Donnerstag, 05. Mรคrz 2026
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Corona-Hilfen aus Holz

Der โ€œSchwarze Donnerstagโ€ am 24. Oktober 1929 lรคutete die Weltwirtschaftskrise ein. Daraufhin brach das Bankensystem zusammen. Fรผr die Bevรถlkerung wurde es immer schwieriger, an Kredite zu kommen oder Geld von von Banken zu erhalten. Daher kam man im Stรคdtchen Tenino im US-Bundesstaat Washington auf die Idee, selbst Banknoten zu drucken โ€“ und zwar auf dรผnnem Holz.

Solche kreativen Lรถsungen wurden in vielen Teilen der USA umgesetzt. In Crescent City, Kalifornien, etwa machte man aus Muschelschalen 10-Cent-Noten. Doch die hรถlzernen Banknoten aus Tenino waren die einzigen, die auch von offizieller Seite akzeptiert wurden.

Das erste โ€œHolzgeldโ€ wurde im Januar 1932 ausgegeben. Gedruckt wurde es auf Zedernholz, das der Herausgeber der Lokalzeitung โ€œTenino Independentโ€ von einem reisenden Hรคndler erworben hatte.

Fรผr den Druck wurde die Presse der Zeitung verwendet. Rund 10.000 Dollar sollen so gedruckt und in Umlauf gebracht worden sein. Um sich vor Betrug und Falschgeld abzusichern, wurden die hรถlzernen Noten mit drei verschiedenen Tintenstiften von Hand signiert.

Tenino-Dollar erlebt zweite Blรผtezeit

Nach รผberstandener Weltwirtschaftskrise, wurde der Druck eingestellt. Das machte die Banknoten zu begehrten Sammlerstรผcken. Vereinzelt wurden auch Sammler-Noten zu speziellen Feierlichkeiten der Stadt oder als Souvenirs angefertigt. Heute werden diese allerdings von einem externen Unternehmen mit moderner Laser-Technologie hergestellt.

Die ursprรผngliche Presse des โ€œTenino Independentโ€ wurde nicht mehr zum Gelddrucken verwendet. Sie landete als Ausstellungsstรผck im Stadtmuseum โ€“ zumindest bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie. Denn auch in dieser โ€œJahrhundertkriseโ€ wissen sich die Bรผrger der Kleinstadt zu helfen und drucken erneut ihr eigenes Geld.

Die Stadtverwaltung habe viele Anrufe von Geschรคften erhalten, die nicht wรผssten, ob sie die Krise รผberstehen kรถnnen. Darum habe man kurzerhand beschlossen, den Umsatzeinbrรผchen durch das Drucken von eigenem Geld entgegenzuwirken, sagte der Bรผrgermeister Wayne Fournier. Die Stadt gewรคhrt jedem der 1.800 Bรผrger bis zu 300 โ€œTenino-Dollarโ€ im Monat.

Wie schon zur Zeit der groรŸen Depression wird auch wรคhrend der Corona-Pandemie das Geld auf Holz gedruckt. Auf den Scheinen findet sich neben einer Abbildung des Prรคsidenten und Grรผndervater George Washington auch der Satz โ€œHabemus autem sub potestateโ€, zu Deutsch โ€œWir haben es unter Kontrolle.โ€ Um die Kontrolle รผber die โ€œCovid Reliefโ€-Noten zu behalten, dรผrfen sie nur im Wirtschaftskreislauf der Kleinstadt verwendet oder gegen regulรคre Dollar-Scheine eingetauscht werden. AuรŸerhalb der Stadtgrenzen ist das Holzgeld wertlos.

Bรผrgermeister Fournier hofft, dass sich die Idee im ganzen Land verbreitet: โ€žWenn sich das organisch im ganzen Land ausbreitet, kรถnnte es dabei helfen, uns vor einer ernsten Rezession zu bewahren.โ€œ Auch in Zeiten der Pandemie stellt Tenino erneut seine Krisenfestigkeit unter Beweis und zeigt, dass es mit seinem Geld aus Holz nicht auf dem Holzweg ist.

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