Freitag, 24. April 2026
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Anti-Fraud-Roundtable: Gemeinsam gegen Betrug 

Am 21. April fand in Frankfurt der Anti-Fraud-Roundtable des BANKINGCLUB statt. In ausgewählter Runde kamen Expertinnen und Experten zusammen, um sich über die Betrugsprävention im Finanzsektor auszutauschen.  

Ziel des bereits zum zweiten Mal stattfindenden Anti-Fraud-Roundtables am 21. April war es, aktuelle Entwicklungen in der Betrugsbekämpfung gemeinsam zu diskutieren und Praxiserfahrungen auszutauschen. Die exklusive Expertenrunde besprach sowohl regulatorische Fragestellungen als auch konkrete Betrugsmuster und Präventionsansätze. Ein wiederkehrendes Thema war die politische Dimension der Geldwäschebekämpfung. Die Teilnehmenden stellten fest, dass aktuelle Maßnahmen häufig eher Symptome adressieren als Ursachen. Statt präventiver Ansätze liege der Fokus vielfach auf der nachgelagerten Bearbeitung von Verdachtsmeldungen. Dies werfe grundsätzliche Fragen nach der Wirksamkeit bestehender Strukturen auf. 

Im operativen Bereich rückten sowohl neue als auch bereits bekannte Betrugsformen wie der Chargeback-Betrug in den Mittelpunkt. Deutlich wurde, dass je nach Konstellation unterschiedliche Akteure geschädigt werden können – von Banken über Händler bis hin zu Kundinnen und Kunden. Diese Komplexität erschwert nicht nur die Aufklärung, sondern auch die klare Zuordnung von Haftung. Gerade die Haftungsfrage wurde intensiv diskutiert: In Fällen, in denen sich Betrüger als Bankmitarbeitende ausgeben, haften häufig die Institute. Gleichzeitig verfügen Banken jedoch nicht über die gleichen Mittel wie die Täter. Daraus ergibt sich ein Spannungsfeld zwischen Verbraucherschutz und Eigenverantwortung. Die zentrale Frage: Ist es sinnvoll, Bürgerinnen und Bürger stärker zu schützen – oder sollte mehr auf deren Mündigkeit gesetzt werden? Und welche regulatorischen Voraussetzungen bräuchte es, damit Banken wirksamer eingreifen können? 

Austausch ist essenziell 

Einigkeit bestand darüber, dass technologische Entwicklungen, insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz, den Wettbewerb zwischen Banken zunehmend beeinflussen könnten. Gleichzeitig wurde hinterfragt, ob der „Sieg“ im Kampf gegen Betrug tatsächlich von der besseren Technologie abhängt oder ob strukturelle Faktoren wie Zusammenarbeit entscheidender sind. Der Austausch zwischen Banken wurde dabei als essenziell für eine effektive Betrugsbekämpfung bewertet, auch wenn dieser teilweise im Spannungsfeld zu Wettbewerbsinteressen zu stehen scheint. Internationale Beispiele wie Australien zeigen, dass koordinierte Maßnahmen Wirkung entfalten können: Dort führte verstärktes gemeinsames Handeln der Banken zu einem messbaren Rückgang von Betrugsfällen. Ob ein solches Modell auch in Deutschland umsetzbar ist, blieb in der Diskussionsrunde eine offene Frage. 

Darüber hinaus wurde die Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit zwischen Banken, Politik und Strafverfolgungsbehörden betont. Ein zentrales Problem: Betrugsfälle werden nach wie vor zu selten angezeigt. Diskutiert wurde daher die Idee einer zentralen Meldestelle, die Vorfälle bündelt und auswertbar macht – auch wenn föderale Strukturen hier Herausforderungen mit sich bringen. 

Neben strukturellen Themen stach auch die Rolle der Kundinnen und Kunden hervor. Finanzielle Bildung und „Financial Wellbeing“ wurden als entscheidende Hebel identifiziert, um insbesondere kleineren Betrugsformen entgegenzuwirken. Denn gerade im Bereich des Kleinstbetrugs fehlt häufig das Unrechtsbewusstsein oder die Angst vor Konsequenzen. 

Technisch wurden bestehende Verfahren wie Video-Ident kritisch hinterfragt: Sie vermitteln Sicherheit, sind jedoch nicht zwangsläufig robuster gegenüber Missbrauch, wie etwa durch sogenannte „Money Mules“. Gleichzeitig entstehen neue Ansätze entlang der Wertschöpfungskette: So beobachten beispielsweise Netzwerke wie EBA Clearing Zahlungsströme nach Betrugsfällen und spielen entsprechende Informationen an beteiligte Banken zurück – Stichwort FPAD. Auch Telekommunikationsanbieter bieten zunehmend Lösungen wie Geoblocking an, um Betrugsrisiken zu reduzieren. 

Die zukünftige Gestaltung des Anti-Fraud-Roundtables 

Abschließend richtete sich der Blick in die Zukunft des Formats. Ziel weiterer Roundtables soll es sein, den Austausch zu vertiefen und gezielt weitere Akteure einzubinden – etwa Polizei, Ermittlungsbehörden oder Registerstellen. Auch der strukturierte Austausch zu Betrugstypologien sowie die Einbindung externer Dienstleister und neuer Technologien wurden als vielversprechende Ansätze identifiziert. Konzepte wie „FRAML“, die Fraud- und AML-Themen zusammenführen, könnten dabei eine wichtige Rolle spielen. 

Die Runde war sich einig: Der Kampf gegen Betrug erfordert mehr als einzelne Maßnahmen. Entscheidend sind vernetzte Ansätze, ein offener Austausch und die Bereitschaft, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen. Formate wie der Anti-Fraud-Roundtable bieten dafür eine wichtige Grundlage. 

Margaretha Müller absolviert seit Oktober 2024 ein redaktionelles Volontariat beim BANKINGCLUB. Ihren Bachelor in Philosophie und Geschichte schloss sie an der Universität Trier ab.

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