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KI ist weit mehr als eine Technologie

Das Megathema Künstliche Intelligenz verspricht viele Vorteile. Doch bei allen gegebenen Chancen müssen wir auch kritische Fragen stellen.

Von Daniel Draenkow - 09. April 2019

Bei der Einweihung der Eisenbahnstrecke von Nürnberg nach Fürth herrschte nicht nur Begeisterung für die Chancen, sondern auch Unsicherheit und Zweifel. An einem ähnlichen Punkt stehen wir derzeit beim Thema KI. Bildnachweis: Stadtarchiv Nürnberg

Künstliche Intelligenz (KI) dringt in nahezu sämtliche Lebens- und Arbeitsbereiche vor. Deshalb werfen die Technologie und die durch sie ausgelösten Veränderungen zahlreiche Fragen auf: Welche Auswirkungen hat KI auf den eigenen Arbeitsplatz, wenn einzelne Arbeitsschritte oder ganze Bereiche automatisiert werden? Kann KI Entscheidungen zu meinen Lasten treffen und wer ist verantwortlich, wenn diese falsch sind?

In den intensiven Diskussionen auf nationaler und internationaler Ebene ist man sich einig, dass Grundsätze, Grundrechte und Werte für die Entwicklung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz definiert werden müssen. Genauso wichtig ist, fortlaufend zu prüfen, ob die KI wunschgemäß funktioniert und ob die Algorithmen aufgrund fehlerhafter oder schlechter Daten zu Vorurteilen und Diskriminierungen neigen. Wenn KI-Systeme in kritische Infrastrukturen einziehen und diese autonom steuern, ist es extrem wichtig, sie nicht nur gegenüber Angriffen von außen robust zu gestalten, sondern auch im Inneren für Datenschutz, Rechenschaftspflicht und Transparenz zu sorgen.

Ohne Training keine Erfolge

KI-Systeme werden auf Basis großer Datenmengen entwickelt. Je mehr Daten für das Training zur Verfügung stehen, desto besser kann die KI Muster und für den Menschen nicht offensichtliche Zusammenhänge erkennen und diese Erkenntnis anschließend auf neue Daten anwenden. Daher hat der Zugang zu und die Verarbeitung von Daten höchste Priorität. Die milliardenschweren KI-Förderprogramme von Bund und EU können also keine durchschlagende Wirkung entfalten, wenn die Infrastruktur für die Verarbeitung und den Austausch großer Datenmengen nicht ausreichend gegeben ist.

Die Forderung ist klar: Der flächendeckende Ausbau mit schnellem Internet muss vorangetrieben werden – sowohl mit Glasfaser für Haushalte, Unternehmen und Behörden als auch mit schnellem, mobilem Internet (5G). Daten müssen zweckgebunden über offene Schnittstellen zugänglich sein. Projekte – wie Open-Data – sind daher zu fördern und die Bildung von Datenmonopolen zu vermeiden. Nach dem Vorbild der Zahlungsverkehrsrichtlinie PSD2 sollten auch andere Branchen verpflichtet werden, standardisierte Schnittstellen zu ihren Infrastrukturen anzubieten.

Den Menschen dienen

Die Sparkassen-Finanzgruppe beschäftigt sich auf verschiedensten Feldern mit dem Thema Künstliche Intelligenz. Ob bei Cybersecurity, Automatisierung von Geschäftsprozessen oder auch im direkten Kundenkontakt mit Bots und Voice-Services ist es ein Hauptanliegen, die Kundenerwartungen zu erfüllen oder interne Prozesse, Prüfungen und Bewertungen zu optimieren und auf diese Weise bessere Nutzererfahrungen zu schaffen. Indem Kundenbedürfnisse und Verhaltensmuster besser verstanden werden, können Services und Mehrwerte für die Kunden verbessert oder sogar erst ermöglicht werden.

