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E-Commerce-Tag Offenburg

Hauptveranstalter des E-Commerce-Tags am 17. Februar 2016 war die ibi Research an der Universitรคt Regensburg GmbH. Das Institut betreibt Forschung und Beratung zum Thema Finanzdienstleistungen. Dr. Georg Wittmann (Foto l.o.) ist Research Director bei ibi research. Er forscht und berรคt im Bereich der digitalen Transformation mit den Schwerpunkten B2C- und B2B-E-Commerce sowie E-Payment, E-Finance, Online- und Social-Media-Marketing. Der Dipl.-Kfm. ist auรŸerdem Projektleiter der vom Bundesministerium fรผr Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefรถrderten Mittelstand 4.0-Agentur Handel.

BANKINGNEWS: Welches Konzept stand hinter dem E-Commerce-Tag in Offenburg?

Georg Wittmann (ibi research): Der E-Commerce-Tag in Offenburg stand ganz im Zeichen der zunehmenden Digitalisierung des elektronischen Handels. Dabei ging es nicht nur um technische Lรถsungskonzepte, sondern auch um organisatorische Aspekte, die den E-Commerce bzw. den Handel generell auszeichnen. Durch verschiedene Formate und eine Bandbreite an Themen, wie Marketing, Payment oder auch die Nutzung von Marktplรคtzen, wollten wir so viele Interessenten wie mรถglich abholen und an diesem Tag zusammenfรผhren. Ziel war es, den Teilnehmern der Veranstaltung aufzuzeigen, wie man die Chancen der Digitalisierung durch geeignete Strategien nutzen kann โ€“ unabhรคngig davon, ob es sich um ein groรŸes oder ein kleines Unternehmen handelt.

โ€žDie Volksbank als Multiplikatorโ€œ

Warum war es wichtig fรผr Sie, ein Kreditinstitut als Mitveranstalter an Bord zu haben?

Mit der Volksbank Offenburg hatten wir auf der einen Seite einen sehr guten Multiplikator aus der Region mit an Bord und zum anderen ein sehr innovatives Kreditinstitut, dass sich auch schon seit lรคngerem mit der Digitalisierung im Allgemeinen und im Speziellen mit den Chancen und Herausforderungen des Handels beschรคftigt. Zudem ist es immer wieder sehr spannend, auch die Banking- und Paymentthemen in diesem Kontext zu betrachten.

Welche Vorteile ergeben sich durch die Kooperation zwischen Forschungseinrichtungen, Hochschulen, Banken und Dienstleistern?

Der E-Commerce-Tag stellt eine innovative Plattform dar, bei der sich Teilnehmer aus den genannten Institutionen und Organisationen direkt und unkompliziert austauschen kรถnnen. Bei der Vielzahl an Vortrรคgen ist es sehr interessant, E-Commerce-Themen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachtet: Banken und Dienstleister sehen beispielsweise andere Erfolgsfaktoren fรผr den Online-Handel als Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Zudem wollten wir den regionalen Akteuren auch die Chance geben, ihr Netzwerk zu zeigen und zu erweitern.

โ€žDie Banken dรผrfen den Kundenkontakt nicht verlierenโ€œ

Welche Risiken und Chancen fรผr die Zukunft des E-Commerce, vor allem fรผr die Finanzbranche, haben sich auf dem Kongress herauskristallisiert?

Der Zahlungsverkehr, jahrelang eine Domรคne der Banken und Sparkassen, wird von vielen Hรคndlern nicht mehr bei diesen gesehen, sondern viel mehr bei spezialisierten Unternehmen wie Payment Service Providern oder direkt bei Zahlulngsverfahrensanbietern wie PayPal, Klarna oder auch Mastercard und VISA. Hier mรผssen die Banken besonders aufpassen, dass sie nicht den Kundenkontakt sowie die Ertrรคge aus diesem Geschรคft verlieren. Zudem haben diese Ertrรคge in den letzten Jahren aufgrund der aktuellen Zinssituation wieder an Attraktivitรคt gewonnen.

Sind weitere Veranstaltungen dieser Art in anderen Regionen Deutschlands geplant?

