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Totale Offenheit verhindert Betrug

Digitalisierung macht eine Vielzahl von Regulierungen notwendig, um Finanzbetrug vorzubeugen. Selten orientieren sich diese Vorgaben jedoch konkret an der betroffenen Aktivität, was sie ineffizient macht und letztendlich den Regulierern selbst schadet. Künstliche Intelligenz (KI) kann Abhilfe schaffen, Fraud aber auch begünstigen.

Von Jürgen P. Müller - 19. Februar 2018

Eine Kultur der offenen Zusammenarbeit von NGOs, Regierungen und Unternehmen sowie technische Errungenschaften wie Künstliche Intelligenz können Betrugschancen verringern. Bildnachweis:iStock.com/RichVintage

Betrug – so die deutsche Übersetzung von „Fraud“ – mit allen verwandten Erklärungen setzt voraus, dass die Grundlagen für diesen Betrug durch am Schutz Interessierte im Sinne von Compliance geschaffen worden sind. Strafrechtliche Relevanz ist beim Erlangen von Daten und Informationen nur dann gegeben, wenn Schützenswertes vorhanden ist. Man muss daher definieren, was Tätern vorzuenthalten sein könnte, z.B. Patente, Unternehmensstrukturen und Finanzen. Ein sehr gut funktionierendes Modell ist der sogenannte „Collective Impact“, dessen Erfolg (nach Harvard 2011) in der Offenheit von NGOs, Regierungen und Unternehmen begründet ist, die gemeinsam an der Lösung eines bestimmten Problems arbeiten.

Finanzabteilungen können wie ein Smartphone angezapft werden

Zu schützen sind Elemente, deren Geheimhaltung möglich und erstrebenswert ist. Somit bestehen keine Zweifel, dass sich Betrüger selbstverständlich auch dem Bereich Finanzen widmen, zu dem auch Speicherelemente in Smartphones zählen. Diese lassen sich im Bereich der Near Field Communication (NFC) aus Entfernungen von etwa 30 cm ausspähen – in Aufzügen, auf Rolltreppen, in öffentlichen Verkehrsmitteln. Finanzplätze werden angegriffen, Positionen mit anderen Daten erfasst und verknüpft, die Zahlen zweifelsfrei verändert. Die Finanzabteilung eines multinationalen Konzerns kann wie ein Smartphone angezapft werden.

KI ist in der Lage, solche Vorgänge auszuführen, sie aber auch zu verhindern. Unter anderem deswegen wird dieser einfache Weg von der organisierten Kriminalität (OK) mit großen wirtschaftlichen Interessen nicht gern verfolgt. Geldautomaten können gesprengt und eingeschobene Karten ausgelesen werden, um das dort deponierte Bargeld zu stehlen. KI bedarf es selten, um Fehler an Geldautomaten zu finden, aufzudecken und die Verursacher zu definieren. Der Rest ist dann nur noch Routine und die Kriminellen schnell außer Landes. Analoger Fraud bleibt also möglich, wenn sich Betroffene mit „leichten“ Waffen wehren.

Der organisierten Kriminalität geht es nicht um schnelle Erfolge

Konventionelle Banktechnologien können mit KI überwunden werden. Dies kann mangels digitaler Kompetenz deutscher Banken selten verhindert werden, ist aber leicht zu entdecken. Der OK geht es nicht primär um schnelle Erfolge. Besser und sicherer erscheinen solche, die Zeit und Verknüpfungen kosten, aber selten entdeckt werden.

Das „Künstliche“ einer Künstlichen Intelligenz bezieht sich auf die Anwendung von Konzepten, die Menschen gestaltet haben. Diese können von Maschinen jedoch reproduziert und in viel höheren Dimensionen abstrahiert werden, als es die menschliche Vorstellungskraft zulässt. In der Konsequenz bedeutet das den Einsatz von Bots bei der Ermittlung von Daten, auf die niemand Zugriff haben sollte. Die Einfachheit der Versuchsfolgen ist für Menschen nicht nachzuvollziehen. Diese bedenken psychologisch den optimierten Weg einer angestrebten Lösung. Bots verfolgen alle möglichen Wege, um mit Verknüpfungen den richtigen Weg zu finden. Die Waffe heißt Geschwindigkeit. Im Umkehrschluss ist die Geheimhaltung von analogen Daten nicht möglich, da diese als Resultate offengelegt werden – bei zehn verfügbaren Ziffern und bei etwa 25 einsetzbaren Buchstaben in jeder Kombination eine Frage der Zeit!

Disruption ist der Niedergang von Fraud

Für physikalische Prozesse bedeutet dies die Möglichkeit von Schadensminderung und Erfolgserhöhung durch Offenlegung aller analogen Erkenntnisse (wie etwa Patente oder Gebrauchsmuster). Die Quantentechnologie nutzt die Struktur höherer Dimensionen und das Unmögliche aus. So können die geistigen Strukturen von Menschen abgebildet werden, ohne dass diese einen physikalischen Körper brauchen. Virtuelle Personen werden materiell nicht möglich, sind aber bildhaft in denkbaren Formen zu erfassen und in der OK einsetzbar. Die Stärke dieser Strukturen liegt im Wandel zwischen Erfassbarkeit und Unmöglichkeit. Die Trennung von Virtuellem und Realem ist kein Teufelswerk, aber nicht zu erfassen, da der Horizont des Menschen gesprengt wird. Fraud kann KI nutzen, um Illegitimes zu realisieren. Totale Offenheit vermindert den Erfolg von Fraud.

Die Kundenbedürfnisse an technologiebasierte Interaktionen ändern sich rasant. Bald wird es sich kein Unternehmen leisten können, auf digitale Vertriebsunterstützungen oder Investmentlösungen zu verzichten. Wer sich nicht frühzeitig darauf einstellt, verliert. Unsere Zukunft können wir nur mit voller Offenheit bewältigen. Diese disruptive Systematisierung führt zu der Einfachheit, die wir für die Kommunikation mit Bots brauchen. Disruption ist der Niedergang von Fraud, weil sie mit analogen Methoden digital durchschaut wird.

Jürgen P. Müller

TVVG Treukapital Vermögensverwaltungs GmbH

Jürgen P. Müller arbeitet seit 1969 im Finanzmanagement und ist Gesellschafter der TVVG Treukapital Vermögensverwaltungs GmbH.

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