Derzeit werden rund 61 Prozent der Kartenzahlungen im Euro-Währungsgebiet von nicht-europäischen Zahlungssystemen abgewickelt. Dreizehn Länder im Euroraum beziehen sich laut einer Pressemitteilung der Europäischen Zentralbank (EZB) von Februar 2025 sogar vollständig auf internationale Kartensysteme. Das, so scheint es, wird sich in den nächsten Jahren ändern. Anfang dieser Woche unterzeichneten führende europäische Zahlungsdienstleister gemeinsam mit der EPI Company (EPI) eine Absichtserklärung. Bis 2027 sollen grenzüberschreitende Zahlungen unkompliziert und ohne Probleme ermöglicht werden.
Damit wird eine Wendung in der Autonomie des europäischen Zahlungsverkehrs angestoßen: Mit der Absichtserklärung und Zielsetzung wollen europäische Banken und Zahlungsdienstleister ihre Marktreichweite sowie notwendige Infrastruktur beweisen und somit eine wettbewerbsfähige Alternative bereitstellen. Im Jahr 2026 sollen Peer-to-Peer (P2P) grenzüberschreitende Zahlungen eingeführt werden, 2027 soll die Einführung von E-Commerce- und Point-of-Sale-Zahlungen (POS) folgen.
Souveräne europäische Zahlungslösung
Die Zahlungsanbieter sind Teil der European Payments Alliance (EuroPA); das Ziel des Verbandes ist die Entwicklung einer einheitlichen europäischen Zahlungslösung. Gemeinsam mit EPI wird nun eine souveräne europäische Zahlungslösung gewährleistet, die auf bestehenden, bewiesenen Lösungen basiert.
- Bancomat ist mit über 2,7 Milliarden Transaktionen pro Jahr im Wert von rund 200 Milliarden Euro ein beliebtes Zahlungsnetzwerk in Italien.
- Bizum kann Ende 2025 mehr als 30,6 Millionen Nutzer und 111.000 Händler aufweisen. Im Jahr 2025 wurden über Bizum täglich mehr als 3,4 Millionen Sofortüberweisungen in Spanien abgewickelt.
- MB WAY, das beliebteste Zahlungsmittel in Portugal, war die erste Lösung für Sofortüberweisungen in der Eurozone und ist bis heute mit mehr als 15 Funktionen die umfassendste.
- Vipps MobilePay startete in Norwegen, Dänemark und Finnland, Schweden folgte im Jahr 2024. Der Zahlungsdienstleister bedient rund 12,5 Millionen Nutzer und fast 400.000 Unternehmen in den nordischen Ländern. Vipps (Norwegen, Schweden) und MobilePay (Dänemark, Finnland) haben sich 2022 zusammengeschlossen.
- EPI (European Payments Initiative) wurde von 16 europäischen Banken und Zahlungsdienstleistern als Anteilseigner gegründet. Über die Anteilseigner hinaus sind mittlerweile 41 Institutionen in Europa Mitglieder der EPI. Das gemeinsame Ziel ist es, allen europäischen Händlern und Bürgern mit Wero einen einheitlichen mobilen Zahlungsdienst anzubieten.
Die Zusammenarbeit baut auf dem Erfolg bereits etablierter Lösungen auf und verbindet sie über eine zentrale Plattform, um grenzüberschreitende Zahlungen in Europa zu ermöglichen. Die bestehenden Zahlungslösungen bleiben unverändert. Die Lösungen bedienen aktuell rund 130 Millionen Nutzerinnen und Nutzer – ein direkter Mehrwert wird so für Verbraucher, aber auch für Händler, die grenzüberschreitend aktiv sind, geschaffen.
Zu Beginn wird die Initiative in 13 europäischen Ländern (Andorra, Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Portugal, Spanien und Schweden) aktiv sein und so bereits circa 72 Prozent der Bevölkerung der EU sowie Norwegens erreichen. Auch andere europäische Länder, etwa die Schweiz, können sich der Koalition anschließen.
Maria Scherban absolvierte ihr redaktionelles Volontariat beim BANKINGCLUB und arbeitet seit Mitte 2025 als Redakteurin. Zuvor schloss sie ihren Master of Arts an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn ab.