Der E-Commerce-Tag wird jรคhrlich in verschiedenen deutschen Stรคdten stattfinden. Die nรคchsten Veranstaltungen finden am 15.06. in Mannheim und am 27.10.16 in Regensburg statt.
Die Hochschule Offenburg war als Teilnehmerin auf dem E-Commerce-Tag vertreten. Sie kooperiert u.a. mitย  der Volksbank in der E-Com-Region Ortenau. Prof. Dr. Winfried Lieber (Foto l.u.) ist seit 1996 Rektor der Hochschule Offenburg. Seit 2004 sitzt er im Vorstand der Rektorenkonferenz der Hochschulen fรผr Angewandte Wissenschaften in Baden-Wรผrttemberg und seit 2007 im Senat der Hochschulrektorenkonferenz. Nach dem Studium der Elektrotechnik promovierte er zum Dr.-Ing. Bis 1992 arbeitete er im Unternehmensbereich ร–ffentliche Kommunikationsnetze der Siemens AG. Prof. Dr. Thomas Breyer-Maylรคnder (Foto r.u.) ist Professor fรผr Medienmanagement und Prorektor fรผr Marketing und Organisationsentwicklung an der Hochschule Offenburg. Der Dipl.-Wirt-Ing. (FH) und Dipl.-Inf.-Wiss. hat im Bereich Medienรถkonomie promoviert und war vor seiner Hochschultรคtigkeit Referent beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger in Bonn und zuletzt Geschรคftsfรผhrer der Zeitungs Marketing Gesellschaft in Frankfurt.

BANKINGNEWS: Die Hochschule Offenburg bietet ab dem Sommersemester 2016 einen Masterstudiengang โ€žDialogmarketing und E-Commerceโ€œ an. Warum ist es fรผr mich als Bank sinnvoll, einen Absolventen dieses Fachs einzustellen?

Winfried Lieber (Hochschule Offenburg): Die Transformation der Geschรคftsmodelle im Bankensektor wird sich im Rahmen der Digitalisierung weiter beschleunigen. Auch deshalb ist der Bereich Dialogmarketing und E-Commerce zunehmend in den Fokus der Banken gerรผckt. Die Zielgruppenansprache im Rahmen des Dialogmarketings ist bereits heute fester Bestandteil beim Einsatz und der Nutzung verschiedener Kanalstrukturen von einer Multi-Channel- bis hin zu Omni-Channel-Strategien. Diese Kompetenzen sind in der klassischen Bank nicht oder nur unzureichend vertreten.

Welchen Praxisbezug bietet der Studiengang konkret?

Thomas Breyer-Maylรคnder (Hochschule Offenburg):ย  Entsprechend dem Profil einer Hochschule fรผr Angewandte Wissenschaften zeichnen sich unsere Studiengรคnge durch eine hohe berufliche Relevanz aus, das heiรŸt die Gewichtung von Wissenschafts-, Anwendungs- und Praxisbezug folgen einer starken Arbeitsmarktrelevanz mit internationalen Standards. Dies gilt ganz besonders auch fรผr den Studiengang โ€žDialogmarketing und E-Commerceโ€œ, der bereits zu Beginn von unterschiedlichen Firmen aus der Praxis begleitet wurde, die sich zur โ€žE-Com Region Ortenauโ€œ zusammengefunden hatten. Neben Praxisprojekten in der Lehre sorgen vor allem die Abschlussarbeiten in Kooperation mit den Unternehmen fรผr eine besondere Praxisnรคhe.

โ€žVerzahnung des Studiums mit der Praxisโ€œ

Wie profitieren die Studierenden von der Kooperation mit der Volksbank?

W.L.: Ein wichtiger Baustein zur Gestaltung von Studienumfeld und der Curriculum-entwicklung ist eine enge Verzahnung mit dem Beschรคftigungssystem. In diesem Sinn profitieren unsere Studierenden grundsรคtzlich von der engen Verzahnung der Volksbank Offenburg mit der Hochschule. So war der Vorstandsvorsitzende Markus Dauber als Vertreter der Berufspraxis Mitglied beim Konzept-Audit, in dem das Curriculum auf praktische Erfordernisse abgeprรผft wurde. Des Weiteren stellt die Volksbank durch Beispielfรคlle oder konkreten Themenstellungen in Projektarbeiten und Abschlussarbeiten eine starke Vermittlung von Praxiserfahrung und Schlรผsselkompetenzen sicher, die eng mit der geforderten groรŸen Berufsqualifizierung verflochten ist.

โ€žDas Masterstudium als berufsbegleitende Weiterbildung und Neuausrichtungโ€œ

Ist der Masterstudiengang auch als Weiterbildungsmรถglichkeit fรผr Bankmitarbeiter interessant, die schon lรคnger im Beruf sind?

