Mit Blick auf die zunehmende Geschwindigkeit der Digitalisierung hat die Deutsche Apotheker- und รrztebank eG (apoBank) die Frage gestellt, wie die Entwicklungen den Gesundheitsmarkt verรคndern werden. Wo liegen die grรถรten Herausforderungen? Zahlen sich Investitionen in digitale Strukturen รผberhaupt aus? Die Ergebnisse hat sie in einer Studie verรถffentlicht. Diese besteht aus der Analyse relevanter Themen sowie einer quantitativen Befragung von Heilberuflern. Ergรคnzt um das Meinungsbild der Standesorganisationen der Berufsstรคnde sowie qualitativ vertiefende Interviews mit Experten aus Wissenschaft, Praxis und Politik, liefert die Studie einen Rundum-Blick auf die Digitalisierung im Gesundheitsmarkt.
Die wichtigsten Ergebnisse der Studie
Die Heilberufler sehen die stรคrksten Verรคnderungen in ihrem beruflichen Alltag und den Strukturen der Gesundheitsversorgung, wรคhrend die Arzt-Patienten-Beziehung vergleichsweise unberรผhrt bleibt. Die digitale Vernetzung wird heilberufsรผbergreifend als Entwicklung mit dem grรถรten Verรคnderungspotential beurteilt. Je nach Berufsgruppe stehen unterschiedliche Entwicklungspfade im Fokus: Humanmediziner betonen den Einfluss von Assistenzsystemen รคrztlicher Leistungen, Apotheker konzentrieren ihren Blick auf digitale Anwendungen rund um Medikation und Zahnรคrzte setzen insbesondere auf personalisierte Versorgungsangebote. Die Heilberufler befรผrchten im Zusammenhang mit der Digitalisierung hohe Investitionen, erwarten aber vergleichsweise geringe Profite. Jeder dritte Heilberufler ist der Meinung, dass sich die Digitalisierung schnell, d.h. innerhalb der nรคchsten vier Jahre, durchsetzen wird. Die befragten Standesvertreter schรคtzen die Auswirkungen der Digitalisierung geringer ein als die Heilberufler selbst.
Ansprรผche der Patienten als Treiber der Digitalisierung
Insgesamt wird die Digitalisierung von den Marktakteuren als positive Entwicklung wahrgenommen, die eine Verbesserung in der medizinischen Versorgung, eine transparentere Kommunikation sowie ein effizientes Datenmanagement ermรถglicht. Getrieben wird die Digitalisierung im Gesundheitsmarkt dabei zunehmend durch die Ansprรผche der Patienten, die auf eine bessere medizinische Versorgung hoffen. Sowohl fรผr den stationรคren als auch fรผr den ambulanten Bereich sehen die Befragten weitreichende Chancen, wobei die klassische Zweiteilung der Sektoren zunehmend verschwimmen werde. Die Heilberufler รคuรern jedoch auch Bedenken. So sehen einige den Datenmissbrauch, eine steigende Bรผrokratie- und Informationsflut sowie hohe Kosten als mรถgliche Nachteile einer digitalisierten Medizin.
Fรผr die nahe Zukunft werden vornehmlich zwei Entwicklungen in den Fokus gestellt: Zum einen kรถnnen digital groรe Datenmengen innerhalb kรผrzester Zeit fรผr Entscheidungsprozesse ausgewertet und daraus personalisierte Therapien entwickelt werden. Zum anderen wird eine Verbesserung der medizinischen Versorgung in der Flรคche durch die รberfรผhrung telemedizinischer Anwendungen in die Regelversorgung erwartet. Die Herausforderung fรผr die beteiligten Akteure liegt jetzt darin, aus dem jeweils individuellen Blickwinkel heraus die Vorteile der Digitalisierung zu erkennen und die technologischen Mรถglichkeiten zur eigenen Unterstรผtzung einzusetzen. Auf diese Weise kรถnnen Heilberufler die eigenen Ressourcen noch effektiver fรผr den Kern ihrer medizinischen und pharmazeutischen Tรคtigkeit nutzen.
Stefan Seyler ist Direktor und Leiter der Regionalfiliale Mรผnchen der Deutschen Apotheker- und รrztebank.

