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Wirtschaftsirrtümer. 50 Denkfehler, die uns Kopf und Kragen kosten

Von Julian Achleitner - 15. Dezember 2014

Autor: Henirk Müller

Euro: 19,99

304 Seiten, broschiert

ISBN:   978-3-593501314

Campus Verlag

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Henrik Müller, Professor für wirtschaftspolitischen Journalismus an der TU Dortmund, legt mit dem hier vorliegenden Werk eine überarbeitete Version seines 2004 erschienenen „Wirtschaftsirrtümer. Richtigstellungen von Arbeitszeitverkürzung bis Zinspolitik“. Müller will (vermeintliche) Gewissheiten in Frage stellen, indem er sie mit Daten und Fakten konfrontiert. Die jüngste Vergangenheit, so Müller weiter, ist voller Irrtümer. Gravierend werden sie, wenn Menschen ihr Handeln nach ihnen ausrichten. Sie sind gezwungen, ihre Agenda ständig anzupassen. Im Boom gelten andere Gewissheiten als in Zeiten der Stagnation oder Rezession. Beständigkeit kann sich unter diesen Bedingungen nur schwerlich etablieren. Ein nach diesen Prinzipien ausgerichtete Handeln kann uns allen Kopf und Kragen kosten. In diesem Punkt hat er Recht. Müller nennt die spanische Immobilienkrise als Beispiel. In welchem wirtschaftlichen Glück wägte sich Spanien vor knapp einem Jahrzehnt! Stolz verkündete der damalige Ministerpräsident José María Aznar, dass der Bausektor größer sei als der Frankreichs und Deutschlands zusammen. Alle wichtigen politischen Entscheidungen damals wurden unter dem Mantel dieses Narrativs entschieden. Der vermeintliche gesunde wirtschaftliche Aufschwung, so Müller weiter, prägte die Wahrnehmung und damit die Realität. Fakten, die sich dieser Realität entzögen und nicht in die vertraute Erzählung passen, werden ausgeklammert und gekonnt ignoriert. So wie damals in Spanien. Müller ist auch zuzustimmen, dass man gerade dann skeptisch sein muss, wenn alle einer Meinung sind.

Müller denkt, seine Richtigstellungen sind frei von Irrtümern

Woher aber Müller die Gewissheit nimmt, dass seine Richtigstellungen frei von jeden Irrtümern sind, bleibt ihm vorbehalten. Teilweise verkauft er seine eigene Meinung als der Weisheit letzten Schluss. So behauptet er vollkommen zurecht, dass sich manche Ereignisse nicht voraussehen lassen können, weil die Entwicklung nun mal nicht linear und progressiv verläuft.

Nur Müller argumentiert genauso. Bei einigen seiner Richtigstellungen greift er genau auf das Muster zurück. Unter dem Irrtum 45 beschreibt er ausführlich, warum ein Scheitern der Eurozone katastrophale Auswirkungen hätte. Hierbei stellt er seine eigene Meinung als die absolute Wahrheit dar und warnt ausdrücklich vor einem Zurückrollen in die 1980er Jahre. Warum eine Rückkehr zur nationalen Währung zwangsläufig eine Zeitreise in die Vergangenheit des Kalten Krieges bedeuten muss, bleibt Müllers Geheimnis. Nach dieser Logik müsste eine Wiederheirat nach einer Scheidung auch kein Projekt für die Zukunft sein, sondern ein Zurückrollen in längst vergangene Zeiten.

Alle müssen studieren

Auch für das in Deutschland übliche duale Berufsausbildungssystem findet Müller kritische und sogar ablehnende Worte. Er betont mehrmals, dass es nicht genügend Studenten geben kann und eine Warnung vor einer Überakademisierung, wie sie vor Kurzem der ehemalige Kulturstaatssekretär und Professor der Philosophie Julian Nida-Rümelin, Kokolores, irreführend und sogar wirtschaftsschädlich ist. Für Müller ist die Sache klar: Eine Überakademisierung kann es gar nicht geben. Man muss studieren, denn nur so ist man für den künftigen wirtschaftlichen Herausforderungen gewappnet. „Der Handel mit hirnintensiven Dienstleistungen und der Verkauf von Wissen ersetzen zunehmend den Handel mit physischen Produkten – postindustrielle, hochproduktive Aktivitäten mit großem Input von Wissen. Dafür braucht es andere Qualifikationen und ein anderes Umfeld, als es Deutschland bislang bietet. Mit der bewährten dualen Berufsausbildung, einem der Fundamente der deutschen Industrie, wird man in der neuen Zeit nicht weit kommen.“ (129) Müller wird nicht müde, bei der Widerlegung der von ihm erkannten 50 Irrtümer auf andere Länder zu verweisen. Warum verweist er dann nicht auf die Folgen, welche die Überakademisierung in Frankreich ausgelöst hat? Warum spricht er die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Schweden nicht an? Wo er doch ansonsten dieses nordische Land in den höchsten Tönen lobt? Immerhin 20% der schwedischen Jugendlichen sind auf der Suche nach einem Job. Folgt man Müllers These zur Akademisierung und zum angeblichen sterbenden Industriesektor müssten Frankreich und Schweden ein Arbeitsparadies für Topverdiener sein. Sie sind es aber nicht. Was bringen die besten Erfindungen, wenn sie nicht hergestellt und produziert werden. Apple könnte auch nicht mit solch prächtigen Gewinnen glänzen, wenn nicht einer die physischen Produkte Smartphone, Laptop, PC und Tablet erschafft. Ganz ohne Industrie klappt es also doch nicht.

Müllers Buch ist ganz nett

Das vorliegende Buch ist ganz nett. Lesen kann man es allemal. In einigen Punkten ist Henrik Müller auch zuzustimmen, in allen anderen lernt man zumindest eine andere Argumentation kennen. Man hat aber auch nichts verpasst, wenn das vorliegende Buch nicht im heimischen Bücherregal vorzufinden ist.

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