Freitag, 06. Mรคrz 2026
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Geldanlage auf Sparflamme

Neue Anlagemรถglichkeiten sind global auf dem Vormarsch. Zwar kรถnnen Krypto und Co. noch nicht mit den โ€žKlassikernโ€œ bei der Geldanlage mithalten, aber die Nachfrage wรคchst. Laut einer Umfrage der Universitรคt von Chicago haben in 2020 bereits 13 Prozent der amerikanischen Bevรถlkerung in Kryptowรคhrungen investiert.

Auch der Blockchain-basierte Kunsthandel erfreut sich dort immer grรถรŸerer Beliebtheit: Allein von 2020 bis zum ersten Quartal 2021 hat das Handelsvolumen von Non-Fungible Tokens (NFTs) einen Anstieg von รผber 13.000 Prozent verzeichnen kรถnnen. Gleichzeitig sind rund 56 Prozent der US-Amerikaner 2021 im Besitz von Aktien, so das Marktforschungsinstitut Gallup.

Wรคhrenddessen setzt man in Deutschland immer noch vor allem auf das Sparbuch โ€“ und spart sich dabei auch gleich die Rendite. Das legt zumindest eine Auswertung nahe, die Prof. Oscar A. Stolper von der Philipps-Universitรคt in Marburg im Auftrag von Union Investment durchgefรผhrt hat: Zwar ist wรคhrend der Corona-Pandemie das Geldvermรถgen der Privathaushalte auf einen Rekordwert von sieben Milliarden Euro gestiegen.

Doch ergab sich 2020 der Hauptteil des Wachstums (81 Prozent) aus der Sparleistung, wรคhrend die Rendite auf das ursprรผngliche Vermรถgen nur bei rund 0,7 Prozent lag. Zusรคtzlich sorgen steigende Inflationsraten fรผr einen Kaufkraftverlust in Rekordhรถhe.

Liebe zur Geldanlage flammt erneut auf

Doch gibt es seit Beginn der Pandemie auch Signale, die Hoffnung machen auf eine neue Anlagekultur: Die Deutschen haben ihre Liebe zu Aktien wiederentdeckt. Laut dem Deutschen Aktieninstitut gibt es seit 2020 wieder รผber zwรถlf Millionen Aktiensparer in Deutschland, beinahe drei Millionen mehr als noch im Vorjahr.

Die Zahl der Aktionรคre und Fonds-Anleger in Deutschland nรคhert sich also zum ersten Mal wieder dem Niveau vor dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000. Und mit einem Zuwachs von 67 Prozent bei den unter 30-Jรคhrigen scheint bei den deutschen Bรถrsianern auch der Nachwuchs gesichert. Banken, die sich seit Jahren รผber die deutschen Aktienmuffel beklagen, kรถnnten jetzt endlich die ersehnte Bรถrsenrepublik Deutschland bekommen.

Doch welchen Stellenwert Banken dabei in Zukunft einnehmen, ist noch unklar. Denn von der steigenden Anzahl an Kleinanlegern konnten bisher vor allem die Neobroker profitieren. Wie das Handelsblatt berichtet, landeten fast 80 Prozent der Depoterรถffnungen zwischen Juni 2020 und Juni 2021 bei digitalen Brokern wie Trade Republic.

Vor allem die online-affinen Generationen Y und Z kรถnnten Banken langfristig an die Smartphone-Broker verlieren. Die jรผngere Generation schรคtzt vor allem das einfache Einrichten des Depots, eine komfortable App und auch das gรผnstige Trading. Was kรถnnen Banken also bieten, um junge Kleinanleger fรผr sich zu gewinnen?

Das Provisionsverbot fรผr Anlageberatung ist gekippt, und so manche Bank wird das als Bestรคtigung des Status quo betrachten. Stattdessen sollten sie diese Gelegenheit nutzen, um ihre Rolle als Vermittler zu รผberdenken. Amerikanische Banken mussten im Wettkampf mit Neobrokern wie Robinhood bereits einsehen, dass die Zukunft der Geldanlage provisionsfrei ist.

Deutsche Banken werden langfristig mitziehen mรผssen. Aber das allein reicht nicht. Sie mรผssen sich auch vom Verkรคufer zum wirklichen Berater entwickeln. Denn es geht nicht nur um das eigene Geschรคft. Wenn die nรคchste groรŸe Marktkorrektur die Ersparnisse von Millionen unerfahrenen Kleinanlegern auslรถschen sollte, folgt einem kurzen Frรผhling ein weiterer langer Bรถrsen-Winter in Deutschland.

Daniel Fernandez ist seit 2025 Chefredakteur der BANKINGNEWS. Seine journalistische Laufbahn begann er 2017 in der Redaktion als Volontรคr. Er studierte English Studies an der Universitรคt Bonn (B.A. 2016) und vertiefte seine akademische Ausbildung mit einem Master in English Literatures and Cultures, den er ebenfalls in Bonn abschloss. Erste redaktionelle Erfahrungen sammelte er parallel zum Studium als freier Werbetexter.

Dennis Witzmann ist ehemaliger Redakteur beim BANKINGCLUB.

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