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Eduard von der Heydt: Bankier, Kunstsammler, Nationalsozialist?

Bei Eduard von der Heydt handelt es sich, gelinde gesagt, um eine ambivalente Persönlichkeit. Denn der deutsch-schweizerische Bankier war nicht nur ein großer Freund chinesischer und indischer Kunst, sondern war auch NSDAP-Mitglied.

Von Redaktion - 09. April 2020
Grafik zum Daily Zeitreise 164 Tod von Eduard von der Heydt. Er war Bankier, Kunstsammler und ihm wurde vorgeworfen, im Zweiten Weltkrieg die Nationalsozialisten unterstützt zu haben

Goethes Faust klagte einst: „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“. Wohingegen das für den französischen Banker und Rennfahrer Érik Maris noch gegolten haben mag, müsste man bei Eduard Freiherr von der Heydt eher von zumindest drei Seelen sprechen. Seine Person ist mit Kritik und Kontroversen verbunden.

Geboren wurde Eduard von der Heydt am 26. September 1882 in Elberfeld, was heute zu Wuppertal gehört. Das Bankwesen war ihm quasi in die Wiege gelegt worden. Sein Vater, August von der Heydt, war Teilhaber des Bankhauses Von der Heydt Kersten. Sein älterer Bruder, der ebenfalls August hieß, trat später in dieses Bankhaus ein.

Eduard dagegen absolvierte ein Bankpraktikum in Dresden und schloss 1905 sein Studium in Freiburg mit der Promotion über den Aufsichtsrat der deutschen Aktiengesellschaft ab. Zuvor hatten die Brüder gemeinsam an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Bibliothek in Genf studiert und wechselten anschließend zusammen nach Freiburg.

Eduard von der Heydt: Der Bankier

Nach seiner Promotion zog es ihn nach New York, er war dort ein Jahr lang für das Bankhaus August Belmont tätig. Es vertrat die Rothschild-Bank aus Frankfurt in den USA.

Tipp: Lesen Sie hier mehr über den Beginn des Hauses Rothschild und darüber, was Dr. Reinhard Krafft, Geschäftsführer Rothschild & Co Vermögensverwaltung, über die Bedeutung des Namens Rothschild sagt.

1909 ging von der Heydt nach London und gründete unter der Mithilfe des Hauses von der Heydt-Kersten & Söhne das Bankhaus E. von der Heydt & Co. Im Ersten Weltkrieg wurde es ohne Entschädigung enteignet.

Nach dem Krieg heiratete Eduard von der Heydt Vera von Schwabach, eine Berliner Bankierstochter. Die Ehe hielt allerdings nicht lange. 1920 erfolgte eine Neugründung seiner Bank in Amsterdam, die „Von der Heydt-Kersten Bank“. Auch war er an der Nordstern-Bank in Berlin beteiligt. Sie firmierte später als „Von der Heydt Bank“. Als sie 1927 in wirtschaftliche Schieflage geriet, übernahm die Familie Thyssen die Bank, sodass sie ab 1930 unter dem Namen „August Thyssen-Bank“ lief.

Eduard von der Heydt: Der Kunstsammler

Von der Heydt, der als Ehrenbürger von Wuppertal ausgezeichnet wurde, gilt aber nicht nur als raffinierter Banker, sondern ist auch als Kunstsammler und Mäzen in die Geschichte eingegangen. Er baute – ähnlich wie sein Vater, der ebenfalls Sammler war – eine völkerkundliche und eine Gemäldesammlung auf, die mehrere tausend Jahre Kunstgeschichte umspannen. Darunter finden sich mittelalterliche Heilige, Meisterwerke der niederländischen Kunst, aber auch bedeutende moderne Maler wie Gauguin, Kirchner, Modersohn-Becker, Picasso und van Gogh.

Besonders haben es ihm aber die ostasiatische und afrikanische Kunst angetan. Er besaß etwa 3.000 nicht-europäische Kunstwerke. So besaß er eine der weltweit größten Privatsammlungen chinesischer und indischer Kunst.

Ein Bankier als Schenker und Kulturförderer

Ab 1927 traten seine Bankgeschäfte immer mehr in den Hintergrund, als er den Monte Verita im schweizerischen Ascona erwarb. Dort ließ er ein Hotel bauen und erschuf ein Zentrum für kulturelle Begegnung.

1937 wurde von der Heydt offiziell Schweizer Staatsbürger, immerhin lebte er bereits über ein Jahrzehnt dort. Im gleichen Jahr wanderten seine indischen, chinesischen und afrikanischen Stücke in den Besitz des Rietberg-Museums in Zürich, wohingegen sich das Zürcher Museum die Gemälde mit dem Von der Heydt-Museum in Wuppertal teilen musste. 1956 bekam das Kanton Tessin den Monte Verita und die dort verbliebenen Kunstwerke.

