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Unter Bankern. Eine Spezies wird besichtigt

Von Julian Achleitner - 21. Juli 2015

Autor: Joris Luyendijk

Euro:19,95

320 Seiten, gebunden

ISBN: 978-3-608-50338-8

Tropen Verlag

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Banken-Bashing ist gerade in Mode und wer sich dieser Stereotypen bedient, muss sie nicht einmal näher erläutern, damit sein Gegenüber wohlwollend mit dem Kopf nickt. Will sich einer von Klischees nicht bedienen lassen und seinen fluchenden Gesprächspartner bittet, seine Meinung näher zu begründen, merkt schnell die Unwissenheit über Banken und Banker. Ihnen wird Gier vorgeworfen und eine fehlende Reflexion über ihr schändliches Tun vor, während und nach der Krise.

Nicht über Banker reden, sondern mit ihnen

Der Niederländer Joris Luyendijk verstand genauso wenig wie die meisten seiner Zeitgenossen von der Banken- und Finanzwelt. Nur hat er sich nicht mit Klischees und Stereotypen zufrieden geben wollen. Er vermied es aber, mit echten und vermeintlichen Experten über Banker zu reden, er redete mit ihnen. Sie sollten ihm einen Einblick in ihre Gedanken- und Geschäftswelt geben. Luyendijk wandte diese Methodik schon einmal an, als er sich über Elektroautos informieren wollte. Während hier die Gesprächspartner Schlange standen, verhielt es sich bei den Bankern in der City, Londons Finanz- und Bankendistrikt, genau anders. Der über alles schwebende Schweigekodex wirkte wie ein Maulkorb, auch über das Ende der Vertragslaufzeit hinaus.

Nur Anonymität sichert Gesprächspartner

Diese Omertà stahl Luyendijk, der diese Recherche im Namen der linksliberalen, englischen Zeitung „The Guardian“ betrieb, schnell die Hoffnung, auf einfachem Wege Gesprächspartner zu finden. Also rief er einen Blog ins Leben und sicherte allen willigen Bankern eine allumfassende Anonymität zu. Dieser neue Schritt wurde sogleich belohnt und die Ersten meldeten sich.

Planet Finance

Schnell musste Luyendijk merken, dass es „die Bank“ nicht gibt. Vielmehr arbeiten mehrere Abteilungen autonom und wissen wenig bis gar nichts über ihre Kollegen. Es sind auch nicht alle Abteilungen fern der Realwirtschaft unterwegs. Anstatt also von „die Bank“ zu reden, entschied er sich für die Bezeichnung „Planet Finance“. Hierunter fällt natürlich auch der Privatkundenbereich, deren Hauptumsatz mit Aktivitäten erzielt wird, die schon Oma und Opa kannten. Alle Betroffenen legten großen Wert darauf, dass dies eine gänzlich andere Welt im Vergleich zu den Investmentbankern ist.

Luyendijk lässt die Betroffenen sprechen

Eine Stärke des Buches ist ohne Zweifel, dass Luyendijk nicht über die Banker spricht, sondern mit ihnen. Er geht sogar darüber hinaus und lässt sie zu Wort kommen. Es sind dabei nicht nur Investmentbanker, sondern auch Operational Risk Officer, IT Manager, Quants, Human Ressource Manager und noch weitere Mitarbeiter mit tollen Titeln. Dem Leser wird kein makroökonomischer Blick auf die Bank gewährt, sondern ein mikroökonomischer. Der Einblick in das Innere einer Bank zieht den Leser sofort in den Bann.
Luyendijk handelt hier wie ein Ethnologe, der ein Naturvolk untersucht. Er beobachtet, hört zu und versucht dabei vorurteilsfrei zu sein. Er erhebt zu keinem Zeitpunkt den Anspruch, die Wahrheit gepachtet zu haben und einen allumfassenden Blick in die City zu gewährleisten. Ein Einwand, den der Autor selber anmerkt, ist, dass sich meistens die unzufriedenen Banker melden, die ihren Unmut freien Lauf lassen. Dabei ist es durchaus interessant, die Beweggründe zu hören, weshalb sie dennoch bei der Bank bleiben. Es ist nicht nur das Geld, sondern alles in allem auch eine intellektuell herausfordernde Position. So berichtete eine Personalerin zwar von willkürlich anmutenden Entlassungen, die ihr schwer zu schaffen machen, aber gleichzeitig von einem geistigen Hochgenuss, gegen einen renommierten Arbeitsanwalt ein Duell vor Gericht zu gewinnen.

Horizont wird erweitert

Auch wenn der Autor keine neuen Erkenntnisse über die Bankenwelt ans Tageslicht fördert, schließlich ist alles schon einmal geschrieben worden, lohnt es sich allemal, das vorliegende Buch zu lesen. Luyendijk geht nicht volkswirtschaftlich vor und argumentiert auch nicht mit einem auf Zahlen basierten Blickwinkel, sondern aus den Augen der betroffenen Mitarbeiter heraus. So öffnen sich dem Leser wahrlich die Augen und er lernt eine andere Sicht der Dinge kennen.

Bildnachweis: Tropen Verlag

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