalen Stimmungsumfragen. Die Volkswirte erwarten Zuwächse zwischen einem halben und einem vollen Prozent im Monatsvergleich. Dem Shutdown zum Trotz veröffentlicht die Fed die Minutes des letzten FOMC Treffens. Aber jeglicher Einfluss auf das allgemeine Kursgeschehen dürfte überschaubar sein. Viel bedeutender für den Handel rund um den Globus werden die Entwicklungen in den USA sein:

Budget: Der aktuelle Verwaltungsstillstand (Shutdown) ist Folge der Nichteinigung im Kongress über einen Haushalt für das laufende Fiskaljahr 2013/2014, welches am 1. Oktober begann.

Schuldengrenze: Die Anhebung der Schuldengrenze hat mit der Budgetfrage im Prinzip nichts zu tun. Es ist eine Koinzidenz, dass „Haushalt“ und „Schuldengrenze“ quasi zur selben Zeit Gegenstand politischer Auseinandersetzungen sind. Stichtag ist der 17. Oktober, an welchem die USA laut Finanzministerium riskieren, ihre Zahlungsfähigkeit zu verlieren.
Republikaner: Die Opposition unter John Boehner verlangt im Gegenzug für eine Zustimmung zum Haushalt substanzielle Änderungen an Obamas Gesundheitsreform „Obamacare“.

Demokraten: Präsident Obama ist grundsätzlich zu Nachverhandlungen in der Sache Obamacare bereit – aber nicht im Zusammenhang mit den Themen „Budget“ und „Schuldengrenze“.
Die Situation ist verfahren. Das Wochenende brachte keine wesentlichen Fortschritte. Die Reaktion auf die Entwicklungen an den Märkten ist derweil abhängig vom jeweils unterstellten Szenario:
Szenario 1: Budget- und Schuldengrenzenfrage werden bis spätestens 17. Oktober beantwortet (das verbreitete Basisszenario und auch unsere Grundannahme).
Szenario 2: Schuldengrenzenfrage wird rechtzeitig gelöst, Budgetfrage nicht, Shutdown hält an.
Szenario 3: Budgetfrage wird gelöst, nicht aber die Schuldengrenzenfrage.
Szenario 4: Weder in der Budget- noch in der Schuldengrenzenfrage gibt es eine Einigung.

Bundesanleihen dürften den Safety-Bid ebenfalls spüren. Jede Agenturmeldung, welche auf eine baldige Beendigung der Konflikte hindeutet, kann jedoch auch ganz schnell zu steigenden Renditen führen – jenseits der US Fiskaldebatte bleibt der Renditetrend nach oben gerichtet. Für den USD lassen sich Argumentationsketten in beide Richtungen formulieren – erfahrungsgemäß bewegt sich der USD während Haushaltsdiskussionen eher relativ wenig von der Stelle. Ach herrjeh – und ich dachte, diese Woche hätten wir es ganz einfach…

Foto von qingwa – www.istockphoto.de

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