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Disruption oder nicht: Fintech, quo vadis?

Es ist wie im Märchen: Nur, dass der Prinz fest vorhatte, Dornröschen zu wecken.

Von Thorsten Hahn - 22. Juli 2015

Bildnachweis: Eskemar via istockphoto.de

Den ca. 300 Fintechs wäre es lieber, die Banken verharrten in ihrem Dornröschen-Schlaf. Doch eine Bank nach der anderen nimmt sich vor, die Augen langsam zu öffnen. Taten sollen folgen, so die vollmundigen Versprechen. Und gehen die Banken nicht unter, dann haben sie das disruptive Treiben der kleinen smarten Fintechs überlebt. Wenn Sie beim Lesen dieser Kurzfassung von Dornröschen Gründer eines Fintechs sind, werden Sie sich sagen: „Ist ja nur ein Märchen.“ Sie werden in die Hände spucken und weiter am eigenen Erfolg und dem Untergang der Banken arbeiten. Als Banker werden Sie sagen: „Jetzt ist die Zeit reif, zum Gegenschlag auszuholen.

Der Autor dieser Zeilen ist hin- und hergerissen. Wenn mir ein Gründer mit leuchtenden Augen von seinem Geschäftsmodell berichtet und mir erklärt, wie er kundengerechtes Banking betreiben will. Oder wenn er mir vorrechnet, wie viele Milliarden Euro demnächst über sein Portal investiert werden, dann lasse ich mich langsam infizieren und denke, Banken werden es nicht einfach haben.

Tage später dann treffe ich Kai Friedrich, CEO der Consorsbank, der durchaus zugibt, dass die Fintechs die Banken gerade vor sich hertreiben. Dabei haben Banken ein großes Potenzial, den Kunden auf Augenhöhe mit bedingungsloser Serviceorientierung zu begegnen, trotz  aller Kritik der Fintechs. Wahrlich, ein steiniger und langer Weg, haben Banken doch auch noch BCBS 239 oder auch Anakredit umzusetzen. Vielleicht haben es die Fintechs im Rest der Welt einfacher und nur hier in der DACH-Region besonders schwer. Auch in Gesprächen mit anderen Banklenkern wird mir derzeit klar, dass Bank noch lange kein Auslaufmodell ist. So startet die Deutsche Bank nun mit gleich drei Innovations-Labs durch.

Wir Banker sind zwar in den Augen vieler Kunden immer noch böse, aber das Konstrukt Bank ist für die meisten immer noch alternativlos. Jedoch ticken Generation Y und Z vielleicht wirklich anders. Aber können wir am Verhalten von heute 15- Jährigen wirklich auf deren Verhalten mit 37 schließen? Sicherlich machen die heute fast alles am Smartphone. Aber vielleicht gehen die mit 37 auch mal mit dem Immobilienwunsch zu einem Berater. Und wenn sie nicht gehen, dann per Videoschaltung zum Spezialisten.

Ich bleibe neugierig, beobachte den Markt und lasse mich nicht mehr so schnell überzeugen, dass Banken dem Untergang geweiht sind.

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