Hinter dem Pseudonym Jonathan McMillan verbergen sich zwei Autoren: Der eine ist Dr. Jรผrg Mรผller, Wirtschaftsredakteur bei der Neuen Zรผrcher Zeitung und promovierter รkonom. Der andere ist โfรผr eine internationale Groรbankโ tรคtig, sein Name bleibt ungenannt. Dies ist bereits ein Indiz fรผr den radikalen Ansatz von โDas Ende der Bankenโ. Denn die Autoren fordern nicht weniger als die Abschaffung des Bankwesens in seiner heutigen Form. Unter den Kollegen in der Bank hรถchstwahrscheinlich ein nicht sonderlich populรคrer Standpunkt.
Das Bankwesen ist ein โunkontrollierbares Monsterโ
Das Buch ist sowohl fรผr Laien als auch fรผr Branchenexperten geeignet. Fรผr erstere fasst es zunรคchst die Funktionsweise des Kreditwesens auf verstรคndliche Art und Weise zusammen. Im zweiten Teil beleuchten die Autoren die Genese des Schattenbanksektors sowie Entstehung, Ablauf und Folgen der Finanzkrise von 2007/08. Diese sei nicht hauptsรคchlich durch habgierige Banker hervorgerufen worden, sondern die โunausweichliche Folge des Bankwesens im Digitalzeitalterโ gewesen. Die Informationstechnologien hรคtten dazu gefรผhrt, dass die Regulierung immer leichter unterlaufen werden konnte, und auch die Baseler Reformwerke konnten nicht adรคquat auf diese Entwicklung reagieren.
Der dritte und letzte Teil macht โDas Ende der Bankenโ schlieรlich zu einem wirklich relevanten Diskursbeitrag. Denn hier werden Vorschlรคge fรผr die Umgestaltung eines Finanzsystems fรผr das Digitalzeitalter formuliert. Einer dieser Vorschlรคge ist die Einfรผhrung einer โsystemischen Solvenzregelโ, welche das Abgrenzungsproblem, also die Unterscheidung zwischen Banken und Nicht-Banken, durch ihre Allgemeingรผltigkeit lรถsen kรถnne, ohne das Handeln von Nicht-Banken einzuschrรคnken. Gleichzeitig wรผrden sich die Kosten fรผr Regulierungsbehรถrden erheblich verringern.
Die Rolle der รถffentlichen Hand und der Geldpolitik mรผsse in einem kรผnftigen Szenario neu definiert werden, da Bankenaufsicht, Bankenrettungen sowie die Unterscheidung zwischen Auรen- und Innengeld nicht mehr existent seien. In diesem Zusammenhang plรคdieren die Autoren fรผr den รbergang zu einer Digitalwรคhrung: โIn einem Finanzsystem fรผr das Digitalzeitalter hat physisches Geld keinen Platz.โ Darรผber hinaus wird die Einfรผhrung eines bedingungslosen, aber dynamischen Einkommens zur Sicherung von Preisstabilitรคt gefordert. Einen weiteren Schritt stelle die private Organisation von Kredit dar. Die Vision sieht also eine klare Trennung zwischen รถffentlichem und privatem Sektor vor, bei der ersterer die Organisation von Geld und letzterer die Organisation von Kredit รผbernimmt.
โDer Status quo ist keine Option mehrโ
Die Autoren sagen voraus, dass die รbergangsphase, welche im Buch nicht weiter ausgefรผhrt wird, mit deutlichen Anstrengungen und Herausforderungen gespickt sein werde. Dennoch sei die radikale Reform ohne Alternative. EZB-Vizeprรคsident Vรญtor Constรขncio bezeichnete das Werk als eine โinteressante und herausfordernde Visionโ. Und in der Tat sind die formulierten Forderungen es wert, von Politik, Finanzinstituten und Gesellschaft konstruktiv diskutiert zu werden.
- Titel: Das Ende der Banken
- Autor: Jonathan McMillan
- Preis: 29,80 โฌ
- Seiten: 304, gebunden
- ISBN: 978-3-593-50841-2
- Verlag: Campus
Philipp Scherber war von Januar 2016 bis Oktober 2019 Redakteur bei BANKINGNEWS und bekleidete anderthalb Jahre die Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Wรคhrend seines Studiums der Geschichte und Medienwissenschaft sammelte er praktische Erfahrungen im TV- und Online-Journalismus. An der Universitรคt zu Kรถln verantwortete er von 2012 bis 2016 das Online-Rezensionsjournal www.lesepunkte.de.

