Freitag, 17. April 2026
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Bankenkernsanierung leicht gemacht

Die Vergabe von Girokonten oder auch kurz- und langfristigen Krediten sowie die Vermittlung unterschiedlicher Anlagelรถsungen fรผr Privatkunden und Unternehmen prรคgten jahrzehntelang die Kundenbeziehung klassischer Banken. Die Rollenverteilung war klar: Kunden kamen in die nรคchstgelegene Bankfiliale und lieรŸen sich beraten. Diese Zeiten sind nun vorbei.

Banken haben heute immer mehr mit Regulierung und strategischen MaรŸnahmen zu kรคmpfen. Aber das ist nicht das einzige Problem. Hinzu kommt noch ein zusรคtzlicher Akteur, der um die Gunst der Kunden kรคmpft. Dieser Akteur ist einer, fรผr den die Kunden nicht extra in die Filiale kommen mรผssen; einer, der die Sprache des Kunden versteht und die Angebote der Banken einfacher zugรคnglich, verstรคndlich und unkomplizierter macht; einer der auf die Kundenbedรผrfnisse besser eingeht und zeitgemรครŸe Mittel anwendet, um diese zu bedienen.

Fintechs wรผhlen die Branche auf

FinTech heiรŸt dieser Akteur, der aus dem verstaubten Zahlungsverkehr Mobile Payment macht, der aus veralteter Kreditvergabe Crowdlending entwickelt und aus klassischen Anlageformen das Social Trading erfunden hat. Und dieser Akteur entwickelt sich in einem eigenen ร–kosystem rasant voran. Startups in Berlin, Kรถln, Frankfurt und Mรผnchen formieren sich. Investoren schielen auf das groรŸe Potenzial dieser jungen Unternehmen und pumpen jede Menge Geld in deren Ideen. Professionell ausgerichtete Veranstaltungen und ein regelmรครŸiger Austausch untereinander lassen zudem vermeintliche Probleme meist zu gar keinen werden. So entsteht Wachstum und das in einem atemberaubenden Tempo, mit dem traditionelle Banken nicht mithalten kรถnnen beziehungsweise es zumindest versuchen. Onlinebroker und Direktbanken wie die Comdirect oder auch die Consorsbank setzen alle Hebel in Bewegung, um sich diesem Tempo anzuschlieรŸen. Auch wenn das โ€žSchaufensterโ€œ rundum erneuert wird und kostspielige Werbung versucht, dies den Verbrauchern nahezubringen, darf doch nicht vergessen werden, dass die technologische Kernsanierung im Hintergrund erst am Anfang steht. Ganze IT-Systeme mรผssen getauscht, neue aufgesetzt und implementiert werden. ZeitgemรครŸes Personal, das mehr als Java und Grundlagen-HTML programmieren kann, muss gefunden und eingestellt werden, ohne dabei die alten Programmierer zu entlassen, denn nur diese kennen die bestehenden Systeme und Prozesse. Alles Investitionen, die Banken in Zeiten geringerer Margen und erhรถhtem regulatorischem Aufwand zusรคtzlich schmerzt. Denn neben diesen grundlegenden Verรคnderungen mรผssen sich diese weiter auf ihr Kerngeschรคft konzentrieren und Geld verdienen. Und das wird mit Sicherheit fรผr jede Bank die grรถรŸte Herausforderung. Es ist ein Wettrennen gegen die Zeit, denn neben diesen grundlegenden Verรคnderungen mรผssen Banken sich weiter auf ihr Kerngeschรคft konzentrieren.

Startups als Chance begreifen

Aus diesem Grund ist jede Bank gut beraten, FinTechs nicht als Konkurrenten, sondern als Chance im Kampf gegen die Zeit und gegen andere Wettbewerber zu sehen. Traditionelle Banken mรผssen mit den jungen Unternehmen zusammenarbeiten, kollaborieren oder sie sogar aufkaufen und in die eigenen Systeme integrieren. Dies spart nicht nur Zeit, Geld und die Suche nach fรคhigem IT-Personal, das nicht zu Google, Apple und Co. mรถchte, sondern wird eine Investition sein, die bestehende Kunden zufrieden macht und neue Kunden anzieht. Beinah in jedem Geschรคftsbereich kรถnnen sich Banken aus unterschiedlichen Lรถsungen bedienen und ihr eigenes Angebot durch die Integration von Startups ausbauen und verbessern.

Beispiele aus der Praxis

Hierzu zรคhlt zum Beispiel die soziale Finanz-App Lendstar aus Mรผnchen welche gemeinsames Zahlen und Chatten unter Freunden ermรถglicht. Oder Numbers26, die das klassische Girokonto komplett durch das Smartphone ersetzen kรถnnten. Doch auch in weitaus komplexeren Themengebieten kรถnnen Startups den Banken bereits interessante Technologien bieten. Wรคhrend sich Decimo aus Berlin auf die Automatisierung der Rechnungsstellung von Selbststรคndigen konzentriert liegt der Fokus der Automatisierung bei dwins aus Bonn auf einem mรถglichst unkomplizierten Kontowechsel. Und Cashboard legt das Geld von Privatanlegern voll automatisiert an und spart Kunden bis zu einem bestimmten Volumen den Bankberatern. Fรผr Anleger, die ihr Geld immer noch selbst in dir Hand nehmen, bietet VOOLA eine Suchtechnologie mit der Investoren kinderleicht aus รผber 1.000.000 Wertpapiere die passende Anlage am Kapitalmarkt finden kรถnnen. Das alles ist Technologie, die den Banken in den eigenen Angeboten nicht nur einen Wettbewerbsvorteil bringen wรผrde, sondern auch Bestandskunden zufrieden stellen und neue Kunden anlocken sowie die technologische Kernsanierung vereinfachen wird.

Bildnachweis: Vicente Garcรญa Marรญn de Es via istockphoto.de

Thomas Mรผller ist Co-Founder von Voola und verantwortlich fรผr das Business Development.

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