Jetzt Mitglied werden

Weiterbildung in Banken: 5 Fragen – 10 Antworten

Wie können Banken in Zukunft attraktive Arbeitgeber bleiben? Wie ändern sich die Anforderungen an die Mitarbeiter in Zeiten des digitalen Wandels? Wir haben die Deutsche Bundesbank und die comdirect nach ihren Strategien und Weiterbildungsmöglichkeiten befragt. Interview Philipp Scherber

Von Philipp Scherber - 11. April 2016

Einer unserer Gastautoren fragte kürzlich in einem Artikel: „Wer will heute noch zu den Banken?“ Welchen Stellenwert rechnen Sie den Weiterbildungsmöglichkeiten für die Attraktivität einer Bank als Arbeitgeber an?

Bundesbank: In der heutigen schnelllebigen Zeit ist es unabdingbar, das (Fach-) Wissen aktuell zu halten. Qualifizierte Interessenten werden demnach einen potenziellen Arbeitgeber immer auch danach bewerten, ob dieser dabei behilflich ist, die eigenen Kompetenzen und damit auch den eigenen Marktwert zu erhalten bzw. weiterzuentwickeln. Der Stellenwert der Weiterbildungsmöglichkeiten ist deshalb für die Arbeitgeberattraktivität hoch.

comdirect: Es stimmt: Die Wahrnehmung von Banken generell und damit auch deren Attraktivität als Arbeitgeber haben gelitten in den letzten Jahren. Weiterbildungsmöglichkeiten sind ein geeigneter Baustein, um dem entgegenzuwirken. Deren Stellenwert ist bei Unternehmen, die sich kulturell als lernende Organisation verstehen, besonders hoch. Das Lernen wird bei ihnen zum kontinuierlichen Begleiter und ist in die tägliche Arbeit integriert. Das klassische „Classroom-Lernen“ hat massiv an Zugkraft verloren, wohingegen innovative, mitarbeiterzentrierte Lernformate mit starkem Bezug zur Praxis sehr beliebt sind. Die Arbeitnehmer fordern heute Lernangebote auf Augenhöhe, die sie bei Bedarf von überall und jederzeit abrufen können. Attraktiv ist, was auf die eigene Employability einzahlt. Das Fazit lautet: Ohne ein sehr gutes Weiterbildungsangebot gelingt es weder, attraktive Arbeitnehmer auf sich aufmerksam zu machen noch Potenzialträger innerhalb des Unternehmens längerfristig an sich zu binden.

Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang die Themen Gleichstellung und Diversity Management?

Bundesbank: Beides sind wichtige Themen, auch um möglichst große Bewerberpotenziale zu erschließen.

comdirect: Als Arbeitgeber legen wir viel Wert auf eine Kultur, die Diversity im Team fordert und fördert. In einer Zeit, in der Fintechs & Co in den Markt drängen, wird die Innovationsfähigkeit zum Wettbewerbsvorteil ersten Ranges. Und die entwickelt sich bekanntlich am besten in diversen Teams, vorausgesetzt die Andersartigkeit wird als fruchtbare Ergänzung erlebt und nicht als Andersartigkeit empfunden, die es zu bekämpfen gilt. Darauf zahlt neben anderen Kriterien, wie interdisziplinäre und generationenübergreifende Teamzusammensetzung, natürlich auch ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern ein. Die Entwicklung eines solchen Mindsets kann durch flankierende Personalentwicklungsmaßnahmen begünstigt werden. Grundsätzlich gilt, dass Mitarbeiter je nach Lebensphase, Funktion und persönlichem Hintergrund sehr unterschiedliche Anforderungen und Erwartungen an Weiterbildung haben. Deshalb bieten wir unseren Mitarbeitern ein sehr breites Spektrum an Maßnahmen, aus dem sich jeder die für ihn passende wählt: Arbeite ich beispielsweise gerade Teilzeit und bin vom Typ Autodidakt, setze ich vielleicht eher auf ein Selbstlernangebot. Arbeite ich Vollzeit und lerne am liebsten mit anderen, präferiere ich ein ganztägiges erfahrungsorientiertes Training im Kreise von Kollegen.

Die digitale Transformation betrifft auch die Bankbranche. Kann es sich der Bankberater in Zukunft noch leisten zu sagen: „Ich bin der Finanzexperte und um den digitalen Kram kümmern sich die Kollegen aus der IT“? Oder kommt er gar nicht um eine Weiterbildung zu diesen Themen herum?

