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Der Einfluss von ESG-Investments auf Asset Allocation und Nachhaltigkeit

Saubere Energie, Menschenrechte und die Transparenz eines Unternehmens sind Werte, die heute bei Anlegern auf besonderes Interesse stoßen. Die sogenannten ESG-Kriterien setzen hilfreiche Orientierungspunkte bei der Analyse von Unternehmen. Sie helfen dabei, Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit nicht aus den Augen zu verlieren.

Von Stuart Dalheim - 19. Dezember 2018

Der Klimawandel ist womöglich das drängendste ökologische Problem unserer Zeit, das immer stärker in das Bewusstsein von Unternehmen, Investoren, Bürgern und Regierungen weltweit dringt. Gleichzeitig fördert die Entwicklung einer klimafreundlichen Wirtschaft auch Investitionen, setzt Anreize für Innovation und schafft Arbeitsplätze. Investoren können sich in diesem Zusammenhang vor möglichen Risiken schützen und gleichzeitig für den Fortschritt einsetzen, indem sie ESG-Kriterien (Umwelt, Gesellschaft, Governance) in ihre Analysen aufnehmen und in Unternehmen investieren, die am besten auf die Herausforderungen von heute und morgen vorbereitet sind.

Wachsendes Interesse an verantwortlichem Investieren

Für den Prozess des verantwortlichen Investierens lassen sich vier wichtige Grundsäulen definieren: Performance, Research, Engagement und Impact. Performance ist die Kennzahl, mit der die meisten Anleger den Erfolg von Unternehmen bewerten. Die Suche nach guten Renditen ist die wichtigste Aufgabe von Asset-Managern, Performance ist jedoch weder der einzige Faktor in der Unternehmensanalyse, noch die umfassendste Methode zur Bewertung von Chancen und Risiken. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass ein wachsendes Interesse an verantwortlichen Anlagelösungen (Responsible Investment) besteht. Immer mehr Vermögen fließt in nachhaltige Anlagestrategien: In den vergangenen zehn Jahren stieg das ESG-Anlagevermögen um 600 Prozent auf heute weltweit rund 23 Billionen US-Dollar. Besonderes Interesse zeigen Anleger unter anderem für saubere Energie, Menschenrechte und Unternehmenstransparenz. Mit dem verwalteten Vermögen steigt auch die Zahl der Asset-Manager und Anleger, die genau auf die ESG-Bilanz von Unternehmen achten. Zusätzlich können Anleger auch ihre Rechte als Aktionäre einsetzen, um Unternehmen zu Änderungen zu bewegen.

Probleme lösen durch Kooperation

Auf dem Fundament der ESG-Kriterien stehen die vier Säulen Performance, Impact, Research und Engagement. Der Prozess des verantwortlichen Investierens lässt sich auf diesen vier Säulen aufbauen.

In einer vernetzten Welt können viele wichtige Probleme am effektivsten durch Kooperation über Ländergrenzen und Konzernzentralen hinweg gelöst werden. Professor George Serafeim von der Harvard Business School hat vor Kurzem in Zusammenarbeit mit Calvert Research and Management den Bericht „Investment Stewardship for Positive Societal Impact“ veröffentlicht. Dieser wirbt dafür, dass sich Pensionsfonds, Indexfonds und Asset-Manager gemeinsam für das Allgemeinwohl einsetzen. Durch Bündelung von Einfluss und Finanzkraft können große Investoren die ESG-Standards von Unternehmen und Branchen anheben. Nicht zuletzt kann damit auch das Risiko- und Renditeprofil ihrer Portfolios verbessert werden.

Ein solider Research-Prozess ist gefragt

Damit ihre nachhaltigen Anlagestrategien Erfolg haben, müssen Asset-Manager einen soliden Research-Prozess etablieren, der die Unternehmensanalyse um wichtige ESG-Indikatoren ergänzt. So erfasst zum Beispiel das Calvert-Research-System die ESG-Kriterien, die nach dessen Überzeugung den größten Einfluss auf die Nachhaltigkeit haben. Analysten schöpfen Informationen aus zahlreichen Quellen und bewerten die Unternehmen in den Aktien- und Rentenportfolios. Das Ergebnis ist ein individuelles Scoring-Modell, das Unternehmen aus dem Anlageuniversum der Aktien- und Rentenportfolios nach Sub-Sektoren bewertet und einordnet. Der Research-Prozess verläuft in drei Schritten: Zunächst wird untersucht, wie Unternehmen die für ihre Branche relevanten ESG-Risiken steuern und nach außen kommunizieren. Anhand dieser langfristigen, strukturellen Analyse wird festgestellt, inwieweit das Management zur Lösung wesentlicher ESG-Risiken bereit ist. Anschließend wird überprüft, ob bestimmte Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftspraktiken des Unternehmens entweder das Unternehmen selbst, die Umwelt oder die Gesellschaft belasten könnten. Die Ergebnisse fließen dann in die strukturelle Analyse ein. Außerdem wird geprüft, ob das Unternehmen durch negative oder kontroverse Ereignisse (z.B. Bilanzfälschung, Umweltverstöße) negative Schlagzeilen gemacht hat. Dies dient als kurzfristiger Indikator für den Abgleich der tatsächlichen Ereignisse mit dem theoretischen ESG-Regelwerk des jeweiligen Unternehmens. Zentrales Element der Analyse ist das Wesentlichkeitsprinzip: Die wichtigsten ESG-Kriterien einer Branche oder eines Unternehmens sind die, die den größten Einfluss auf die Finanzergebnisse haben.

Nicht nur auf die Bilanzen schauen

Das Research bildet außerdem die Grundlage für aktive Engagements mit Unternehmen durch Dialog, verantwortliche Ausübung von Stimmrechten sowie gegebenenfalls durch Aktionärsanträge, mit denen Änderungen zu wichtigen ESG-Themen durchgesetzt werden sollen. Der nächste große Schritt ist die Darstellung der Auswirkungen eines Anlageportfolios auf Umwelt, Menschen und Gesellschaft. Anstatt nur auf Bilanzen zu schauen, können Investoren den Dialog mit Unternehmen suchen, die Auswirkungen ihrer Anlagen erfassen und sich so ein genaueres Bild ihres Portfolios machen. Calvert beispielsweise weist die Performance seiner Portfolios anhand belastbarer und aussagekräftiger Kennzahlen aus, die die ganze Bandbreite von gesellschaftlichen, ökologischen, bis hin zu finanziellen Kriterien berücksichtigen. Dazu wurde ein Impact Tool eingeführt, das z.B. CO2-Ausstoß, Wasserverbrauch oder Schadstoffemissionen der Portfolios misst und mit einer Benchmark vergleicht.

Investoren sollten nachvollziehen können, dass bestimmte Produkte sich in ihren sozialen und ökologischen Auswirkungen voneinander unterscheiden. Außerdem sollten sie die sozialen und ökologischen Auswirkungen ihres Portfolios überprüfen und mit einer Benchmark oder den Produkten anderer Anbieter vergleichen können. Nur durch Transparenz und Information können wir die Änderungen durchsetzen, auf welche die Welt angewiesen ist.

Stuart Dalheim

Calvert Research and Management

Stuart Dalheim ist Vice President Shareholder Advocacy bei Calvert Research and Management in Washington, einer Tochter von Eaton Vance.

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