Bevölkerung mitnehmen, Ausbildung modernisieren

Die fehlende gesellschaftliche Akzeptanz neuer Technologien ist ein Innovationshemmnis. Vielen Menschen ist dabei gar nicht bewusst, dass Produkte und Dienstleistungen, die sie selbstverständlich nutzen, auf Algorithmen und KI beruhen. Eine der größten Herausforderungen besteht darin, die breite Bevölkerung über die positiven Möglichkeiten von neuen Technologien aufzuklären, Misstrauen zu überwinden und einen bewussten Umgang mit KI zu fördern.

Leider finden die neuen Technologien nur sehr langsam ihren Weg in Lehr- und Ausbildungspläne. Ein Beispiel: Die „Verordnung über die Berufsausbildung zum Bankkaufmann/zur Bankkauffrau“ wird aktuell mit dem Ziel überarbeitet, noch in 2019 eine neue Version zu verabschieden. Die aktuell gültige Version datiert vom Dezember 1997. Zu dieser Zeit gab es weder WhatsApp oder YouTube noch Smartphones – Dinge, die aus dem Leben vieler Menschen und dem Banking nicht mehr wegzudenken sind. Wenn moderne Technologien in Schule und Ausbildung allzu stiefmütterlich behandelt werden, darf es nicht verwundern, dass Fachkräfte nur schwer zu finden und teuer zu bezahlen sind.

Die fortlaufende Qualifikation der Mitarbeiter, lebenslanges Lernen und Offenheit für Neues haben eine höhere Bedeutung als je zuvor. Unternehmen müssen ihre Arbeitnehmer in die Lage versetzen, die KI-Lösungen der Zukunft im eigenen Unternehmen mit zu konzipieren und umzusetzen. Geschieht das nicht, laufen sie Gefahr, vom zunehmenden Wettbewerb überholt zu werden. Will Deutschland im internationalen Wettbewerb auch künftig mithalten, müssen die Anstrengungen vor allem im Mittelstand erhöht werden. Es muss gelingen, junge Menschen zu Talenten im Umgang mit Technologie auszubilden und in Deutschland bzw. Europa zu halten.

Die Eisenbahn des 21. Jahrhunderts

Als 1835 die erste Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth fuhr, haben sich die Menschen nicht vorstellen können, was diese Technologie einmal zu leisten imstande sein wird. Hinzu kam die Angst, dass bei einer Geschwindigkeit von bis zu 65 Kilometern pro Stunde den Fahrgästen das Gehirn aus den Ohren gedrückt werden könnte – so die Warnung von Zeitzeugen. Mit KI stehen wir aktuell an einem ähnlichen Punkt. Sie hat das Potenzial, die Welt grundlegend zu verändern.

Viele Einsatzgebiete und Anwendungen kennen wir heute noch nicht. Dennoch ist bereits klar, dass sie sich zu der Basistechnologie der Digitalisierung entwickeln dürfte. Dabei ist der Einsatz von KI weniger ein Technologie- als ein herausforderndes Kulturprojekt. Wie gehen wir mit neuen Technologien um? Sind wir bereit, neben den Risiken auch Chancen zu sehen und zu nutzen? KI-Technologie hat das Potenzial, das Leben der Menschen zu verbessern und dem Menschen zu dienen. Es ist unsere Zukunft, die wir gestalten.

Bei unserem Kongress „Mensch. Maschine. Bank. | KI in der Finanzbranche“ werden wir dieses Thema vertiefen und mit Ihnen gemeinsam u.a. über die politischen und gesellschaftlichen Implikationen von Künstlicher Intelligenz diskutieren. Daniel Draenkow wird als Referent auf der Bühne stehen. In Ihrer Bank gibt es spannende Anwendungsfälle von KI-Technologien? Dann bewerben Sie sich mit Ihrem Thema für einen Vortrag an: office@bankingclub.de.

Daniel Draenkow

Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV)

Daniel Draenkow ist seit April 2018 bei dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband e.V. (DSGV) als Referent für den Themenbereich Digitalisierung, S-Hub und Fintech-Kooperationen tätig.

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