Dienstag, 17. Mรคrz 2026
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So funktioniert das Open Banking der Hypothekarbank Lenzburg

Im vergangenen Mai hat die Hypothekarbank Lenzburg ein Projekt lanciert, das fรผr die Schweiz Pioniercharakter hat. Im Zentrum steht die Kernbankenapplikation Finstar, die mit einer offenen Schnittstelle โ€“ einem sogenannten Open Application Programming Interface oder kurz: Open API โ€“ ergรคnzt wird. Finstar ist eine Eigenentwicklung der Aargauer Universalbank, die 1868 in Lenzburg gegrรผndet wurde und heute an der Schweizer Bรถrse gelistet ist. Finstar wird von der Hypothekarbank Lenzburg und acht weiteren Lizenznehmern aus der Schweiz fรผr den Betrieb des operativen Bankgeschรคfts genutzt.

Die Neo-Version von Finstar kann man sich als ein Netzwerk mit drei Ebenen vorstellen. Im Kern des Netzwerks befindet sich die Core-Banking-Applikation, die รผber eine proprietรคre Schnittstelle mit dem NDGIT-Layer kommuniziert. Gegen auรŸen offen ist der โ€žPublic Accessโ€œ, der quasi die AuรŸenhรผlle des Netzwerks bildet. Zwischen den einzelnen Ebenen findet der Datenaustausch statt: Auf der รคuรŸersten Ebene kรถnnen die Fintech-Unternehmen andocken und Daten mit der NDGIT-Ebene austauschen, die ihnen bankseitig vom Finstar-System zur Verfรผgung gestellt werden.

โ€žFintechs sind agiler und dynamischerโ€œ

Die Spezifikationen hat die Hypothekarbank Lenzburg aktuell noch nicht auf einer fรผr alle zugรคnglichen Internetseite publiziert. Die Codes werden aber auf Anfrage herausgegeben. โ€žWir wollen vor allem in der Testphase genau wissen, wer sich auf unserer Plattform bewegtโ€œ, sagt Marianne Wildi, CEO der Hypothekarbank Lenzburg. Die Chefin der Hypothekarbank Lenzburg gilt in der Schweiz als Wegbereiterin in Sachen Fintech. Nur wenige wรผrden sich der digitalen Herausforderungen so konsequent wie Wildi stellen, urteilte unlรคngst das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) in einem Beitrag der Radiosendung โ€žTrendโ€œ. โ€žFintechs sind im Gegensatz zu Banken agiler und dynamischerโ€œ, sagt Wildi. Es gehe in Zukunft vermehrt um die Interaktion mit dem Kunden. โ€žWir mรผssen auf offene Plattformen, das heiรŸt auf eine IT-Infrastruktur mit offenen Schnittstellen, setzen, um im digitalen Wandel mithalten zu kรถnnenโ€œ, ist die Bankchefin รผberzeugt. Die nun lancierte Plattform basiert auf dem Datenstandard JSON und dem sogenannten Rest-API. Fintech-Unternehmen arbeiten gerne mit diesen Formaten, weil sie einen effizienten Datenaustausch und schlanke Interfaces ermรถglichen. Damit der Informationstransfer funktioniert, mรผssen die Anfragen in der Struktur und der Namensgebung identisch sein mit den Daten, die das Banksystem als Antworten zurรผcksendet.

Diese Prozesse zu standardisieren, ist an und fรผr sich keine hรถhere Mathematik. Banken, Fintech-Unternehmen und Neo-Banken mรผssen sich einfach darauf einigen, welche Felder im Datenaustausch verwendet werden, wie sie heiรŸen und wie sie formatiert sein mรผssen. Die โ€žHypiโ€œ-Plattform ermรถglicht in der Version, wie sie sich Anfang Juni prรคsentiert hat, einen offenen Datenaustausch in den Bereichen Accounts, Money Transfer, Future Orders und Transactions. Gehostet wird die Umgebung in einer Cloud mit Standort Schweiz. Wenn das System nach der Testphase in den echten operativen Betrieb geht, soll es dann wieder โ€žon premiseโ€œ, also im eigenen Datencenter der Hypothekarbank Lenzburg, betrieben werden.

Ein eigener Standard mit โ€žSwiss Finishโ€œ

Auch im digitalen Banking der Zukunft spielen lรคnderspezifische Eigenheiten eine Rolle. So muss die Hypothekarbank Lenzburg ihre Lรถsung des Mรผnchner Open-API-Spezialisten NDGIT nun noch โ€žeinschweizernโ€œ, weil sie auf dem europรคischen Standard basiert, der beispielsweise im Bereich der Zahlungsauftrรคge von den Schweizer Normen abweicht. Die Hypothekarbank Lenzburg entwickelt deshalb in der Testumgebung einen eigenen Standard mit โ€žSwiss Finishโ€œ. โ€žWir werden dazu im nรคchsten Schritt echte Bankdaten auf die neue Umgebung laden, und einzelne von uns speziell selektionierte Fintech-Unternehmen kรถnnen dann die Schnittstellen testen und uns Feedback รผber ihre Erfahrungen und allfรคllige Probleme gebenโ€œ, sagt Pius Stocker, Leiter der Softwareentwicklung bei der Lenzburger Bank

Am Schluss dieser โ€žProof-of-Conceptโ€œ-Phase steht der erste API-Standard der Schweiz. Zudem soll die Technologie und die Testumgebung als sogenannte โ€žSandboxโ€œ dem Branchenverband Swiss Fintech Innovations (SFTI), dem auch die Hypothekarbank Lenzburg angehรถrt, zur Verfรผgung gestellt werden. Die SFTI-Arbeitsgruppe Open API hat sich zum Ziel gesetzt, einen allgemeinen Schnittstellen-Standard fรผr die Schweiz zu definieren.

Marc Fischer, lic. phil. und Journalist BR, ist Leiter Digitale Medien bei der Hypothekarbank Lenzburg.

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