Freitag, 17. April 2026
0,00 €

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Mobile Payment nimmt Fahrt auf – Doch kommen Banken hinterher?

Der Siegeszug des Mobile-Payment ist nicht mehr aufzuhalten. Das Marktvolumen alleine fรผr Bezahl-Apps wird auf รผber eine Milliarde Euro jรคhrlich geschรคtzt. Banken haben diesen Markt komplett anderen รผberlassen.

Es ist noch nicht lange her, seit Apple mit seinem Bezahlsystem Pay die Welt der Finanzdienstleister in Aufruhr versetzte. Nun hat die Konkurrenz nachgezogen: Auf dem Mobile World Congress in Barcelona Anfang Mรคrz stellten sowohl Samsung als auch Google ihre Plรคne vor. Der โ€žkreativenโ€œ Namensgebung von Apple folgend tauft Samsung seinen im Sommer in den USA und Sรผdkorea startenden Bezahldienst ebenfalls schlicht โ€žPayโ€œ. Google arbeitet an einer Plattform, die allen Herstellern von Gerรคten mit einem Android-Betriebssystem die Integration eines Bezahldienstes erlauben soll. โ€žAndroid Payโ€œ soll es heiรŸen. Auch andere Big Player bringen sich in Stellung: Der Bezahldienst PayPal kaufte jรผngst den Dienstleister Paydiant, der eine Bezahlplattform fรผr Wal-Mart und andere US-Einzelhรคndler betreibt. Und neben Apple, Google, PayPal oder Samsung wollen nicht zuletzt dutzende kleinere FinTechs ihre Zahlungssysteme als Standard etablieren. Doch welche Rolle spielen die deutschen Kreditinstitute? Die Bankenlandschaft sieht sich zusehends unter Druck und es drรคngt sich die Frage auf: Kommen die Banken beim Mobile Payment noch hinterher?

Man darf auf Kooperationsbereitschaft gespannt sein

Es wird Zeit, den Finger in die Wunde zu legen: In der Vergangenheit waren sich deutsche Banken selten einig. Statt einheitliche Ansรคtze zu verfolgen und gemeinsam zukunftsfรคhige Bezahlsysteme zu entwickeln, wurden lediglich Insellรถsungen geschaffen. In vielen Fรคllen waren und sind diese zudem noch am Kundenbedรผrfnis vorbei entwickelt. Auf echte Innovationen warten Bankkunden hierzulande bis heute. In den USA kooperieren inzwischen 80% der wichtigsten Banken mit Apple Pay und partizipieren zumindest indirekt an einem erfolgsversprechenden Mobile Payment-Modell.ย  Sie erlauben Apple Zugriff auf ihre herausgegebenen Kreditkarten und die Bankkunden kรถnnen entscheiden, ob sie ihre Kreditkarte der Apple Wallet hinzufรผgen. Da Apple Pay und Android Pay aller Voraussicht nach gegen Ende dieses Jahres auch in Europa starten, darf man schon heute gespannt sein, wie die Kooperationsbereitschaft vor allem der deutschen Banken aussehen wird.

Mobile Payment ist Milliardengeschรคft

Zu lange wurde Mobile Payment in Deutschland als nettes Zusatzangebot gesehen, nicht als das, was es eigentlich ist: ein Milliardengeschรคft. Nach Schรคtzungen des Marktforschungsunternehmens Forrester Research werden schon in vier Jahren allein in den USA Zahlungen von rund 142 Milliarden Dollar รผber mobile Gerรคte abgewickelt. Dies wรผrde knapp eine Verdreifachung des jetzigen Volumens bedeuten. In Deutschland wird von den zรถgernden Kreditinstituten noch immer auf die fehlende, doch fรผr den massenfรคhigen Markt benรถtigte Infrastruktur stationรคrer Akzeptanzstellen verwiesen. Zudem wird den deutschen Kunden nachgesagt, sich ohnehin nicht vom Bargeld oder der Giro-Karte trennen zu wollen. Eine Studie von PwC aus dem letzten Jahr lรคsst jedoch erahnen, dass auch hierzulande Mobile Payment mittel- und langfristig nicht aufzuhalten ist. Fรผr 2020 rechnen die Wirtschaftsprรผfer mit einer Kundenbasis fรผr mobile Bezahlsysteme von rund 11 Mio. Deutschen. Das Marktvolumen fรผr Bezahl-Apps wird pro Jahr auf rund 1 Milliarde Euro geschรคtzt.

