Freitag, 17. April 2026
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Peanuts

Zwischen dem, was finanziert werden soll und dem, der es finanzieren will, stand frรผher eine Bank.

Seit einer Woche sammelt die Crowdfunding-Plattform Kickstarter nun auch in Deutschland Geld in Euro ein. Unternehmenย  stellen dort ihre Projekte vor und finanzieren mit der Crowd die Produktion der ersten Produkte. Von vielen Projekten gibt es Marketingvideos und vielleicht einen Prototyp. Mehr nicht. Geld indes flieรŸt reichlich. So sammelt der Apple-Uhr Konkurrent Pepple schlappe 20 Millionen Dollar ein und kann so aus einer Idee ein Produkt in den Markt einfรผhren. Das klappt so gut, dass das Update der Uhr wieder รผber Kickstarter finanziert wird.
Und genau hier wird die Krux fรผr unsere Branche deutlich. Sollen die jungen Wilden doch bei Venture Capital Unternehmen, Business Angeln und eben auch auf diesen Crowd-Gewรคchsen ihr erstes Geld einsammeln, dann kรถnnen wir Banken in der Hochrisikophase erst gemรผtlich zusehen. Wenn die Unternehmen dann groรŸ und erwachsen sind, Sicherheiten stellen kรถnnen und nicht so genau auf den Zinssatz schauen, dann kommt mal unser Firmenkundenberater vorbei und zeigt dem Grรผnder wie richtiges Banking funktioniert.
Am Beispiel Pepple sieht man jedoch wir es in Zukunft laufen kรถnnte. Erste Finanzierung mit der Crowd, Anschlussfinanzierung mit der Crowd, immer Crowd. Da bleibt fรผr โ€žBankโ€œ nicht viel รผbrig. Bei wem jetzt der Reflex der zahlentechnischen Bedeutungslosigkeit anzieht, sollte sich die Wachstumsraten ansehen. Geschรคtze 1,5 Milliarden Dollar wurden 2011 mittels Crowdfunding eingesammelt. Peanuts. Aber schon 2014 waren es รผber 16 Milliarden. In Europa kommt das Geschรคft mit der investierenden Masse erst jetzt so langsam in Fahrt. Nachdem nach vielen Korrekturen am 23. April das Kleinanleger das Kleinanlegergesetz beschlossen wurde, gibt es jetzt zumindest einen rechtlichen rahmen. Nachbesserungsbedarf besteht, alleine die Anhebung der Investitionsgrenze von einer auf zweieinhalb Millionen ist ein erster Schritt.
Das Fatale am Erfolg mit der Crowd-Finanzierung ist nicht nur der Konditionierungseffekt bei den Kreditsuchenden, in Zukunft die mรผhsamen Rating- und Sicherheitengesprรคche in der Bank zu umgehen. Wo ein Kreditsuchender ist, sind in der Crowd Tausende Anleger, die schon lange keine Lust mehr auf langweile Tagesgelder mit der Tendenz zum Negativzins haben. Aktivkunde weg, Passivkunde weg.

Thorsten Hahn, Jahrgang 1967, ist Herausgeber der BANKINGNEWS und Grรผnder des BANKINGCLUB. In seinem Editorial โ€žQuer durch die Bankโ€œ bezieht er regelmรครŸig zu den Themen Stellung, die die Welt der Finanzen bewegen.

Der Profinetzwerker zรคhlt auf Plattformen wie XING und Linkedin zu den Nutzern mit der besten Vernetzung in die Finanzbranche. Wie kein Zweiter versteht er dieses Netzwerk zu nutzen und auch anderen zugรคnglich zu machen.

AuรŸerdem ist der erfahrene Banker und Diplom-Kaufmann Autor verschiedener Fachbรผcher und Buchbeitrรคge.

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