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„Man muss als Bank vorne mit dabei sein“

Kreditinstitute stehen vor der täglichen Herausforderung, ihre Services kontinuierlich weiterentwickeln zu müssen. Auf der Fachtagung Next Generation Payment sprachen wir mit Michael Göpper von B+S Banksysteme über die Evolution der Branche, Kooperationsmodelle und kommende Anforderungen wie PSD2.

Von Christian Grosshardt - 29. März 2017

Michael Göpper ist bei der B+S Banksysteme AG verantwortlich für die komplette E-Banking-Produktreihe und dort zuständig für Produkt- und Innovationsmanagement sowie Business Development.

BANKINGNEWS: Herr Göpper, seit über dreißig Jahren befindet sich Ihr Unternehmen am Markt. Was hat sich in dieser Zeit in der Bankbrache verändert?

Michael Göpper: Über diesen Zeitraum kann man sicherlich von einer Entwicklung sprechen. Banken waren sehr früh digital und haben früh auch ihren Kunden Schnittstellen zur Verfügung gestellt. An dieser Stelle können wir wirklich eine Evolution verzeichnen. Aussagen, dass Banken sich noch vollständig digital transformieren müssten, stimme ich nicht zu. Hier ist, im Gegensatz zu anderen Branchen, bereits einiges getan worden.

Das erste iPhone feiert 2017 seinen zehnten Geburtstag und heute sind Smartphones im Alltag obligatorisch. Was muss passieren, damit Banking speziell in Deutschland im 21. Jahrhundert ankommt?

Die Kundenanforderungen sind bei den Banken angekommen. Wenn ich als Bank heute keine mobilen Anwendungen anbiete, habe ich Schwierigkeiten, alle Kunden zu bedienen. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Anwendungen. Da sind die meisten Banken gewiss gut aufgestellt. Jetzt versucht man, neue Geschäftsfelder zu erschließen, etwa  basierend auf neuen Partnerschaften mit Fintechs. Hier wissen wahrscheinlich weder Banken noch Fintechs, wohin die Reise eigentlich geht. Was wir in zehn Jahren aktiv nutzen, das vermag niemand wirklich sagen zu können. Man muss am Ball bleiben und wenn sich eine besondere Funktionalität hervorhebt, muss man als Bank vorne mit dabei sein.

Stichwort Funktionalität: Sehen Sie die Gefahr eines Ungleichgewichts zwischen Funktionalität und Sicherheit?

Es ist nicht einfach, beides unter einen Hut zu bekommen, aber möglich. Man kann etwa über Fingerprint schimpfen, aber es ist im Gerät gekapselt und besitzt sicherlich ein höheres Sicherheitsniveau als eine vierstellige PIN. Man wird entscheiden müssen: Wie sehr geht man in Richtung Convenience? Wie sehr geht man in Richtung Sicherheit?

„Funktionalität individuell anpassen“

PSD2 steht in den Startlöchern. Wie unterstützen Sie Ihre Kunden bei der Bewältigung dieser neuen Anforderungen?

Die B+S Banksysteme ist bei ihren Kunden seit 1982 bekannt als Software-Firma, die Komponenten herstellt. Diese Komponenten passen wir so an, dass zwar ein gleicher Kern verwendet wird, aber jede Bank individuell eigene Funktionalitäten und eigene Services anbauen kann. Die Banken können sich untereinander trotzdem differenzieren, obwohl sie Produkte aus unserem Haus einsetzen. Üblicherweise entwickeln wir für Kunden unsere Produkte weiter – etwa mit neuen Schnittstellen für Fintechs, die angebunden werden wollen – damit sie auf dem aktuellen Stand sein können.

Einige Fintechs haben sich am Markt etabliert, andere sind schnell wieder verschwunden. Nehmen wir an, dass traditionelle Bankhäuser eher konservativ denken, benötigt dann jede Bank ein Fintech, um neue jüngere Generationen ansprechen zu können?

Es gibt einige Banken, die selber ein Fintech gegründet haben. Es wird aber eher auf das Modell Partnerschaft zwischen Bank und Fintech hinauslaufen. Im Endeffekt ist es für ein Fintech auch nicht sinnvoll, sich nur auf eine Bank zu fokussieren, weil es dann maximal die Kunden der Bank zur Verfügung hat. Ein Fintech lebt von Skalen-Effekten; also Dinge, die skalierbar sind und die angebunden werden können.

Sie sprachen eben von der Anpassbarkeit Ihrer Komponenten. Was unternehmen Sie, um Arbeitsprozesse reibungslos und ohne Eingriffe in das Tagesgeschäft Ihrer Kunden durchzuführen?

„Viele Systeme im Bereich E-Banking integriert“

Unser Haus hat viel Erfahrung mit der Implementierung von verschiedensten Komponenten, sei es im Zahlungsverkehr, sei es beim Risikomanagement. Man findet immer eine Landschaft innerhalb einer Bank vor und diese Landschaften unterscheiden sich von Haus zu Haus. Gerade im Bereich E-Banking haben wir schon viele Systeme integriert. Teilweise haben Banken diese Systeme mit ihrer eigenen IT-Mannschaft integriert, während sie von uns nur ein Software-Development-Kit mit entsprechender Dokumentation erhielten. Die API-Schnittstellen sind so gebaut, dass sie möglichst einfach integrierbar sind. Häufig verwenden wir Standards, die auch in der Bank verwendet werden. Das führt dazu, dass die Einbindung der Produkte wesentlich schneller funktioniert.

Sie überlassen es also Ihrem Kunden, ob er weitergehenden Support von Ihnen beansprucht?

Genau. Ein Software-Development-Kit beinhaltet ein Stück Software und ein Stück Dokumentation und etwas Consulting dazu. Das ist auch wichtig, weil wenn man bei 300 Seiten Dokumentation jemanden benötigt, der auf die wichtigen Passagen verweist und situative Verhaltensrichtlinien gibt. Das ist das eine. Und das andere ist ein Projekt mit schlüsselfertiger Integration.

Im Rahmen dieser Payment-Tagung muss ich Sie fragen: Was ist Ihr neues Angebot im Bereich E-Banking? 

Aktuell haben wir eine erfolgreiche App, die wir zusammen mit der Oldenburgischen Landesbank entwickelt haben – diese ist in jeglicher Hinsicht auf dem absolut neusten Stand. Eines unserer nächsten Produkte wird tatsächlich eine PSD2-konforme XS2A-Schnittstelle für Banken sein.

Wann kann man mit dieser rechnen?

Sehr wahrscheinlich ist ein Start gegen Ende der ersten Jahreshälfte.

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