Finanzbildung beginnt in vielen Familien zu Hause, doch wie sicher fühlen sich Eltern selbst im Umgang mit Geld und Geldanlage? Dieser Frage geht das aktuelle Anlegerbarometer von Union Investment nach. Für die repräsentative forsa-Studie wurden mehr als 1.000 Eltern mit minderjährigen Kindern zu ihrem Sparverhalten, ihrem Finanzwissen und dem Umgang mit finanzieller Bildung in der Familie befragt. Das Ergebnis: Obwohl Geld in den meisten Familien kein Tabuthema mehr ist, sehen viele Eltern beim eigenen Finanzwissen Nachholbedarf.
Viele Eltern sehen Defizite beim eigenen Finanzwissen
Obwohl Geld in vielen Familien regelmäßig thematisiert wird, fühlen sich zahlreiche Eltern beim Thema Finanzen selbst nicht ausreichend vorbereitet. Lediglich 29 Prozent bewerten ihr Finanzwissen als gut oder sehr gut. Fast ebenso viele (27 Prozent) halten ihre Kenntnisse lediglich für ausreichend, mangelhaft oder sogar ungenügend.
Auffällig sind dabei die Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Während 39 Prozent der Väter ihre Finanzkenntnisse positiv einschätzen, sind es bei den Müttern lediglich 17 Prozent. Umgekehrt bewerten 38 Prozent der Mütter ihr Wissen nur als ausreichend bis ungenügend, bei den Vätern liegt dieser Wert bei 18 Prozent.
Auch bei einzelnen Finanzthemen zeigt sich Nachholbedarf. Zwar fühlen sich 85 Prozent der Befragten beim Verwalten der eigenen Einnahmen und Ausgaben sicher, doch bei Themen wie Rendite, Versicherungen oder vermögenswirksamen Leistungen bewertet sich lediglich gut ein Drittel als gut oder sehr gut informiert.
Finanzbildung beginnt aus Sicht der Eltern in der Familie
Trotz dieser Unsicherheit sehen die meisten Eltern die Verantwortung für Finanzbildung klar bei sich selbst. 90 Prozent sind der Ansicht, dass Finanzwissen vor allem in der Familie vermittelt werden sollte. Auch Schulen spielen aus Sicht vieler Befragter eine wichtige Rolle (77 Prozent). Finanzberater, Verbraucherorganisationen oder Medien werden dagegen deutlich seltener als zentrale Vermittler genannt.
Fast neun von zehn Eltern sprechen bereits mit ihren Kindern über Geld. Anlass dafür sind vor allem Einkäufe (92 Prozent), das Taschengeld (74 Prozent) oder größere Anschaffungen (67 Prozent). Über Geldanlagen wird hingegen deutlich seltener gesprochen (43 Prozent). Mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) empfindet es zudem als große Herausforderung, Kindern einen guten Umgang mit Geld zu vermitteln.
Unabhängig vom eigenen Finanzwissen sparen 70 Prozent der Eltern regelmäßig Geld für ihre Kinder. Weitere 15 Prozent legen zumindest gelegentlich Geld zurück. Am häufigsten werden jährlich zwischen 500 und 750 Euro gespart, knapp jeder fünfte Elternteil legt sogar 1.500 Euro oder mehr pro Jahr zurück. Die wichtigsten Sparziele sind der Führerschein (45 Prozent) sowie Ausbildung oder Studium (43 Prozent). Für die Altersvorsorge der Kinder sparen dagegen bislang lediglich 13 Prozent der Befragten.
Investmentfonds sind die bevorzugte Sparform
Beim Vermögensaufbau setzen Eltern am häufigsten auf Investmentfonds. Mehr als jeder Zweite (55 Prozent) nutzt diese Form der Geldanlage für seine Kinder. Dahinter folgen das Sparbuch (39 Prozent) und das Tagesgeldkonto (22 Prozent). Mit Blick auf die von der Bundesregierung geplante Frühstart-Rente sieht Union Investment die Chance, Familien früher an Themen wie Geldanlage und langfristigen Vermögensaufbau heranzuführen. Die Studie zeigt allerdings auch, dass die Bekanntheit des Konzepts bislang gering ist: Lediglich 30 Prozent der befragten Eltern haben bereits von dem Vorhaben gehört.
Die Ergebnisse verdeutlichen zugleich die Bedeutung der Banken für die finanzielle Bildung junger Menschen. Mit dem ersten Girokonto kommen viele Kinder und Jugendliche erstmals mit einer Bank in Kontakt. Dieser frühe Berührungspunkt bietet Kreditinstituten die Chance, über klassische Kontoprodukte hinaus Finanzwissen zu vermitteln und junge Menschen an Themen wie Sparen, Geldanlage und langfristigen Vermögensaufbau heranzuführen.

