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Das Onlinebanking-Konto kann mehr als Zahlungen: Mit Smart Data Fraud-Risiken minimieren

Die Betrugsrisiken nehmen im Bankenumfeld weiter zu: Zahlreiche Medienberichte, Studien sowie eine Reihe von Gesetzen (u.a. KWG, GWG) und Rundschreiben (u.a. MComp, MaRisk) der Bankenaufsicht zeigen, dass das Thema Fraud und dessen Verhinderung eine immer größere Rolle in der bankbetrieblichen Praxis spielt.

Von Martin Schmid - 28. April 2017

Über den "Konto-Check" im Online-Banking können Legitimations- und Kreditprozesse erleichtert und optimiert werden. Bildnachweis: iStock.com/alexsl

Betrug ist im Bankenumfeld zwar kein neues Thema, doch durch neue Entwicklungen, beispielsweise die Kreditvergabe über das Internet, sind Banken gezwungen, sicher und schnell zu entscheiden. Genau das öffnet Menschen mit krimineller Energie einige Möglichkeiten, wie die folgenden Betrugsszenarien (speziell beim Kreditantrag) zeigen:

Falsche Identität / Identität von Dritten

Es passiert immer wieder: Freunde, Familienangehörige oder sogar mittellose Dritte, lassen sich überreden, Betrügern ihre Identität zu geben. Gestohlene Identitäten werden zudem auch über die Schattenseiten des Internets verkauft. Mit diesen Identitäten werden häufig hohe Kredite abgeschlossen und in vielen Fällen auch ausbezahlt.

Manipulation von Umsätzen oder Gehalt

Am einfachsten umzusetzen sind Manipulationen an den Bankdokumenten, die den Kreditinstituten beim Kreditantrag überlassen werden. Dazu zählen gefälschte Kopien von Personalausweisen, fingierte Gehaltsabrechnungen oder bearbeitete Kontoauszüge. Um dieser Art des Betrugs auf die Schliche zu kommen, ist eine Vielzahl manueller Prozesse (z.B. Sozialversicherungsabgleich) des Banken-Risikomanagements notwendig.

Falschangaben bei Beruf und Arbeitgeber

Bekannt ist auch der „Konditionsbetrug“: Der Antragssteller verbessert durch bewusste Falschangaben, z.B. bei Beruf und Arbeitgeber, illegal seinen Antragsscore.

Schnelle Ausfälle nach Kreditabschluss

Menschen mit krimineller Energie lassen erfahrungsgemäß schnell nach Abschluss und Valutierung des Kredits die ersten Raten platzen oder geraten in Verzug. In der Regel ist das ein klares Indiz für Betrug. Diese Szenarien zeigen, dass viele Bewertungsmechanismen bei Kreditanträgen im neuen Zeitalter nicht mehr greifen. Eine schnelle, sichere Bonitätsprüfung – am besten digital – ist für Online-Angebote (z.B. der papierlose Online-Kredit in Minutenschnelle) essenziell. Eine praktische und erprobte Lösung zur Bonitätsbewertung ist die Finanzanalyse des Konsumenten auf Basis seiner Onlinebanking-Daten. Hiermit lassen sich digital und in Echtzeit alle beschriebenen Szenarien auf ein Minimum senken:

Erstens kann der Antragssteller mit einem digitalen „Konto-Check“ nach einem Log-in in sein Onlinebanking-Konto zusätzlich als Inhaber im Sinne des „Know-Your-Customer-Prinzips“ eines bereits bestehenden Kontos validiert werden. Auf diese Weise wird festgestellt, wem das Konto gehört und welche IBAN im Einsatz ist.

Zweitens kann mit dem digitalen Kontoblick der aktuelle und historische Verfügungsrahmen ermittelt werden. Über eine Cashflow-Analyse kann hieraus beispielsweise der beste Zeitpunkt für den Einzug der Kreditrate bestimmt werden – die Gefahr der Kontounterdeckung wird dadurch erheblich minimiert. Ferner lässt sich hierüber einschätzen, in wie weit der Kreditnehmer in der Lage ist, die zukünftigen Kreditraten zurückzahlen zu können.

Drittens ist über eine Analyse im Onlinebanking die Plausibilisierung von Arbeitgeber und Gehalt, die Validierung von „Transferzahlungen“ (Überweisungen zwischen zwei eigenen Konten) bis hin zur vollständigen Kategorisierung von bestehenden Verträgen (z.B. Leasing, Versicherungen, Handy etc.) möglich. Dies zeichnet ein umfangreicheres Bild über die Finanzsituation des Antragsstellers, als es über Auskunfteidaten möglich ist.
Viertens lassen die Umsatz-Historie des Konsumenten und die intelligente Aufbereitung von vorliegenden Kontoinformationen Rückschlüsse über die Fähigkeit des Antragstellers zu, seinen Kredit zu bedienen, aber auch über seinen Willen, die zukünftigen Raten zurückzuzahlen.

Die smarte Verknüpfung der Kontodaten lässt zudem folgende Bewertungen zu: Lebt der Konsument über beziehungsweise unter seinen Verhältnissen? Ist der Antragssteller aufgrund seines Sparpotenzials sogar in der Lage, höhere Raten zu bezahlen oder einen höheren Kredit abzuschließen? Mit einer intelligenten Kontextualisierung von Informationen aus dem Onlinebanking können Banken nicht nur ihr Betrugsrisiko auf ein Minimum senken, sie steigern außerdem ihre Beratungskompetenz.

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