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Wir sind die letzte Verteidigungslinie

Nehmen wir Vorauszahlungsbetrug schon als gegeben hin? Diese Frage und was Banken dagegen tun können, beschäftigt Thomas Sontag als AML Manager ganz besonders.

Von Thomas Sontag - 20. November 2019

Bildnachweis: iStock.com/z_wei

Täglich finden sich überall Berichte und Warnhinweise, online wie offline: Es soll Menschen geben, die Geschichten am Telefon so erzählen können, dass Bankkunden tatsächlich ihr Erspartes in Tüten packen und hinter Glascontainern „zur Überprüfung der Geldscheine durch die Polizei“ hinterlegen. Und wenn es nicht diese Masche ist, ist es eben eine andere: die Erbschaft vom Onkel in China oder zehn Millionen in bar.

Warum funktioniert all das? Warum lassen so viele Menschen all ihre Kritikfähigkeit und Zweifel fallen und transferieren ihr Geld an völlig unbekannte Empfänger? Und dann auch noch ins Ausland, wohin sie doch sonst keine Kontakte pflegen? Weil sie das Gefühl haben, gebraucht zu werden. Weil sie mit jemandem kommunizieren können. Weil ihre tiefsten Wünsche und Sehnsüchte angesprochen werden. Endlich fühlen sie sich an- und ernstgenommen. Die Täter bedienen die Bedürfnisse nach Nähe und sozialer Interaktion in perfekter Manier.

Potenzielle Opfer sind zahlreich

Die zunehmende Isolation von Menschen in der Gesellschaft spielt den Tätern in die Hände. Selbst online gut vernetzte Menschen halte ich für potenziell der „Gruppe der sozial Isolierten“ zugehörig – gemessen an der Möglichkeit, die Frage zu stellen: „Darf ich dich mal was fragen? Ich habe hier etwas Komisches bekommen…“ Diese Frage stellt jemand nur im engsten Kreis vertrauter Personen. Das Risiko, das man sich als absolut naiv entpuppt, ist sonst zu groß.

Damit ist klar, dass potenzielle Opfer zahlreich vorhanden sind. Sie müssen nur entsprechend gelenkt werden. Dann überweisen sie mit der richtigen Geschichte schon willfährig alles, was sie haben. Vielleicht noch mehr, wenn ihre Bank noch ein Darlehen gewährt oder den Dispo aufstockt.

Spätestens hier kommen wir ins Spiel. Die Banken mit ihrer gesetzlichen Pflicht, die Transaktionen der Kunden zu überwachen mit dem Ziel der Verhinderung der Geldwäsche und der Finanzierung von Terrorismus. Wir werden zunächst nicht bemerken, dass (wieder) ein Kunde zum Opfer geworden ist. Die Transaktionen verändern sich, aber am Anfang wird das unsere Indizienmodelle noch nicht zum Klingen bringen. Später? Je nachdem.

Wiederholte Zahlungen deuten auf Gewerbsmäßigkeit hin. Und man kann davon ausgehen, dass auf Täterseite in der Regel nicht Einzelpersonen aktiv sind. Das dürfte Teil der organisierten Kriminalität sein. Also ist hier wahrscheinlich der Vortatenkatalog zur Geldwäsche gemäß § 261 StGB einschlägig.

Dass die Gelder nicht für die Errichtung von Siedlungen für Waisenkinder oder für die Bezahlung von Krankenhausrechnungen verwendet werden, nehme ich dabei als gegeben an. Wer will dann aber ernsthaft ausschließen, dass die Gelder nicht für bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten Milizen verwendet werden? Dass damit niemals Terroranschläge vorbereitet
werden?

„Für die Bank besteht das Risiko einer Schadenersatzforderung“

Wir wissen es nicht, weil wir Täter und ihre Strukturen nicht kennen und weil wir den Verbleib der Gelder nicht nachvollziehen können. Und weil wir Kunden haben, die Tätern alles glauben und damit auch uns Bankmitarbeiter von einem angekündigten Millionengewinn zu überzeugen versuchen. Ein Kunde macht hoffentlich nur einmal Bekanntschaft mit solchen Geschichten, wir hören
sie öfter. Seit Jahren.

So wie es aussieht, sind wir die letzte Verteidigungslinie, die noch etwas für die Opfer tun kann. Und zwar mit der Beantwortung der Frage, ob das angetragene Geschäft plausibel oder der geschilderte Sachverhalt nach unserer Erfahrung glaubwürdig ist. Das allerdings braucht menschliche Kapazitäten zum Beurteilen und Reagieren, wofür wir aber weder Zeit noch Ressourcen zur Verfügung haben. Deswegen habe ich bei beim BANKINGCLUB-Kongress FRAUDMANAGEMENTforBANKS plädiert, dass wir unsere Möglichkeiten nutzen sollten, um dem verbreiteten Phänomen Vorauszahlungsbetrug etwas Wirksames entgegenzusetzen. Wir werden das nur schaffen, wenn wir konsequent reagieren – allerdings mit dem Risiko, dass wir uns damit zwischen alle Stühle setzen. In meinen Augen müssten wir vermehrt dazu übergehen, Zahlungen an verdächtige Empfänger bei unseren Kunden kritisch zu hinterfragen und die Ausführung zu verweigern, sofern uns die Angaben nicht glaubwürdig erscheinen, wir also den wirtschaftlichen Hintergrund nicht verstehen oder nachvollziehen können. Entgegen der vertraglichen Regelung eines Girovertrags mit dem Kunden aus wichtigem Grund.

So viel Geld mit so wenig Sinn

Das könnte zu einer Meldung an die FIU führen und auch das Ende der Kundenverbindung bedeuten. Aber welche Alternativen haben wir? Den Kunden dabei zusehen, wie sie all ihre Vermögenswerte wegtransferieren, auch den Erlös eines Bausparvertrags oder den Gegenwert einer Wohnung gleich hinterher? Erst stoppen, wenn Guthaben alle weg sind und wir befürchten, dass Kreditverpflichtungen uns gegenüber nicht mehr bedient werden können?

Hier sollte die Diskussion intensiviert werden, wie über Institutsgrenzen hinweg und mit der FIU und den Strafverfolgungsbehörden gemeinsam ein effektives Modell zum Schutz der Bankkunden und zur zielgerechten Verfolgung von Verdachtsmomenten bis hin zur Verurteilung der Täter umgesetzt werden kann. Denn ich möchte nicht weiter zusehen, wie so viel Geld mit so wenig Sinn zum Nachteil unserer Kunden unser Haus verlässt. Zumal für die Bank das Risiko einer Schadenersatzforderung besteht, wenn sie allzu unkritisch alle Zahlungen durchwinken sollte.

Thomas Sontag

ING Deutschland

Thomas Sontag ist AML Manager bei der ING Deutschland. Er befasst sich mit CDD-Advice für internationale Konzernkunden, Sanktionen/Embargos, Geldwäschebekämpfung und Fraudmanagement.

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