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Whisky als Investment

Von Thomas Ide - 19. Juni 2015

Was dem einen sein Rotwein oder Cognac am Abend, ist dem anderen sein Single Malt Scotch Whisky. Manche schwören auf süße Sherry- und Fruchtnoten, andere auf intensiven Rauch oder scharfe Teer-Aromen. Seit einigen Jahren steigt die Zahl der Whisky-Genießer, aber Whisky als Investment erscheint vielen noch immer reichlich exotisch.

Inzwischen ist Whisky mehr als nur ein Genussmittel. Gerade in Zeiten, in denen herkömmliche Anlageformen wenig oder überhaupt keine Rendite mehr abwerfen, kann eine Investition in „flüssiges Gold“ vielversprechend sein. Sensationspreise bei Whisky-Auktionen beflügeln zusätzlich die Fantasie. So wechselte 2010 eine Flasche Macallan von 1946 für 460.000 US-Dollar den Eigentümer.
Welche Renditen durchschnittlich mit Whiskys erzielt werden können, hängt von mehreren Faktoren ab und lässt sich nicht so genau bestimmen. Allerdings sprengen Preissteigerungen von 30 – 50 Prozent pro Jahr bei ausgewählten Raritäten nicht den Rahmen. Allerdings braucht es bei Investitionen in Whisky, wie bei allen anderen Investitionsfeldern auch, eine fundierte Marktkenntnis, um Verluste zu vermeiden. Während bestimmte Marken und Flaschen teilweise rapide an Wert zulegten, bewegten sich andere fast überhaupt nicht. Generell sollte man daher vom Kauf von Whiskyflaschen abraten, die bereits gewaltige Preissprünge hinter sich haben, da der Markt nicht so groß ist und bei diesen Preissteigerungen beim Verkauf die Gruppe der möglichen Interessenten sehr klein geworden ist.

Der Markt entscheidet, ob sich ein Investment lohnt

Aber es gibt durchaus noch Whiskyabfüllungen, die noch nicht in den Fokus der Sammler und Investoren geraten sind. Dies hat den schönen Nebeneffekt, dass sie an Wert noch enorm zulegen können. Letzten Endes entscheidet aber immer der Markt, ob ein Investment interessant ist und sich lohnt.
Besonders lohnt sich ein Investment in Originalabfüllungen, d.h. Whiskys, die unmittelbar vom Hersteller abgefüllt werden. Selbst wenn die Erzeugnisse unabhängiger Abfüller in manchen Fällen qualitativ besser sein sollten, ist deren Renditepotenzial in der Regel beschränkt. Hier spielt der prestigeträchtige Markenname noch eine große Rolle; insbesondere für Investoren und eventuelle spätere Verkäufe in Schwellenländern. Darum haben meiner Meinung nach Abfüllungen von geschlossenen Whiskybrennereien, sogenannten „Lost Distilleries“, d.h. bekannten Herstellern, bei denen die Produktion stillgelegt bzw. die Anlage abgerissen wurde, ein besonders gutes Potenzial. Zu nennen sind hier etwa Brora, Rosebank und St. Magdalene. Daneben existieren natürlich noch einige produzierende Destillerien mit besonderen Markengeschichten und limitierten Angeboten, wie z.b. Ardbeg oder ältere Abfüllungen von Macallan.
Als Orientierung zur Marktsituation und Nachfrage eignen sich Vergleichsportale wie z.B. der „world-whisky-index“ und „whiskyauction.com“. Diese bieten auch umfangreiche Datenbanken, bei denen man die Preisentwicklung einzelner Abfüllungen sehr gut nachverfolgen kann.

Whisky – nur etwas für langfristige Investitionen

Neben Investitionen in besondere Abfüllungen oder Whisky-Raritäten denken Whiskykenner gelegentlich auch über Anlageformen für ganze Whiskyfässer nach: Dies kann ein durchaus interessantes Langfrist-Investment sein, allerdings nur, wenn man auch ein Konzept und Wege hat, den Output nach 5 – 20 Jahren gewinnbringend zu verkaufen. Das ist eine wichtige Frage, denn wer hat schon die Logistik und Vertriebsstruktur, um mehrere hundert Liter Whisky an den Mann zu bringen?
Wer nur eine kurzfristige Investition sucht und glaubt, damit schnell einen guten Schnitt zu machen, wird leicht enttäuscht.
Aber egal, wie man es betrachtet, ist das Geschäft mit Whisky sicher ein genussvolles Unterfangen: Wenn man nicht nur Investor, sondern auch Whiskyliebhaber ist, kann man sein angelegtes Lebenswasser immer noch selbst genießen anstatt den Whisky mit Verlust zu verkaufen. Lassen Sie mich daher den Artikel mit einem schottisch-gälischen Trinkspruch beenden: „Slainte mhath.“

Bildnachweis: Thomas Ide von The Whisky Chamber

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