In den vergangenen Jahren wurde dem Finanzmarkt mit Schlagworten wie Blockchain, Krypto und Bitcoin neue Aufmerksamkeit zuteil. Nicht zuletzt in den Medien wurden die Themen aufgeheizt, mit Twitter als Plattform des Austausches รผber Anlageprรคferenzen. Kurzum: Krypto wird zum Symbol digitaler Assets. Der Hype scheint unaufhaltsam.
Doch wenn es um die zukรผnftige Relevanz von digitalen Assets geht, klaffen die Meinungen auseinander. Von โradikaler Disruption durch die Dezentrale Finanzwirtschaft (DeFi)โ bis hin zu einem โVerblassen wegen fehlender Anwendungsmรถglichkeiten oder von Beginn an nicht tragfรคhigen Geschรคftsmodellenโ sind Stimmen zu hรถren.
Verlorene Goldgrรคber-Stimmung
In seiner Auรenwirkung hielten sich der Glaube an das Potenzial von Technologie (wie etwa Blockchain) und Produkten (wie dem Bitcoin) und die Furcht vor Disruption รผber das letzte Jahrzehnt ungefรคhr die Waage. Rรผckblickend gab es allerdings nur wenige Erfolgsgeschichten, bei denen das Vertrauen der breiten Bevรถlkerung nicht kostspieligen Beratungsprojekten oder exorbitanten Risikowetten zum Opfer fiel.
Es ist demnach kaum verwunderlich, dass aktuell nur wenige in der Finanzbranche digitalen Assets kรผnftig eine Schlรผsselfunktion zuschreiben. Ebenso wirken hier die hohe Belastung von Instituten mit Change-Projekten, steigende Regulationsanforderungen, aber auch der Mangel an passenden Geschรคftsmodellen nicht unbedingt fรถrderlich auf eine verstรคrkte Integration digitaler Vermรถgenswerte.
Chancen neuer Technologie verkannt
Blickt man aber zurรผck auf andere Technologien, ergibt sich ein Muster. Oftmals fehlte es an Akzeptanz fรผr Neuerungen, weil ein Konkurrenzverhรคltnis zu etablierten Strukturen bestand. Ein Wechsel ist aus Sicht des Kunden stets mit Aufwand verbunden. Mobile Banking ist hier ein anschauliches Beispiel. Nach jahrelanger Ablehnung bewรคhrt sich Mobile Banking zunehmend als der zentrale Kanal im Wettbewerb des digitalen Zeitalters.
Der Erfolg ist tief in den Unternehmersinn eingedrungen und so bauen heute zahlreiche Geschรคftsmodelle auf diesem Kanal auf.
Ein Verlauf wie dieser โ von anfรคnglicher Ablehnung zum spรคteren Konsens โ ist branchenรผbergreifend und unterstreicht die Stimulationskraft der digitalen Transformation. Das Wertpapiergeschรคft stellt hierbei auch keine Ausnahme dar.
Die Geburtsstunde des Internets wurde im Jahr 1969 (Arpanet) eingelรคutet, das Konzept der Kรผnstlichen Intelligenz sogar bereits im Jahr 1956 (John McCarthy) erstmalig vorgestellt. Was damals allerdings beiden Technologien zum Durchbruch fehlte: die technologischen Rahmenbedingungen. Diese dienen nun der konkreten Entfaltung digitaler Assets.
Eine Technologie oder ein neues Konzept benรถtigt einen angepassten Kontext, um Anklang zu finden und sich etablieren zu kรถnnen. Unter dieser Voraussetzung ist es auch Kรผnstlicher Intelligenz gelungen, etwa die Vernetzung und damit auch die Datenverfรผgbarkeit auf eine neue Stufe zu heben.
Die Digitalisierung von Daten, deren Zugรคnglichkeit fรผr Algorithmen und die stetig wachsende Menge an Datenpunkten โ all diese Entwicklungsschritte waren notwendige Voraussetzung fรผr die Kompatibilitรคt mit der heutigen, technisierten Zeit und der tatsรคchlichen Anwendungsmรถglichkeit des KI-Konzeptes der 50er-Jahre.
Adaption in der breiten Masse
Digitale Assets schlagen Wurzeln. Die zunehmende Annรคherung von Technologie mit dem Wunsch nach mehr Effizienz durch Automatisierung und einem klaren Regulierungsrahmen โ etwa dem elektronischen Wertpapiergesetz oder der Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCA) โ beschleunigt ihre finale Adaption in der breiten Masse. Die Weiterentwicklung der technologischen Transformation wird eine digitale Infrastruktur auch in Zukunft begรผnstigen.
Auf dem Weg dorthin ist jeder einzelne Schritt von essenzieller Bedeutung, ermรถglicht jeder doch neue Sichtweisen auf Business sowie Use Cases fรผr digitale Assets. Chancen, neue Angebote zu schaffen und technische oder regulatorische Herausforderungen bleiben dabei ebenso stรคndige Wegbegleiter wie die Skepsis vor Verรคnderung.
Sascha Dรถlker ist Leiter Digitalisierung bei der Deutsche WertpapierService Bank AG.

