Sonntag, 22. Mรคrz 2026
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Was ist Geld? Der Geldbegriff der Kreditgeldwirtschaft

โ€žGeld regiert die Welt.โ€œ Diese Worte sind so ziemlich jedem bekannt. Umso erstaunlicher ist es, wie wenig die meisten Menschen รผberhaupt รผber Geld wissen. Worauf basiert das Konzept โ€žGeldโ€œ, wie hat es sich im Laufe der Zeit gewandelt bzw. was war und ist seine Funktion? Diesen Fragen geht Dietrich Eckardt in seiner Abhandlung โ€žWas ist Geld? Der Geldbegriff in der Kreditgeldwirtschaftโ€œ auf den Grund. In seinem Vorwort betont der Autor, dass Geld genauso einem stetigen Wandel ausgesetzt sei wie die Welt an sich. So werde das Geldwesen hier โ€žnicht nur beschrieben, wie es nunmehr ist, sondern darรผber hinaus, wie es in einer gut funktionierenden Finanzwirtschaft sein sollteโ€œ. Das Ziel Eckardts ist es, รผber das โ€žfunktions- und merkmalsbezogene Verstรคndnis von Geld hinauszugehen und dessen Begriffskern freizulegenโ€œ. Was nach einem trockenen Ansatz klingt, entpuppt sich im Verlauf der Lektรผre als spannender Gang durch unsere Kulturgeschichte, in der die Wurzeln fรผr unser heutiges Verstรคndnis von Tausch und Handel liegen.

โ€žDas zahle ich dir heim!โ€œ

Dietrich Eckardt, der รผber eine breit angelegte akademische Ausbildung verfรผgt, will in seinen รœberlegungen โ€ždas Geld der Kreditgeldwirtschaft in seiner Universalitรคtโ€œ darstellen. Und dies schafft er in einer Prรคzision, die seinesgleichen sucht. Von ontologischen Dimensionen, welche die โ€žSeinsweiseโ€œ der Wesensbestandteile des heute umlaufenden Geldes umfassen, รผber Kantโ€™sche Definitionen, bis zu etymologischen Untersuchungen verschiedener Termini, die immer noch dazu dienen, die ursprรผngliche Funktionalitรคt des Konzepts โ€žGeldโ€œ zu verdeutlichen. So ist Bezahlen ein prรคmonetรคres Phรคnomen, denn ursprรผnglich bedeutete der Ausspruch โ€ždas zahle ich dir heimโ€œ nichts anderes als Vergeltung, was heute immer noch der Fall ist.

Versprochen ist versprochen

Bereits zu Beginn der Darstellung der Untersuchungsergebnisse schreibt Eckardt, dass das sich heute im Umlauf befindende Geld ausschlieรŸlich รผber Kredite geschaffen und somit das Geld der Kreditgeldwirtschaft sei. Ein Beispiel gefรคllig? Gegenwรคrtige Noten des britischen Pfunds verweisen heute noch gemรครŸ dem Wortlaut des auf ihnen aufgedruckten Textes auf ein Versprechen, nรคmlich auf das Versprechen der Ausreichung von Sterling-Silber, falls die Note bei der Bank zum Eintausch vorliegt. ร„hnliche Versprechen wiesen frรผhere Dollarnoten sowie Banknoten der Deutschen Reichsbank auf. Englische Banknoten bescheinigten nach Eckardt immer noch eine Schuld; jene, die die Bank von England mit der Emission der Note frรผher einmal eingegangen ist. So findet sich auf ihr die Aufschrift: โ€žI promise to pay the bearer on demand the sum of twenty pounds.โ€œ Die vom Autor als Farce deklarierte Aufschrift findet sich dagegen nicht mehr auf modernen Dollar- oder Euronoten.

Per definitionem

Dietrich Eckardt stellt dem Leser natรผrlich seine favorisierte Gelddefinition vor. Demnach sei das Geld der Kreditgeldwirtschaft die โ€žGesamtheit jener quantitativ bewerteten und symbolisch vergegenstรคndlichten Tilgungsversprechen, die durch das Leistungspotential ihrer Emittenten gedeckt sindโ€œ. Bizarr und monstrรถs findet auch Eckardt diesen Satz, fรผr den die Definition ohne die Beantwortung dieser Fragen eine sinnleere Sentenz und schlichtweg bedeutungslos sei. Deswegen klรคrt er in verstรคndlichen Schritten die grundsรคtzlichen Termini, die zur ErschlieรŸung dieser These vonnรถten sind. Was bedeutet ein Tilgungsversprechen? Was leistet die symbolische Vergegenstรคndlichung von Tilgungsversprechen? Und woher beziehen letztere ihren Wert?

Das Wesen des Geldes

Als relevante Praxis gilt im Allgemeinen der Gรผtertausch. Eckardt kritisiert in diesem Zusammenhang, dass Autoren wie Hajo Riese, Gunnar Heinsohn oder Otto Steiger der Tauschpraxis bei ihren Aufklรคrungen des Phรคnomens so wenig Bedeutung beigemessen hรคtten. Ohne das Verstรคndnis von Geld sei ein Verstรคndnis vom Tausch nicht mรถglich, denn der Tausch sei die Lebensachse einer leistungsteilig organisierten Wirtschaftsgemeinschaft und damit auch deren Geldwirtschaft. Fรผr den Autor stellen Tauschakte gegenlรคufige Transfers von Gรผtern dar, die man auch als bilateralen Tausch verstehen kann, da jede Zahlung โ€žsowohl die รœbertragung eines Gutes als auch der Ausgleich einer Schuldโ€œ sei. Geld aber alleine als Entschuldungsmittel zu sehen, wรคre keine phรคnomen-adรคquate Bestimmung. Es ist nur ein Teil des Geldwesens.