Mobile Payment muss einen Mehrwert bieten

Da die Banken das Thema Mobile Payment zu lange verschlafen haben, kรถnnen andere Unternehmen nun ihren Entwicklungsvorsprung nutzen: Von Internetriesen รผber Kreditkarten-Netzwerke bis zu Mobilfunkern oder Startups. Vor allem FinTechs wie cashcloud haben schnell verstanden, dass es nicht reicht, beim Bezahlen einfach nur das Bargeld oder die Karte durch das Smartphone zu ersetzen. Mobile Payment muss den Kunden einen Mehrwert bieten! Vielversprechend ist hier die sogenannte Mobile Wallet oder eWallet, die mehrere Service-Angebote in einem virtuellen Geldbeutel zusammengefasst. Mit cashcloud kรถnnen Nutzer in Onlineshops und an der Ladentheke bezahlen sowie ihren Freunden einfach Geld senden. Zudem kรถnnen in die App Kaufempfehlungen, Coupons oder Cashback-Aktionen integriert werden, die dann wiederum den Gang zum Hรคndler anstoรŸen sollen. Gerade diese Zusatznutzen, die รผber die einfache Bezahlfunktion hinausgehen, werden am Ende auch hierzulande Kunden und Hรคndler restlos von Mobile Payment รผberzeugen.

Fรผr Banken ist der Zug abgefahren

Doch was ist mit den Banken? Mit ihren vorhandenen Infrastrukturen und Zahlungsdienstleistungen kรถnnen sie theoretisch einen wesentlichen Beitrag zur Digitalisierung leisten. Voraussetzung dafรผr sind jedoch nicht in erster Linie neue Produkte oder Kommunikationswege, sondern eine grundsรคtzliche Neuorientierung. Es gilt bestehende Geschรคftsmodelle und Wertschรถpfungsketten mit ganzer Konsequenz in das digitale Zeitalter, in digitale Anwendungen und Instrumente zu รผberfรผhren. Erst dann wird ein volldigitalisiertes Retailbanking mit zeitgemรครŸen Finanzprodukten mรถglich. Fรผr eine fรผhrende Rolle im Mobile Payment kรถnnte ein solches Umdenken allerdings schon zu spรคt kommen. Insgesamt fehlt es auch an einer europรคischen Strategie und Zusammenarbeit der Banken. Im Vergleich zu den USA, wo die groรŸen Netzwerke Mastercard, Visa und Amex geboren und weltweit gewachsen sind, gibt es selbst Antworten aus Japan (JCB) und nun auch China (UnionPay). Europa hat es versรคumt, ein eigenes Kredit- und Debitkarten-Netzwerk zu kreieren. Der Siegeszug der US-Firmen insbesondere im digitalen Zahlungsmarkt scheint uneinholbar.

Bildnachweis: scanrail via istockphoto.de

Olaf Taupitz war von 2012 bis 2016 Geschรคftsfรผhrer und Head of Product & Innovation bei der Cashcloud Gruppe. Aktuelle Tรคtigkeit TBA.

Neuste Artikel
Bleiben Sie informiert
Einmal pro Woche informieren wir Sie รผber die neusten & wichtigsten Artikel auf BANKINGCLUB.de und รผber aktuelle Events. Fรผr die Anmeldung reicht Ihre Mailadresse und natรผrlich kรถnnen Sie sich von diesem Verteiler jederzeit abmelden.