Mittwoch, 20. Mai 2026

EZB-Bericht: Steigende Energiepreise dämpfen Wachstum im Euroraum

Steigende Energiepreise, schwächere Wachstumsaussichten und zunehmender Druck auf Lieferketten: Der aktuelle EZB-Wirtschaftsbericht sieht erste deutliche Bremsen für die Konjunktur im Euroraum. Die Notenbank hält dennoch an ihrem Kurs fest und belässt die Leitzinsen unverändert.

Der aktuelle Wirtschaftsbericht der Europäischen Zentralbank zeichnet das Bild einer Weltwirtschaft, die sich trotz zunehmender Belastungen weiterhin vergleichsweise robust zeigt. Zugleich mehren sich laut EZB die Anzeichen einer konjunkturellen Abschwächung. Vor allem die Folgen des Kriegs im Nahen Osten dürften über steigende Energiepreise, sinkendes Vertrauen und schwächere Wachstumsaussichten zunehmend auf die Weltwirtschaft durchschlagen.

Besonders betroffen seien energieimportierende Länder wie Japan, Südkorea und Indien. Die verringerten Energieexporte aus der Golfregion belasteten energieintensive Branchen, während erste Anspannungen bei Lieferzeiten und Preisen sichtbar würden. Die direkten Auswirkungen auf den Welthandel blieben bislang allerdings begrenzt.

Schwächeres Wachstum im Euroraum

Im Euroraum hat sich das Wirtschaftswachstum zu Jahresbeginn weiter abgeschwächt. Laut Eurostat stieg das reale BIP im ersten Quartal 2026 nur noch um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Während Spanien mit 0,6 Prozent ein vergleichsweise starkes Wachstum verzeichnete, legte die Wirtschaftsleistung in Deutschland um 0,3 Prozent zu. In Frankreich stagnierte die Wirtschaft hingegen.

Auch die Stimmung im Euroraum trübte sich nach Einschätzung der EZB ein. Der Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleistungen fiel im März und April unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Besonders der Dienstleistungssektor verlor an Dynamik. Zugleich verschärften sich die Lieferkettenprobleme erneut. Unternehmen warnten laut Bericht insbesondere vor möglichen Engpässen bei Rohöl und rohölbasierten Vorprodukten.

Der Arbeitsmarkt zeigte sich zwar weiterhin stabil, allerdings nahm die Nachfrage nach Arbeitskräften allmählich ab. Die Arbeitslosenquote lag im März mit 6,2 Prozent dennoch weiterhin in der Nähe ihres historischen Tiefstands.

Inflationsdruck steigt erneut

Belastet wird die Wirtschaft im Euroraum zudem durch US-Zölle, den Wettbewerbsdruck aus China sowie steigende Energiepreise. Das Volumen der Warenausfuhren aus dem Euroraum sank im Februar im Dreimonatsvergleich um 3,4 Prozent. Besonders energieintensive Branchen gerieten dadurch zunehmend unter Druck. Zugleich nimmt infolge der steigenden Energiepreise auch der Inflationsdruck wieder zu.

Auch die Inflation im Euroraum beschleunigte sich im April 2026 erneut. Die jährliche Gesamtinflation stieg von 2,6 Prozent im März auf 3,0 Prozent. Die zugrunde liegenden Inflationsindikatoren blieben hingegen weitgehend stabil. Gleichzeitig deutet sich bei den Arbeitskosten eine weitere Abschwächung des Lohndrucks an.

Vor diesem Hintergrund beließ der EZB-Rat die drei Leitzinsen auf seiner Sitzung am 30. April 2026 unverändert. Die Notenbank bekräftigte ihren datenabhängigen Kurs und erklärte, die Geldpolitik weiterhin so auszurichten, dass sich die Inflation mittelfristig beim Zielwert von zwei Prozent stabilisiert.

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