Geld erwรคchst aus Krediten

Wird ein Tausch vollzogen, der aufgrund einer nicht erbrachten Gegenleistung unvollendet bleibt, kreditiert der Tauschpartner eine Gegenlieferung und macht ein Schuldtilgungsversprechen. Versprechen erweisen sich oftmals als seltsame Tauschobjekte. Trotzdem existiert dieser Ablauf auch heute an hรถchster Stelle, denn an die Realisierung von Versprechen glaubende Menschen nennt man โ€žGlรคubigerโ€œ. Das kennt man. Geld bewirke nach Eckardt die eigentliche Bezahlung, sodass man Geld nicht als Kredit erklรคren kรถnne, da eine Kreditierung nur einen Zahlungsaufschub bewirkt. Auf eben jene korrekte Terminologie und Bestimmung von Phรคnomenen legt Dietrich Eckardt besonders hohen Wert โ€“ gibt es doch bereits viele Abhandlungen zu diesem Thema, die aber nicht diese endgรผltige aber nรถtige Detailverliebtheit besitzen.

Bankensystem als Vermittler

Betrachtet man die elementare Rolle, welche Banken in der heutigen Finanzwelt zukommt, kann man durchaus die Frage stellen: Was haben Banken eigentlich grundlegend mit Geld zu tun? Nun, Geld basiere laut Eckhardt auf Tilgungsversprechen. Diese Versprechen liegen symbolisch vergegenstรคndlicht vor (etwa in Form eines Gutscheins). Jedes Versprechen erfรคhrt eine quantitative Bewertung. Das Bankensystem รผbernimmt die Rolle des Vermittlers des auf dem Markt bereits vorhandenen Geldes und ist fรผr die Emission des Wรคhrungsgeldes sowie dessen Deckung verantwortlich. Banken gewรคhrleisten diesen Umstand und โ€žstromlinienfรถrmiges Tauschenโ€œ. Folglich sind Geldhรคuser nicht nur Geldvermittler, sondern auch Geschรคftsvermittler. Und ohne Geschรคfte gibt es keine Wirtschaft. Sie kรถnnen sich denken, wie es weitergeht. So schafft es Eckardt in einem Unterpunkt, die herausragende Stellung der Banken in der Weltwirtschaft zu betonen, wobei er auch kritische Tรถne anschlรคgt โ€“ etwa in Zeiten der รœberschuldung, in denen das System bei der Bonitรคtsermittlung versagt hat.

Fazit

Unsere Gesellschaft lebt laut Buchrรผcken heute weltweit in einer nahezu reinen Kreditgeldwirtschaft. Der Autor liefert eine klare Definition des Geldbegriffs dieser Wirtschaft. Die Definition erlaube dagegen eine eindeutige Abgrenzung des Tauschguts Geld von anderen Tauschgรผtern. Dietrich Eckardt diskutiert andere Abhandlungen und deren Ergebnisse, sodass der Leser ganz nebenbei einen bisherigen Forschungsstand erhรคlt und die Notwendigkeit einer grรผndlichen Beschรคftigung mit der Thematik erkennt. Der Grund: โ€žDas heute umlaufende Geld ist wesentlich das Geld einer Kreditgeldwirtschaft. Es ist aus Krediten erzeugt.โ€œ Wer diese Welt verstehen will, muss folglich das Wesen des Geldes verstehen. Die Lektรผre dieses Titels darf als deutliche Erleichterung auf dem Weg zu diesem Verstรคndnis deklariert werden und hat das Potenzial zu einem Standardwerk fรผr Wirtschaftswissenschaftler und Banker zu werden. Und eigentlich sind die verschiedenen Eigenarten von Geld auch schnell zu verstehen oder wie der von Eckardt zitierte Immanuel Kant sagen wรผrde: โ€žAls Ware ist Geld sogar ein Gebrauchsgut โ€“ im Gegensatz zu allen anderen Gebrauchsgรผtern allerdings jenes, dessen Gebrauch nur darin besteht, es zu verรคuรŸern.โ€œ

  • Preis: Was ist Geld? Der Geldbegriff der Kreditgeldwirtschaft
  • Autor: Dietrich Eckardt
  • Preis: 34,80 โ‚ฌ
  • Seiten: 170, gebunden
  • ISBN: 978-3-905828-10-8
  • Verlag WR Projekt

Christian Grosshardt war zwischen 2014 und 2018 Redakteur im BANKINGCLUB und fungierte von Januar bis April 2018 als Chefredakteur von BANKINGNEWS. Wรคhrend seines Studiums der Germanistik, das er mit dem Master of Arts abschloss, sammelte er bereits umfangreiche redaktionelle Erfahrungen als freier Mitarbeiter bei der Kรถlnischen Rundschau.

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