Die Konsolidierung im italienischen Bankensektor gewinnt weiter an Dynamik: Die Großbank Intesa Sanpaolo hat ein Übernahmeangebot für die Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) im Volumen von 30,6 Milliarden Euro vorgelegt. Mit der Transaktion würde eines der größten Geldinstitute Europas entstehen.
Nach Angaben von Intesa Sanpaolo würde die fusionierte Bank mit einer Börsenbewertung von rund 126 Milliarden Euro gemessen an der Marktkapitalisierung zur zweitwertvollsten Bank der Eurozone nach der spanischen Santander aufsteigen. Zudem strebt das Institut für das Jahr 2029 einen Nettogewinn von 16 Milliarden Euro an. Zum Vergleich: Die zusammengerechneten Gewinne beider Banken beliefen sich 2025 auf 13,6 Milliarden Euro.
Um kartellrechtlichen Auflagen vorzugreifen, hat Intesa Sanpaolo nach eigenen Angaben bereits eine Vereinbarung mit dem Versicherer Unipol getroffen. Demnach sollen die Marke Monte dei Paschi sowie rund 635 Filialen und die für deren Betrieb notwendigen zentralen Funktionen für 3 bis 3,5 Milliarden Euro veräußert werden. Intesa würde zugleich rund 625 Filialen, das von Mediobanca übernommene Investmentbanking-Geschäft und den Großteil der Erträge des fusionierten Instituts behalten.
Monte dei Paschi: Vom Staatsrettungsfall zum Übernahmeziel
Die traditionsreiche Bank aus der Toskana blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Nachdem Monte dei Paschi infolge der europäischen Bankenkrise in Schieflage geraten war, wurde das Institut 2017 vom italienischen Staat gerettet. Zwischen 2023 und 2024 zog sich der Staat schrittweise wieder zurück und privatisierte die Bank. Spätestens mit der Übernahme der Investmentbank Mediobanca im Jahr 2025 rückte Monte dei Paschi wieder in den Mittelpunkt der Konsolidierung des italienischen Bankensektors.
An den Märkten wird daher bereits über einen möglichen Bieterwettstreit spekuliert. Die Aktie von Monte dei Paschi legte daraufhin zeitweise um mehr als elf Prozent zu. Während die Papiere von Intesa Sanpaolo rund vier Prozent nachgaben, verlor Banco BPM leicht. Die Aktie der BPER Banca gewann dagegen etwa fünf Prozent.
Die Transaktion würde zu den größten Bankenübernahmen Europas der vergangenen Jahre zählen. Gleichzeitig rücken weitere Konsolidierungsvorhaben in den Fokus, darunter die Ambitionen der italienischen Großbank UniCredit bei der Commerzbank. Die aktuellen Entwicklungen nähren damit die Diskussion über eine stärkere Konsolidierung des europäischen Bankensektors.


