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„Grexit“ – schlimmer Begriff ohne schlimme Folgen

Von Christian Grosshardt - 14. Januar 2015

Vielleicht haben wir mit dem Begriff „Grexit“ bereits das Unwort des Jahres verbalisiert. Ein Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone war eigentlich unvorstellbar – hat man doch mit aller Macht versucht, die Heimat von Aristoteles und Platon im Spiel zu halten. Experten geben für den Fall der Fälle jedoch Entwarnung.

23 Milliarden Euro – das klingt zunächst nach einer Menge Geld. Hierbei handelt es sich um den offiziellen monetären Wert, mit dem die Banken Deutschlands in Griechenland engagiert sind. Nun haben Finanzexperten trotz diverser hoher Investitionen Entwarnung gegeben, sollte es in nächster Zeit zu einem Ausstieg Griechenlands aus der Euro Zone kommen. Die Deutsche Bank und die Commerzbank ließen offiziell verlautbaren, dass sie mit 300 respektive 400 Millionen Euro im Krisenstaat engagiert sind und somit einige der größten Gläubiger sind. Verschiedene Nachrichtenportale berichten nun, dass auch aus Berlin Stimmen laut werden, die Griechenland nicht mehr unbedingt mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln in der Euro-Zone halten wollen. Deutsche Geldhäuser müssen nun trotzdem keine grausamen Ereignisse befürchten, da der größte Teil der Milliarden, Forderungen sind, die vom Kreditinstitut für Wiederaufbau (KfW) gehalten werden.

Bankrotterklärung für Europa?

Was bedeutet das aber für das Projekt „Europa“? Handelt es sich hierbei nicht auch um eine Art Bankrotterklärung für die Vereinheitlichung des Kontinents? Kritiker der Europäischen Union fühlen sich selbstverständlich bestätigt. Denn bereits vor einigen Jahren wurde nicht zu Unrecht kritisiert, dass Europa als Ganzes zu heterogene kulturelle, juristische und auch finanzielle Voraussetzungen beherberge. Diese alle – von der Zentrale Brüssel aus gesteuert – unter einen Hut zu kriegen, schien schon  früh ein ambitioniertes Ziel zu sein.

Wenn Griechenland den Anfang macht, folgen weitere Staaten?

Sicherlich, Experten geben bezüglich der Folgen eines griechischen Austritts aus dem Euro sehr offensiv in der Presse Entwarnung. Allerdings könnte dies auch der Anfang vom Ende der Europäischen Währungsunion sein. Denn sollte sich Griechenland aufgrund einer erfolgreichen Rückkehr zur Drachme wirtschaftlich erholen, könnte das auch als Vorbild für andere europäische Krisenstaaten dienen – und von diesen haben wir ja wahrlich genug.
Ein weiteres Problem, speziell für Deutschland, stellen die mittlerweile laut werdenden Stimmen dar, welche die BRD an die schweren Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs erinnern. Der Wirtschaftsprofessor John Milios wird etwa im SPIEGEL zitiert, dass Deutschland sich bei Griechenland für die damals geleistete Hilfe revanchieren müsse. Bundeskanzlerin Angela Merkel muss in diesem Zusammenhang nicht nur als mächtigste Frau Europas denken, sondern auch als Lenkerin der politischen Geschicke Deutschlands. Griechenland benötige laut Milios dagegen Wachstum.

Aufatmen bei den Investoren

Man darf gespannt sein, was mit der Europäischen Währungsunion in naher Zukunft passieren wird. Die Kritiker aus den verschiedenen politischen Lagern und Ländern werden definitiv nicht so schnell verstummen. Deutsche Banken, die einiges an Kapital in Griechenland angelegt haben, dürfen in jedem Fall aufatmen. Die Bundesregierung soll derzeit an strategischen Reaktionen für den „Grexit-Case“ arbeiten. Sollte das Linksbündnis Syriza am 25. Januar die Wahl gewinnen, dann droht Griechenland innenpolitisch der nächste Kollaps und die europäischen Banken müssten erneut Milliarden zahlen.
Die derzeit vollständige Schuldenlast wird auf 320 Milliarden Euro geschätzt.

Bildnachweis: SanHyunPaek über istockphoto.de

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