Jetzt Mitglied werden

Nachhaltigkeit und Verantwortung im Financial Planning

Eine Studie des FPSB hat ergeben, dass 61% der Deutschen glauben, keine ganzheitliche Finanzberatung zu benötigen, und etwa jeder Dritte den Rat von Familie und Freunden dem eines professionellen Finanzberater vorzieht. Im Inteview mit Philipp Scherber sieht Markus Schott, CEO der B-Group, für das Financial Planning jedoch eine andere Zukunft.

Von Philipp Scherber - 05. April 2016

BANKINGNEWS: Bezogen auf die genannte Studie: Gerät Financial Planning aus der Mode?

Schott: Meine praktischen Erfahrungen zeigen mir gerade das Gegenteil. Vor allem in den letzten drei bis vier Jahren gerät Financial Planning wieder mehr in Mode. Das liegt vor allem daran, dass das Vertrauen in die Banken grundsätzlich gelitten hat. Mittlerweile gehen viele Kunden ein bisschen weg von der Bankenbranche und suchen das Thema Financial Planning ganz bewusst bei uns.

„Das Vertrauen hat gelitten“

Laufen Ihnen und dem Berater in der Filialbank in Zukunft immer mehr Menschen in Richtung Robo-Advisor, Online-Finanzforen und FinTechs davon?

Auch dieser Trend ist im Moment nicht zu erkennen. Wir haben bei uns im Haus die Erfahrung gemacht, dass die Kundenfluktuation bei unter zwei Prozent liegt. Man muss da auch unterscheiden. Produkte, die leicht erklärbar sind, werden sicher auch über Robo Advisor laufen. Es wird viele Angebote im Web geben, die Kunden gewinnen werden. Das ist nicht aufzuhalten. Komplexe Prozesse werden auch in Zukunft schwer über Robo Advisory abzuwickeln sein. Es kommt außerdem auf die Zielgruppe an. Junge Menschen, die damit aufgewachsen sind, werden sich diesem Thema immer mehr zuwenden. Ältere Menschen, die noch die klassischen Formen der Finanzberatung kennengelernt haben, werden dem im Wesentlichen treu bleiben, weil sie der Technik unter Umständen skeptisch gegenüber stehen. Es wird Sinn machen, beides miteinander zu vernetzen: die Technik, die dem Mandanten Zugriff auf alle seine Daten und Dokumente ermöglicht, und der professionelle Berater.

Also geht die Zukunft der Finanzberatung in Richtung Multi- und Omnikanallösungen?

Ja, das würde ich so sehen. Diejenigen Finanzdienstleister, die es nicht schaffen, in allen Bereichen – Asset-, Risk-Management, Versicherungswesen etc. – zu beraten, werden sicherlich verlieren. Financial Planning muss so aufgesetzt werden, dass der Kunde vollumfänglich und kompetent sowohl in der Breite als auch in der Tiefe beraten werden kann.

Wie garantieren Sie die Beratungsqualität für Ihre Kunden?

Wir haben Spezialistenteams aufgebaut, die komplett unabhängig von Gesellschaften Research betreiben können. Das Research für unsere Mandanten erfolgt nicht nur stichpunktbezogen, sondern ganzjährig als rollierender Prozess. Das ist natürlich sehr aufwendig und kostenintensiv, hat sich aber bewährt. Wir sind darüber hinaus permanent im  Gespräch mit Gesellschaften, bestimmten Medien, Indizes und anderen Researchunternehmen. Damit bauen wir ein Gesamtkonstrukt, nach dem wir unsere Entscheidungen treffen. Bei uns kommt es recht häufig vor, dass wir Gesellschaften und Produktgattungen austauschen, wenn uns die Beratungsqualität hinsichtlich Solidität, Verwaltungsqualität, Abwicklung oder Regulierung im Stich lässt.

„Nachhaltigkeit als Lebenseinstellung“

Sie haben einmal gesagt: „Nachhaltigkeit ist für mich kein Werbeslogan, sondern eine Lebenseinstellung!“

Die Branche hat sehr stark gelitten, weil Leute nicht nachhaltig gearbeitet haben. Die Vergütung des Beraters stand sehr stark im Vordergrund, und das hat sich auf vielen Ebenen niedergeschlagen. Eine Auswirkung davon ist die heutige regulatorische Übertreibungswut des Gesetzgebers. Wenn wir uns heute an die Weisheiten unserer Großeltern erinnern – sei ehrlich, redlich und betrüge niemanden – ist das die Basis für Nachhaltigkeit. Das bedeutet gerade im Financial Planning, dem Kunden nicht zu erzählen, dass alles rosarot und wunderbar ist, sondern mit ihm gemeinsam Dinge zu erarbeiten und ihn als Partner zu sehen. Dazu muss man vor allen Dingen auch dann da sein, wenn Dinge einmal nicht funktionieren, die Märkte nach unten gehen oder im schlimmsten Fall Kapitalanlagen ausfallen. Nachhaltigkeit bedeutet aber auch, dass wir uns als mittelständisches Unternehmen immer neu erfinden und die Produkte für unsere Kunden aktuell halten.