Bundesbank: Natürlich kommen Markt-, Zahlungsverkehrs- und Aufsichtsexpertinnen und -experten heute – wie aber auch schon seit vielen Jahren – nicht mehr ohne einschlägige Anwenderkenntnisse in vielen Spezialprogrammen zurecht. Marktinformationsdienste oder Handels- und Abwicklungssysteme müssen sicher beherrscht werden. Die Bundesbank hat diese Anforderungen früh erkannt und qualifiziert ihr Personal in allen Funktionsebenen für die Arbeit mit der jeweiligen speziellen Software, aktuell z.B. auch für IT-Anwendungen, die für Aufgaben in der neuen Einheitlichen Europäischen Bankenaufsicht eingesetzt werden.

comdirect: Nein, das kann der Banker sich schon heute nicht mehr leisten. Jeder Mitarbeiter bei uns sollte eine Affinität und ein gewisses Verständnis für digitale Prozesse haben sowie die Trends kennen. Für einige Fachbereiche gilt dieses mehr und für andere etwas weniger. Unser internes Weiterbildungsangebot berücksichtigt das natürlich.

Was muss eine Bank heutzutage leisten, um ihre Mitarbeiter gezielt zu fördern und Aufstiegsmöglichkeiten zu ermöglichen?

Bundesbank: Die Bank muss frühzeitig mit der Personalentwicklung beginnen und dafür ein übergreifendes Konzept haben. Vor der Förderung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern müssen deren Potenziale erkannt und die Ziele der Entwicklung abgestimmt werden. Hier sind auch die Führungskräfte gefragt, die im täglichen Geschäft ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erleben und diese mit ihren Stärken und Entwicklungsfeldern einschätzen können.

comdirect: Auch das hat wieder viel mit der Kultur zu tun. Wichtig ist, dass Mitarbeiter die Strategie des Unternehmens kennen und die eigene Tätigkeit in diesem Kontext als sinnvoll und wertschöpfend erleben. Mitarbeiter wollen als Menschen und nicht als Ressource gesehen werden. Sie wollen sich frei entfalten können und Wertschätzung für gute Leistung erfahren. Sie wollen Eigenverantwortung und die Möglichkeit zur Mitgestaltung haben und nicht nur exekutiv abarbeiten. Viele jedenfalls. Wichtig ist zudem der kontinuierliche und vertrauensvolle Dialog zwischen Mitarbeiter und Führungskraft. Außerdem möchten insbesondere junge Mitarbeiter einen Job nicht allzu lange machen, sondern durch Job-Enrichment oder Positionswechsel gefordert und gefördert werden. Bevor Langeweile auftritt. Gleichzeitig geht der Trend in Richtung einer durchlässigen Kultur, in der Mitarbeiter zwischen Linien- und Projektorganisation wechseln und so vielfältige berufliche Erfahrungen sammeln, die auf ihr Employability-Konto einzahlen.

Wird es die klassische Banklehre langfristig noch geben oder geht der Trend eher in Richtung duales Studium bzw. Trainee nach Studienabschluss?

Bundesbank: Die „klassische Banklehre“ gibt es in der Bundesbank nicht. Die Bundesbank setzt bei ihrer Nachwuchsgewinnung auf die eigene Beamtenausbildung in den Laufbahnen des mittleren, gehobenen und höheren Dienstes. Für Masterabsolventen mit einem überdurchschnittlichen wirtschaftswissenschaftlichen Abschluss gibt es außerdem die Möglichkeit, über ein zwölfmonatiges Traineeprogramm bei der Bundesbank einzusteigen. Daneben bildet die Bundesbank in verschiedenen anderen Berufen, wie z.B. Kauffrau/Kaufmann für Büromanagement aus. Außerdem bieten wir den dualen Studiengang Bachelor of Science in Angewandter Informatik an der dualen Hochschule Baden-Württemberg in Moosbach und Mannheim an.

comdirect: Je nach angepeiltem Karriereweg haben beide Ausbildungswege ihre Berechtigung. Der Trend geht bei Schulabsolventen Richtung Studium, für uns hat die Ausbildung aber nach wie vor einen hohen Stellenwert. Deshalb werden wir sie in den kommenden Jahren neben dem Traineeprogramm und dualem Studium weiterhin anbieten.