Insbesondere das Zürcher Museum verdankt Eduard von der Heydt viel, bildet doch seine Schenkung den Grundstock der Ausstellungsstücke. Auch hieß der seit 1950 verliehene „Kulturpreis der Stadt Wuppertal“ ab 1957 „Eduard von der Heydt-Kulturpreis“. Die Auszeichnung ist mit rund 20.000 Euro verbunden und ehrt verdiente Künstler. Von der Heydt selbst ist auch mehrfach ausgezeichnet worden, er ist nicht nur Ehrenbürger von Wuppertal, sonder auch von Ascona, bekam die Ehrendoktorwürde der Universität Zürich und sogar das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

Eduard von der Heydt: Helfer für die Nazis?

Doch besonders seit dem neuen Jahrtausend rückt zunehmend ein anderer Aspekt des Lebens von der Heydts in den Mittelpunkt: seine politische Gesinnung. Bereits ab Herbst 1902 diente von der Heydt beim 3. Garde-Ulanen-Regiment in Potsdam. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges war er Rittmeister im Felde und kämpfte in Frankreich. 1915 kam er als Legationsrat in die deutsche Gesandtschaft in Den Haag, nachdem er schwer verwundet wurde. Drei Jahre später schied er aus dem diplomatischen Dienst aus.

Seine politische Anschauung war nationalkonservativ und monarchistisch, auch vor antisemitischen Äußerungen soll er nicht zurückgeschreckt sein. 1926 trat der der Organisation „Stahlhelm” bei, 1933 wurde er Mitglied der NSDAP. Später wurde der Vorwurf laut, er habe die Nazis finanziell unterstützt. Er blieb bis 1937 in der Partei. Nach seinem Austritt wurde er Mitglied im Schweizer „Bund treuer Eidgenossen nationalsozialistischer Weltanschauung”.

Die August Thyssen-Bank wickelte im Nationalsozialismus und im Zweiten Weltkrieg den Zahlungsverkehr der deutschen Abwehr ab. Von der Heydt sendete in dieser Zeit mehr als eine Million Schweizer Franken an deutsche Agenten auf der ganzen Welt. Er soll also finanzielle Transaktionen für den deutschen militärischen Nachrichtendienst getätigt haben. Dafür kam er wegen Verletzung der Neutralität der Schweiz in U-Haft, wurde aber bald freigesprochen, da es nicht genug Beweise gab.

Was bleibt?

Eduard von der Heydt bleibt eine umstrittene Persönlichkeit. Aufgrund seiner politischen Vergangenheit und den dunklen Flecken in seiner Biografie, wurde diskutiert, ob das Von der Heydt-Museum und der Eduard von der Heydt-Kulturpreis weiterhin seinen Namen tragen sollten.

Es gab die Idee, das Museum nach dem jüdischen Maler Jankel Adler zu benennen. Als Namensgeberin für den Preis wurde etwa die jüdische Dichterin Else Lasker-Schüler vorgeschlagen, da die Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft seit Langem in Wuppertal ansässig ist. Da es aber bereits einen nach ihr benannten Preis gab, einigte man sich 2008 auf den Namen „von der Heydt-Kulturpreis“. So sollte der Fokus mehr auf die gesamte Familie, in der einige Kunstsammler waren, gelegt werden.

Ebenso wurde sein Freispruch von den Amerikanern und Briten nicht anerkannt. Einige Kunstwerke, die der Bankier vor dem Krieg zu retten versuchte, lagern im Smithsonian Institute in Washington – als „Feindvermögen“.

2013 erschienen eine wissenschaftliche Aufarbeitung von der Heydts Biografie durch den Leiter des historischen Zentrums in Wuppertal, Eberhard Illner. Er widerlegte einige Vorwürfe gegen den deutsch-schweizerischen Bankier. So trägt die Biografie auch den Titel „Eduard von der Heydt: Kunstsammler, Bankier, Mäzen“. Illner betont jedoch ebenso, dass einige andere Vorwürfe über von der Heydt sehr wohl stimmen würden. Das Buch möchte ein „differenziertes und historisch-kritisches Bild einer komplexen Persönlichkeit“ zeigen. Der ehemalige Bankier Eduard von der Heydt verstarb Anfang April 1964 in Ascona.

Daily-Highlights: Sie möchten mehr von unseren Dailys? Dann erfahren Sie hier, warum Bargeld etwas für Eilige ist oder warum Maschinen in Krisen auch nicht schlauer als Menschen sind.

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