Welche Auswirkungen wird MiFID II – Stichwort Beratungsdokumentation – auf die Finanzberatung in Deutschland haben?

Wir haben immer sehr großen Wert darauf gelegt, alles zu dokumentieren, um den Willen des Kunden und den Berater auf eine Ebene zu bringen. Wir sind heute bereits so weit, dass wir MiFID II konform dokumentieren. Wir haben mittlerweile IT-Systeme integriert, die entsprechend in der Lage sind, komplexe Strukturen zu dokumentieren und den gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden. Gerade für kleinere Einheiten dürfte es immer schwieriger werden. Allein die regulatorischen Compliance- und Governancevorschriften werden im kleinen Stil nicht mehr durchsetzbar sein, weil sie so viel Zeit benötigen, dass sie am Ende des Tages gar keine Beratung mehr seriös vorbereiten und durchführen können.

Markus Schott ist seit 2003 CEO der B-Group AG Financial Planning. Frühere Stationen des Diplom-Betriebswirts sind eine fünfjährige Tätigkeit als Handelsvertreter Finanzen sowie eine Anstellung als Leiter Marketing & Vertrieb bei der Raiffeisen-Volksbank Lichtenfels-Itzgrund.

Lesen Sie auch

„Die elektronische Signatur ist ein Gewinn für Unternehmen“

Seitdem die eIDAS-Verordnung im Juli 2016 in Kraft[…]

Daniel Fernandez

Mit Customer Journey Mapping den Kunden erreichen

Im Webinar „Komplexe Omnichannel-Kommunikation mit Customer Journey Mapping[…]

Redaktion

Die Zukunft im Blick – Next Generation Customer 2018

Wie sieht die Zukunft der Finanzberatung und der[…]

Philipp Scherber

Next Generation Customer 2018

Am 07. und 08. November 2018 veranstaltet der[…]

Redaktion

„Das aktuelle Bonussystem stinkt zum Himmel“

Basketballprofi, Deutsche-Bank-Customer-Chef, „Außenminister“ von Fidelity in Deutschland, Unternehmensberater.[…]

Philipp Scherber

Beim Banker von morgen schlägt das Herz des Kunden

Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz – die sogenannten[…]

Stefan Seyler

„7 von 10 Millenials gehen lieber zum Zahnarzt als in die Bankfiliale“

Die Direktbank N26 hat kürzlich einen Standort in[…]

Dalia El Gowhary

Private Altersvorsorge – beraten statt verkaufen

Die Erwartungen und das Verhalten der Kunden ist[…]

Matthias Bitzer

Online-Banking: Von wegen Mobile First

Das Smartphone als täglicher Begleiter. Für das Online-Banking[…]

Philipp Scherber

Liquidität durch Forderungsverkauf

Forderungsbasierte Finanzierungsformen gewinnen gerade für mittelständische Unternehmen verstärkt[…]

Stefan Beismann

„Für die Entwicklung einer App braucht es kreativen Spielraum“

Beim Namen M.M.Warburg denkt man unvermittelt an ein[…]

Philipp Scherber

Eine Plattform für die Kundenkommunikation

Im Jahr 2013 hat die MONETA Money Bank[…]

Axel Wetten

Partnership Banking – Neukundengewinnung im großen Stil

Die Commerzbank hat sich für die kommenden Jahre[…]

Fabian Gleisner

Der Zahnpirat und die finanzielle Bildung

Die Kenntnisse von jungen Erwachsenen in Bezug auf[…]

Jens Drexler

Kinder und Eltern emotional begeistern

Es gibt wenige Themen, die im Bankenbereich so[…]

Jens Drexler

„Wir sind eine Beratungsboutique“

Der steigende Veränderungsdruck in der Finanzindustrie führt zu[…]

Thorsten Hahn

Amazon kommt

Mit der Ankündigung, Bankkonten ins Angebot aufzunehmen, hat[…]

Thorsten Hahn

MiFID II – wir nutzen die Chancen

Banken unterliegen seit Jahresbeginn durch die Finanzmarktrichtlinie MiFID[…]

Mathias Lüdtke-Handery

Crossmediale Kundengewinnung im Geschäftsfeld Immobilienfinanzierung

Das Bankmarketing hat sich durch die Digitalisierung nicht[…]

Jens Drexler

„Das Telefon ist einer der Hauptkanäle“

Über Kundenakquise im 21. Jahrhundert ist bereits eine[…]

Christian Grosshardt

„Geisterfahrer im Strom der Andersdenkenden“

Nachbericht zum Fachkongress "Next Generation Customer" am 15.[…]

