Autor: Thomas Fischer
Euro: 19,99
330 Seiten, gebunden
IBAN: 978-3-426-27685-3
Droemer
Von Philipp Scherber
Seit Januar 2015 verfasst Thomas Fischer eine wรถchentlich erscheinende Kolumne auf zeit-online. Dort kommentiert der Bundesrichter die Zusammenhรคnge zwischen Strafrecht und aktuellen politischen und gesellschaftlichen Phรคnomenen. Ob Terrorismus, Flรผchtlingskrise oder das Gewaltmonopol des Staates: Fischers Beitrรคge sind vielfach sehr erhellend, zumeist aber auch sehr frustrierend. Durch gleichsam originelle wie quรคlende Vergleiche bleibt neben dem Genuss der unterhaltenden Formulierung auch der bittere Beigeschmack der brutalen Realitรคt.
โHilfmittel der Jurisprudenz ist die Spracheโ
In einem sehr lesenswerten Vorwort diskutiert der Autor die Lage der รถffentlichen Kommunikation รผber das Strafrecht und die Aufgaben und Nicht-Aufgaben von Juristen. Die Vermittlung von Sachkenntnis nennt er als essentielle Voraussetzung fรผr eine Teilhabe am juristischen Diskurs und daher auch als Hauptaufgabe seiner Texte. Dabei veranschlagt er fรผr sein Werk nicht, als Lehrbuch herhalten zu kรถnnen, und bezeichnet seine Beitrรคge als โschlaglichtartig, assoziativ und subjektiv.โ Aber sollte ein Bundesrichter sich von diesen Attributen nicht tunlichst fernhalten? Als Vorsitzender eines Prozesses sicher. In der รถffentlichen Debatte ist es ihm jedoch gestattet, eine Meinung zu haben und diese auch zu kommunizieren.
โKein Empรถrungsbuchโ
Die vier groรen Abschnitte des Buchs befassen sich jeweils mit den Zusammenhรคngen zwischen Recht und Politik, Freiheit, Gesetz(gebung) und Richtern. Nicht selten geht es hierbei auch um Begrifflichkeiten und deren Wirkungen. Fรผr die รffentlichkeit macht es einen groรen Unterschied in ihrer Wahrnehmung, ob der Staat gegen Missstรคnde und Verbrechen lediglich juristisch vorgeht oder ob er einen Krieg gegen Terrorismus, Geldwรคsche oder Korruption ausruft. Auรerdem besteht eine hohe Verunsicherung in der Zuweisung von Schuld und Verantwortung, sobald ein Sachverhalt grรถรere Dimensionen erhรคlt. Ein Totschlag mit Augenzeugen ist leichter zu beurteilen als die Kausalitรคten der Finanzkrise.
โStrafrecht umfasst die gesamte gesellschaftliche Wirklichkeitโ
Was hat das vorliegende Buch zum Strafrecht mit der Bankbranche zu tun? Nichts โ und alles. Bรถse Zungen wรผrden bemerken, dass sich in trauriger Regelmรครigkeit Banker vom Schalter bis in die Fรผhrungsetagen vor Gerichten zu verantworten haben. Sollte sich der Leser nun an die noch immer laufenden Verfahren gegen Breuer, Ackermann, Fitschen und Co. erinnert fรผhlen, ist dies weder beabsichtigt noch zufรคllig, sondern unvermeidlich. Doch auch ganz abseits dieser medienwirksamen Prozesse gegen Top-Manager kรถnnen die Ausfรผhrungen Fischers โ wenn schon nicht zu einem Umdenken โ so doch zumindest zu einem Nachdenken fรผhren. Einem Nachdenken vor allem รผber eine rechtliche und gesellschaftliche Verantwortung, die nicht am eigenen Gartenzaun, am Bankschalter oder an der Tรผr des Vorstandsbรผros endet. Denn wozu das รbertreten und auch schon das Ausdehnen von Regularien bis zur Grenze des Erlaubten fรผhren, hat uns die Finanzkrise mit all ihren weltwirtschaftlichen und sozialen Folgeerscheinungen deutlich vor Augen gefรผhrt.
Philipp Scherber war von Januar 2016 bis Oktober 2019 Redakteur bei BANKINGNEWS und bekleidete anderthalb Jahre die Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Wรคhrend seines Studiums der Geschichte und Medienwissenschaft sammelte er praktische Erfahrungen im TV- und Online-Journalismus. An der Universitรคt zu Kรถln verantwortete er von 2012 bis 2016 das Online-Rezensionsjournal www.lesepunkte.de.

