Die Forderungen der Glรคubiger aus beantragten Unternehmensinsolvenzen beliefen sich nach Angaben der Amtsgerichte in den ersten sechs Monaten 2017 auf mehr als neun Milliarden Euro. Auch wenn die Ursachen einer Insolvenz meist vielschichtig sind, so ist die Zahlungsunfรคhigkeit doch hรคufig auf Management-Fehler zurรผckzufรผhren: Eine Umfrage unter Insolvenzverwaltern (Quelle: Euler Hermes und Zentrum fรผr Insolvenz und Sanierung/Universitรคt Mannheim) ergab, dass fehlendes Controlling (79 Prozent Zustimmung), Finanzierungslรผcken (76 Prozent Zustimmung) und unzureichendes Debitorenmanagement (64 Prozent Zustimmung) die meist genannten Insolvenzursachen sind.
Alle drei Faktoren in Summe bestรคtigen damit die fehlende Liquiditรคtssteuerung als Hauptgrund fรผr die Insolvenz. Das professionelle Finanzmanagement ist daher in jedem Unternehmen, egal welcher Grรถรe, von hรถchster Bedeutung. Im Mittelpunkt sollte, gerade fรผr verarbeitende Unternehmen und Hรคndler, die Optimierung des Working Capital stehen. Unter Working Capital versteht man die Differenz aus Umlaufvermรถgen und kurzfristigen Verbindlichkeiten. Ist das Ergebnis positiv, heiรt dies, dass Umlaufvermรถgen (oder ein groรer Teil davon) mit langfristig zugรคnglichem Kapital finanziert wird. Ein negatives Ergebnis bedeutet, dass das Umlaufvermรถgen nicht ausreicht, um alle kurzfristigen Verbindlichkeiten auszugleichen. Als wichtige Controlling-Kennzahl sollten Unternehmen deshalb immer das Working Capital im Blick haben und laufend optimieren.
Damit lassen sich bereits viele Insolvenzursachen im Keim ersticken, gerade auch, weil der Markt immer mehr Finanzierungsoptionen anbietet, auch jenseits des Bankkredites. Diese Optionen, wie zum Beispiel Factoring oder das Warenstreckengeschรคft โ neudeutsch โFinetradingโ genannt โ sind bestens geeignet, das Working Capital professionell zu managen. Im Gegensatz zur anglo-amerikanischen Geschรคftswelt steckt das sogenannte โTrade Financeโ in Form von Finetrading in Kontinentaleuropa das Volumen betreffend allerdings noch in den Kinderschuhen.
Finetrading bringt kurzfristig Liquiditรคt โ zusรคtzlich zur Hausbank-Linie
Dabei bietet sich gerade das Finetrading an, Working Capital langfristig sicher aufzustellen, stellt es doch kurzfristige Liquiditรคt fรผr Einkauf, Lagerhaltung und Absatzfรถrderung bereit: Als unternehmerischer Partner und Zwischenhรคndler รผbernimmt der Fintrader bis zu 100 Prozent des Beschaffungsvolumens. Der Finetrader erwirbt also die Waren fรผr den Hรคndler beim Lieferanten und rรคumt dem Hรคndler dann ein Zahlungsziel fรผr den Weiterverkauf ein. รber die durch den Finetrader bereitgestellte Einkaufslinie kann das Unternehmen flexibel Bestellungen abwickeln. Zusรคtzliche Auftrรคge kรถnnen damit ohne Liquiditรคtsverlust bearbeitet werden und Bestandteile des Lagers so kurzfristig in Liquiditรคt umgewandelt werden.
Damit lรคsst sich gerade bei Unternehmen, die bei hohem Rohertrag rasch wachsen (z.B. Fashion- oder Spielzeughรคndler, aber auch Maschinenbauer) das Working Capital optimieren. Speziell in diesen Bereichen wirken moderne Warenstreckengeschรคfte am effektivsten โ neben den herkรถmmlichen Finanzierungslรถsungen wie beispielsweise Banklinien oder Forderungsverkauf. Die Vorteile einer Einkaufs- und Absatzfinanzierung fรผr den Hersteller beziehungsweise Hรคndler sind folgende:
1. Mit der zusรคtzlichen Liquiditรคt kรถnnen beim Lieferanten Skonti gezogen werden.
2. Die Beziehung zu den Lieferanten verfestigt sich durch Mehrabnahme und Mehrauslastung.
3. Das externe Rating (etwa รผber Euler Hermes) der Kunden verbessert sich.
4. Bilanzkennziffern (etwa Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen versus Bankverbindlichkeiten) kรถnnen optimiert werden.
Auswahl der Partner muss รผberlegt sein
Mit der Einkaufsfinanzierung lรคsst sich darรผber hinaus eine vorausschauende Finanzplanung umsetzen und alternative Liquiditรคtsquellen erschlieรen, bevor ausgeschรถpfte Banklinien und hohe kurzfristige Lieferantenforderungen das weitere Wachstum hemmen oder die Zahlungsunfรคhigkeit droht. Da Finetrading ein relativ junger Markt ist, gilt es fรผr Unternehmen, bei der Auswahl der Partner auf einige Kriterien zu achten, zum Beispiel bei der Art der Refinanzierung: Es ist beispielsweise von Vorteil, wenn der Finetrader dabei auf Eigenmittel zurรผckgreifen kann und nicht รผber Warenkreditversicherungen refinanzieren muss.
Christian Mangold betreut als Mitglied der Geschรคftsleitung der Masterpayment GmbH verschiedene Lรถsungen der Marke MASTERTRADING.