T.B.M.: Der Studiengang eignet sich insbesondere fรผr die Neuausrichtung von Mitarbeitern auf neue Arbeits- und Verfahrensweisen, das heiรŸt die Planung, Konzeption und Umsetzung von Digitalisierungsprojekten. Kรผnftig werden zunehmend IT- und E-Commerce-Kompetenzen fรผr die flexible Weiterentwicklung von Arbeitsgebieten erforderlich sein.

Bietet Ihre Hochschule auรŸerdem berufsbegleitende Weiterbildungen an, um Bankmitarbeiter auf die Herausforderungen der digitalen Transformation vorzubereiten?

W.L.: Wir bieten รผber das hochschuleigene Institut fรผr Wissenschaftliche Weiterbildung (IWW) Zertifikatskurse fรผr Einzelthemen. Im Bereich der Masterstudiengรคnge ist der Parttime Master of Business Administration (MBA) fรผr die Zielgruppe der Banker interessant, die im Bereich General Management Vertiefungsmรถglichkeiten in den Bereichen Change, Geschรคftsmodelle,ย  App-Entwicklung etc. nutzen kรถnnen. Dabei wird auch dem Umstand Rechnung getragen, dass Digitalisierungsprojekte sehr starke Fรผhrungs- und Managementkomponenten haben.

Die Volksbank Offenburg agierte als Mitveranstalter und diskutierte in Person von Markus Dauber (Foto r.o.) รผber die Herausforderungen an den E-Commerce-Mitarbeiter der Zukunft. In der โ€žE-Com-Region Ortenauโ€œ kooperiert die Bank auรŸerdem mit Unternehmen und der Hochschule Offenburg, um den Standort attraktiv zu gestalten und Mitarbeiter zu fรถrden. Markus Dauber ist Vorstandsvorsitzender der Volksbank Offenburg. AuรŸerdem sitzt er in mehreren Kommissionen und Beirรคten der Genossenschaftsbanken und deren Verbรคnden, im Kuratorium der Hochschule Offenburg sowie im Aufsichtsrat der Wirtschaftsregion Offenburg-Ortenau. Der Dipl.-Kfm. absolvierte ein weiteres Studium zum MBA mit Schwerpunkt Financial Services Industry. Dauber agiert zudem als Referent an der Akademie Deutscher Genossenschaften.

BANKINGNEWS: Was waren die Beweggrรผnde fรผr die Volksbank, als Mitveranstalter des E-Commerce-Tags zu agieren?

Markus Dauber (Volksbank Offenburg): Die Volksbank Offenburg ist mit ihren Tochterunternehmen (First Cash Solution Vertriebs-GmbH, POS-Cash-Service GmbH, SanitasCard GmbH) einer der grรถรŸten Anbieter von Acquiring- und Netzbetriebsleistungen im stationรคren, aber auch im E-Commerce-Geschรคft. Sie ist innerhalb der genossenschaftlichen Finanzgruppe sowie im gesamten deutschsprachigen Raum erfolgreich tรคtig. Von daher sind wir tief in dieser Industrie vernetzt. Auf der anderen Seite sind wir regionale Hausbank und Partner sehr erfolgreicher Unternehmen, die im E-Commerce-Geschรคft einen oder den Vertriebswegย  betreiben. Gemeinsam mit unseren Partnern (Wirtschaftsregion Ortenau (WRO), Printus, Burda-Digital, RSB, EDEKA-Sรผdwest, Stadt Offenburg sowie der Hochschule Offenburg) sind wir Initiator und Mitbegrรผnder des Netzwerkes โ€žE-Com-Region Ortenauโ€œ. Gemeinsam wollen wir sowohl auf das E-Com-Cluster in der Ortenau aufmerksam machen, aber insbesondere auch in enger Zusammenarbeit mit der Hochschule Offenburg qualifizierte, junge Menschen akademisch ausbilden und bei Top-Arbeitgebern in der Ortenau eine Perspektive geben. Die Ortenau bietet exzellente Mรถglichkeiten in einer der lebenswertesten Regionen Deutschlands!

โ€žWir brauchen Menschen und keine EDV-Nerdsโ€œ

Auf dem Kongress wurde folgende Frage gestellt: โ€žDer E-Commerce-Mitarbeiter der Zukunft โ€“ was braucht er und wo gibtโ€™s ihn?โ€œ Welche Antworten konnten Sie erarbeiten?