Die Gesprächspartner:
Johannes Friedemann, Jahrgang 1964, ist seit 2014 Bereichsleiter Personal bei comdirect. Davor leitete er dort seit 2002 die Unternehmenskommunikation. Darüber hinaus ist er Geschäftsführer der Stiftung Rechnen. Vor seinen Stationen in der Beratung und bei der Dresdner Bank studierte Friedemann Betriebswirtschaftslehre in Berlin und Bamberg.
Die Antworten der Bundesbank wurden aus diversen Abteilungen beigesteuert, die sich mit der Aus- und Weiterbildung befassen. Für Einsteiger werden neben Ausbildungsberufen duale Studiengänge, Referendariate und Traineeprogramme angeboten. Berufserfahrenen bietet sich die Möglichkeit von Seminarangeboten und Personalentwicklungsprogrammen.

Lesen Sie auch

Geld ist nicht alles

Eine repräsentative Umfrage hat gezeigt: Nachwuchs in der[…]

Tobias Schenkel

Veränderung beginnt im Kopf

Agiles Arbeiten ist in aller Munde. Agile Konzepte[…]

Detlef Zell

Digitalisierung ist wie der Weltfrieden

Das Thema Digitalisierung ist nichts Neues: Alle sprechen[…]

Julia Cser

Digitalisieren wir uns alle weg?

Digitalisierung ist im Finanzwesen ein großes Thema. Macht[…]

Mona Merklin

Sie sind Banker? Echt jetzt?

inst galt der Beruf des Bankberaters als das[…]

Olav Lippmann

Beim Banker von morgen schlägt das Herz des Kunden

Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz – die sogenannten[…]

Stefan Seyler

„7 von 10 Millenials gehen lieber zum Zahnarzt als in die Bankfiliale“

Die Direktbank N26 hat kürzlich einen Standort in[…]

Dalia El Gowhary

Haben Banken und Versicherungen eine Zukunft?

Die Bankbranche konnte sich vor Jahrzehnten noch als[…]

Blessin Bernd

„Veränderungsbereitschaft muss ins Blut übergehen“

Mit mehr als 20 Millionen Verträgen in den[…]

Dalia El Gowhary

Der HR Management Cup 2018

Beim alljährlichen HR Management Cup schlüpfen die Teilnehmer[…]

Redaktion

Hirnforschung meets Chef

In Berlin dreht sich das HR-Karussel: Beim zweitägigen[…]

Dalia El Gowhary

Der Computer analysiert, der Mensch entscheidet

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz hat das Potenzial,[…]

Thomas Belker

Change mich am Arsch

Autor: Axel Koch Preis: 16,00 € 302 Seiten, broschiert ISBN: 978-3-430-20245-9 Econ[…]

Daniel Fernandez

Zombies vor den Toren!

Wie jede Generation, die neu auf den Arbeitsmarkt[…]

Marco Schomburg

Personalentwicklung auf dem digitalen Prüfstand

Digitalisierung wird in den Medien aktuell gerne als[…]

Susanne Bergau

Auf die Plätze, fertig, los! Der Kampf um die besten Mitarbeiter beginnt

Wer heute als gut qualifizierter Mitarbeiter auf der[…]

Daniel Fernandez

Intern vor extern – Besetzung von Stellen durch Bewerber aus dem eigenen Haus

„Die Abwesenheit oder das Ausscheiden von Mitarbeitern sollte[…]

Andreas Wollenberg

Eine neue Kündigungskultur

Im Kampf um die Nachfolge Londons als Bankenhauptstadt[…]

Tobias Schenkel

Unterschätzt: Der Finanzplatz Köln

Vor allem seit Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte[…]

Olav Lippmann

Neidgesellschaft

Mit einer Milliarde Euro Bonus schafft es die[…]

Thorsten Hahn

Der „Erste Campus“ – Architektur, die Unternehmenswerte berücksichtigt

Die Bedeutung von Mitarbeiterzufriedenheit und einem angenehmen Arbeitsumfeld[…]

Ursula Tavolato-Kuntner

Moderne Arbeitswelten zwingen traditionelle Unternehmen zum Wandel

Durch die Digitalisierung und die damit einhergehenden Innovationen[…]

Andrea Braun

Auf Jobsuche als Humankapital

„Wenn ich groß bin, möchte ich Humankapital sein.“[…]

Christian Grosshardt

„Banken laufen Gefahr, ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu verspielen“

Von der Bank zum Start-up – ein Karriereweg,[…]

Philipp Scherber

Chatbots im Recruiting – Braucht man das?