Tobias Schenkel

„Und das war die große digitale Revolution?“

Weihnachten steht vor der Tür und für den[…]

Christian Grosshardt

„It’s not about fancy buildings“ – Branch Transformation 2017

Auf der Branch Transformation am 28. und 29.[…]

Philipp Scherber

Geschützt: Vorträge NEXT GENERATION CUSTOMER 2017 (exklusiv für Mitglieder und Teilnehmer)

Es gibt keine Kurzfassung, da dies ein geschützter[…]

Frank Rathner

„Früher wusste der Milchmann genau, wie viele Liter der Kunde geordert hatte“

Das Szenario kennen viele: Der Autokredit läuft seit[…]

Christian Grosshardt

Von der Kundensegmentierung zur Servicegröße 1

Jeder hat schon einmal die Erfahrung gemacht: Selbst[…]

Uwe Döring-Katerkamp

Der ewige Spagat

Kundenbindung und Neukundengewinnung oder Kosteneinsparung und wirtschaftliches Überleben[…]

Redaktion

Staatlich finanzierte Neukundenakquise

Martin Zielke will durch Digitalisierung und ein enges[…]

Thorsten Hahn

Big Data für die Bankenwelt: Wie die Datenanalyse das Kundenerlebnis verbessert

Es ist offensichtlich, dass Big Data eine große[…]

Vincenzo Fiore

„Wir können viel voneinander lernen“

Die PSD Bank Hannover und das Robo-Advisor-Insurtech Clark[…]

Philipp Scherber

Wer macht das Rennen bei den Digitalen Identitäten?

Nachdem es lange Zeit so aussah, als wären[…]

Jörg Jessen

Islamic Banking – neuer Player westlicher Wirtschaftsethik

Unter den über 2.000 Kreditinstituten in Deutschland gibt[…]

Ferhat Aslanoğlu

War da was? Wie man trotz immer neuer regulatorischer Vorgaben ausreichend an seine Kunden denkt

Die Fülle an neuen regulatorischen Vorgaben stellt Banken[…]

Udo Lücke

Kids & Teens: Was Banken tun müssen, um junge Kunden zu erreichen

Volle Kaufkraft voraus? Schön wäre es: Obwohl Kinder[…]

Michael Nake

„Regulatorik als Vertriebsmöglichkeit nutzen“

Vielen Bankern dreht sich bereits der Magen um,[…]

Christian Grosshardt

Banken und die Generationen Y, Z und K

Banken sollen die Zahl ihrer Filialen verringern –[…]

Jürgen P. Müller

Berliner Volksbank

Die Berliner Volksbank ist eine der größten Genossenschaftsbanken[…]

Scarlett Hermann

So geht Kundenkommunikation 4.0

1. Chatbots sind nicht die Lösung Bei der[…]

Jochen Razum

„Beratung muss und darf Geld kosten“

Bevor Maik Lunte als Financial Planner zur B-Group[…]

Philipp Scherber

Generation Y…

… und die Fabel vom Omni-Channel-Banking.

Thorsten Hahn

Das Rennen der Vermögensberater um die Umsetzung von MiFID II

Die Umsetzung von MiFID II ist aktuell die[…]

Kathrin Schmidt

Digitaler Vertrieb als Erfolgsfaktor im Multikanal

Der Handlungsdruck auf Banken und Sparkassen steigt –[…]

Dr. Axel Grote

Innovation bei Antragsprozessen: Wie sieht die moderne Schnittstelle zum digitalen Kunden aus?

Fintechs haben bekanntlich die Kundenschnittstelle besetzt und zwingen[…]

Arne Westphal

Den informierten Kunden anlocken

Den Kunden von heute zeichnet nicht nur aus,[…]

Christian Grosshardt

„Kompetenz und Qualität werden sich langfristig durchsetzen“

Christina Almeida-Schmid hat als Kundenberaterin sowohl den Sparkassen-[…]

Philipp Scherber

Vertragsabschluss auf der Couch

Seit Juli dieses Jahres ist die EU-Verordnung Nr.[…]

Sebastian Bärhold

Direktbanken als Konkurrenz im Firmenkundengeschäft?

Wie können Filialbanken ihren Vorsprung verteidigen? Und: Wie[…]

Jan Hoffmann

„Geldanlage ist und bleibt Vertrauenssache“

Durch neue Investitionen und einen Media-for-Equity-Deal hat der[…]

Philipp Scherber

„Finanzberatung war, ist und wird nie kostenlos sein“

Erol Tezsevin-Weiss, Geschäftsführer des Honorarberatungsunternehmens Consilanto, bemängelt die[…]

Philipp Scherber

Quo vaditis, Finanzberater in Deutschland?

Drastische Kürzung von Abschlussprovisionen, ein rasantes Ansteigen von[…]

Peter Scherbening