Montag, 20. April 2026
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Tier ist Tier, Mensch ist Mensch

Bei Mitarbeitermotivationen sind Tiervergleiche ein gern und oft benutztes stilistisches Mittel. Hierbei pickt man sich aber nur allzu gerne die Verhaltensweisen aus, die besonders schรถn klingen. Damit verfรคlscht man in eklatanter Art und Weise die Verhaltenspsychologie der Tiere.

Ein Matriarchat als Vorbild?

Gefรผhlt jeder Vertriebscoach zieht mit Vorliebe Analogien zu Tieren. Mitarbeiter mรผssen fleiรŸig sein wie die Ameisen. Ach ja, was kann man nicht alles lernen von diesen kleinen Mitgliedern der groรŸen Familie der Insekten? Sie sind รคuรŸerst effektiv organisiert, jedes Mitglied kennt seine Aufgaben und zusammen sind sie, obwohl sehr klein und schwach, stark wie Lรถwen. Ja, ist in Ordnung, wir haben verstanden. Nur finde ich diese Vergleiche nicht zu Ende gedacht. Jede Gattung hat ihre eigenen Vorlieben und Verhaltensweisen. Bei den Ameisen stehen ausschlieรŸlich Weibchen an der Spitze, die nicht nur ihre starke Stellung innerhalb der Hierarchie mit Gewalt verteidigen, sondern auch, wenn sie an Mangel leiden, Teile ihrer Eier verspeisen. Gut, organisieren wir Firmen wie einen Ameisenstaat. An der Spitze stehen ausnahmslos nur Frauen, die ihre Konkurrentinnen tรถten. Bei Nahrungsmittelmangel, schlachten sie ihre Kinder und machen Gulasch aus ihnen. Sowieso besteht der Sinn und Zweck der Firmen nur darin, die Chefin zur Schwangerschaft zu verleiten. Bei aller Liebe zur Gleichberechtigung โ€“ auch Befรผrworter der Frauenquote dรผrfte bei diesem Gedanken die Nackenhaare zu Berge stehen.

Der Lรถwe in Dir

Aber nicht nur Insekten, auch die bekannten Sรคugetiere mรผssen herhalten. Neuerdings lobt man sogar den Lรถwen und stellt die These auf, das Topmanager und Fรผhrungspersรถnlichkeiten vom Kรถnig des Tierreichs lernen kรถnnen. Was muss man da nicht alles lesen? Der Lรถwe ist Herr in seinem Revier, schont seine Krรคfte und lรคsst andere fรผr sich arbeiten und kรคmpft fรผr sich und sein Rudel. Angeblich sei dies nachahmenswert. Was aber soll der Mensch daraus lernen? Jeder Hobbybiologe weiรŸ, dass die Weibchen jagen, aber dem Alphamรคnnchen das grรถรŸte Stรผck an der Beute lassen mรผssen. Nicht umsonst gibt es in der Umgangssprache den Begriff โ€žLรถwenanteilโ€œ. Auch hier gilt dasselbe wie bei den Ameisen โ€“ Gleichberechtigung sieht anders aus.

AuรŸerdem vollzieht sich ein Machtwechsel innerhalb des Rudels auch nicht nach demokratischen MaรŸstรคben. Wer meint, es mit dem Rudelfรผhrer aufzunehmen, muss ihn tรถten. AnschlieรŸend wird sein Nachwuchs entweder vertrieben oder getรถtet und die Weibchen mรผssen dem neuen starken Mann Kinder gebรคren. Sexuelle Selbstbestimmung wird anders definiert.

Jede Gattung hat ihre eigenen Verhaltensweisen

Jede Gattung hat ihre eigenen MaรŸstรคbe, nach denen eine Gesellschaft funktioniert. Wer Mitarbeiter einer Firma mit Tieranalogien motivieren will, pickt sich nur Einzelteile heraus und verklรคrt sie zu gut funktionierenden sozialen Verhaltensweisen. Aber das bedeutet nicht, dass man vereinzelt welche von ihnen eins zu eins auf den Menschen รผbertragen kann. Auch bei den Tieren muss man alles im Ganzen sehen, und gerade das wird mit einem Vorgehen der Bruchstรผcke nicht erfรผllt. Gleichberechtigung, Partizipation der Mitarbeiter bzw. Untergebenen, sexuelle Selbstbestimmung, Fairness innerhalb einer Hierarchie sind nicht zwingend natรผrlich โ€“ aber wer sagt denn, dass alles Natรผrliche gut ist?

Bildnachweis: Yuri_Arcurs via istockphoto.de

Julian Achleitner war von 2014 bis 2016 Redakteur bei BANKINGNEWS.

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