Im Zuge der Etablierung eines Recruiting 4.0 steht[…]

Olav Lippmann

„Jeder ist dazu angehalten, etablierte Strukturen herauszufordern“

Welche Veränderungen ergeben sich in Bezug auf Personalführung,[…]

Daniel Fernandez

„Das Wichtigste ist der tone from the top“

Die Finanzindustrie habe inzwischen ein stärkeres Bewusstsein für[…]

Philipp Scherber

Frauen in der Finanzberatung

Zahlreiche Banken und Finanzdienstleister kämpfen im „War for[…]

Nancy Diesterweg

New Work in der Finanzbranche – wo geht die Reise hin?

Wenn man immer weiß, wohin die Reise geht,[…]

Sven Robin

Wir brauchen eine Trennungskultur

Während der Konzeption dieses Beitrags führte ich ein[…]

Nina Zimmer

„Azubis eng in den Arbeitsalltag einbinden“

In vielen Fällen versagt jede Theorie, sobald sie[…]

Christian Grosshardt

Leistungsmotor Wertschätzung

Erfolg – Anerkennung – Wertschätzung. Dies sind nur[…]

Peter Schrooten

Spielerische Weiterbildung

Nicht nur Prozessmanagement und Zahlungsverkehr unterliegen dieser Tage[…]

Christian Grosshardt

Arbeitszeitmodelle in Banken – Gesellschaftliche Fragestellungen zur Entwicklung

Bereits im Dezember 2013 stellte das Unternehmen Microsoft[…]

Nina Zimmer

Mit IT-Experten die Zukunft gestalten

Der wachsende Mangel an IT-Kräften stellt auch Banken[…]

Philipp Tauch

„Den klassischen Personaler gibt es nicht mehr“

Nicht nur die Ansprüche und Wertvorstellungen von Bewerbern[…]

Philipp Scherber

„Wir suchen mindestens 50 Vermögensberater“

Personalabbau ist in der Bankbranche ein Thema, das[…]

Christian Grosshardt

Gesundes Banking

„Deutsche Arbeitnehmer sind am Limit“ überschrieb eine deutsche[…]

Dr. Axel Roßdeutscher

Rekrutierung und Weiterbildung in Zeiten der Digitalisierung

Die Digitalisierung krempelt die Arbeitswelt um. Arbeitnehmer müssen[…]

Raymond Homo

Michael Wolgast verlässt DSGV

Der Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) beginnt das[…]

Daniel Fernandez

Banken suchen deutlich mehr Personal

Die Gesamtnachfrage nach Fachkräften im Bankensektor hat sich[…]

Amra Ljaic

Einsteigen, wo der Kunde und der Berater im Mittelpunkt stehen

Der Wechsel aus der klassischen Finanzwelt zum modernen[…]

Christoph Grote

Recruiting 4.0 – erfolgreiche Umsetzung in Banken

Bewerber möchten sich heute im Vorfeld umfassend über[…]

Marcus Gasch

Eine Win-win-Situation

Immobilienmakler und Finanzberater können Synergien nutzen, wenn eine[…]

Jörn Hornfeck

„Unsere Mitarbeiter sind die besten Markenbotschafter“

Wie kann eine Bank als Arbeitgeber attraktiv bleiben?[…]

Philipp Scherber

Veränderung im Recruiting durch Digitale Transformation?

Durch die Digitale Transformation durchleben derzeit alle Unternehmensbereiche[…]

Nicole Backhaus

„Der Blick für das große Ganze“

Während eines Traineeships können sowohl umfassende als auch[…]

Philipp Scherber

Wege des Recruitings

Recruiting ist für Unternehmen und besonders Banken ein[…]

Anna Stötzer

Wie steht’s denn um den Nachwuchs?

Die Wirtschaft schreit, dass immer weniger Schulabgänger einen[…]

Anna Stötzer

Brückenmaßnahme für zugewanderte Akademiker

Projektleiter Klaus Deimel, Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, erläutert die Brückenmaßnahme[…]

Anna Stötzer