Ganz generell gilt, dass die beste Antwort auf die Digitalisierung eine lebenslange Qualifizierung ist. So kรถnnen Berufsausbildung und/oder Studium nur die Startaufstellung in eine erfolgreiche Karriere sein. Erfolgreich wird sein, wer sich und sein Wissen exzellent mit Kollegen und anderen Kompetenzen vernetzen kann. Wer begeistert statt รคngstlich den Chancen der Digitalisierung begegnet. Hierzu bedarf es einer hohen Kommunikationsfรคhigkeit und Bereitschaft fรผr den interdisziplinรคren โ€“ auch unternehmensรผbergreifenden โ€“ Dialog. Fรผr die Digitalisierung brauchen wir Menschen und keine EDV-Nerds.

โ€žWir nutzen die Schwarmintelligenz unserer Organisationโ€œ

Wie bereiten Sie Ihre eigenen Mitarbeiter auf diese Herausforderungen vor? Haben Sie spezielle Weiterbildungsprogramme?

Wir binden Mitarbeiter sehr konkret in die Unternehmensentwicklung ein und rufen bewusst interdisziplinรคr die vielschichtigen Kompetenzen unserer Mitarbeiter ab. Wir nutzen ganz bewusst und sehr systematisch die Schwarmintelligenz unserer eigenen Organisation. Selbstverstรคndlich gibt es auch Schulungsangebote fรผr unsere eigenen Systeme und Anwendungen. Wir erwarten aber insbesondere, dass sich unsere Mitarbeiter fรผr unsere digitalen Angebote, Instrumente, Apps etc. genauso interessieren wie unsere Kunden.

Wie kann Ihr Haus von der Kooperation mit der Hochschule Offenburg und regionalen Unternehmen profitieren?

Die Kooperation dient beiden โ€“ Unternehmen und Hochschule. Ich selbst bin als Kurator tief in der Hochschule vernetzt. Wir selbst stellen Stipendien bereit, laden regelmรครŸig Studierende zu Exkursionen in unsere Bank ein und halten Vortrรคge โ€žaus der Praxis fรผr die Praxisโ€œย  im Rahmen der Vorlesungen. Wir als Bank profitieren natรผrlich davon, dass wir den Zugang zu den qualifizierten jungen Menschen (er)halten und uns als innovativer und attraktiver Arbeitgeber oder auch kรผnftiger Bank- bzw. Geschรคftspartner positionieren. Aber auch kulturell passiert doch einiges, wenn wir die Dynamik und die Power der jungen Menschen zu uns einladen โ€“ im vermeintlichen โ€žold economy-bankingโ€œ. Die Selbstverstรคndlichkeit im Umgang mit der Verรคnderung und den jungen Menschen macht Lust auf Zukunft!

Vertrauen Sie im E-Commerce auf die hauseigene Innovationskraft oder sehen Sie Kooperationen z.B. mit Fintechs als notwendig an, um den Bedรผrfnissen der Kunden in Zukunft gerecht zu werden?

Ich verwende gerne den Begriff der โ€ždynamischen Netzwerkeโ€œ und wรผrde die Zusammenarbeit gar nicht allein auf die Fintechs beschrรคnken wollen, sondern ganz bewusst auch โ€žetablierteโ€œ Unternehmen mit in diesen Gedanken einbeziehen.

โ€žWir brauchen stabile Partnerโ€œ

Das Zusammenspiel โ€žBankโ€œ und โ€žFintechโ€œ beinhaltet eher substitutive Elemente โ€“ der Gedanke der โ€ždynamischen Netzwerkeโ€œ dagegen eher Mehrwert-/Nutzengenerierung fรผr Kunde, Bank und Netzwerkpartner. Wir erweitern den Kooperationsgedanken damit deutlich. Was wir brauchen, sind โ€žstabile Partnerโ€œ! Es gibt aber nur sehr wenige Fintechs, die eine auch nur annรคhernd ausreichende wirtschaftliche Basis schaffen, die eine strategische Zusammenarbeit ermรถglicht. Oft sind sie sehr in ihre eigenen technischen Lรถsungen verliebt und verlieren meist den Blick fรผr die Kunden sowie deren Zahlungsbereitschaft und gefรคhrden nicht selten dadurch auch die Zukunftsfรคhigkeit ihrer eigenen Unternehmen. Vom โ€ždrauflegenโ€œ kรถnnen auch diese Unternehmen nicht dauerhaft leben โ€“ Venture Capital hin oder her!

Philipp Scherber war von Januar 2016 bis Oktober 2019 Redakteur bei BANKINGNEWS und bekleidete anderthalb Jahre die Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Wรคhrend seines Studiums der Geschichte und Medienwissenschaft sammelte er praktische Erfahrungen im TV- und Online-Journalismus. An der Universitรคt zu Kรถln verantwortete er von 2012 bis 2016 das Online-Rezensionsjournal www.lesepunkte.de.

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