Freitag, 01. Mai 2026
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Was mit dem digitalen Euro auf Banken und Verbraucher zukommt

Der in zahlreichen Lรคndern wachsende Bedeutungsverlust von Bargeld als Zahlungsmittel bewegt viele Zentralbanken dazu, sich mit der Einfรผhrung einer digitalen Zentralbankwรคhrung auseinanderzusetzen. Darunter auch die Europรคische Zentralbank (EZB), die eine finale Entscheidung รผber die Einfรผhrung des digitalen Euro als Central Bank Digital Currency (CBDC) im Jahr 2023 zu treffen gedenkt. Eine Umsetzung kรถnnte laut Experten frรผhestens in 2026, wahrscheinlicher jedoch erst in 2028, abgeschlossen sein.

Bei der digitalen Wรคhrung gilt etwas, was fรผr die erfolgreiche Einfรผhrung aller neuen Produkte gilt: Die Akzeptanz und folglich ihr Nutzen fรผr den Verbraucher muss eine wesentliche Triebfeder in den รœberlegungen der Verantwortlichen sein. Auch fรผr Unternehmen sollte ein Mehrwert daraus entstehen. Viele Geschรคftsbanken sehen die Gefahr, dass ein digitaler Euro sie verdrรคngen kรถnnte. Allerdings betont die EZB, dass sie an der Zweistufigkeit festhalten mรถchte und keine direkte Beziehung zum Kunden anstrebt.

Nicht nur digital, sondern auch instant, international und kostenlos

Angestrebt wird hingegen, in einer Wallet ein digitales Konterfei des physischen Euro in der Geldbรถrse zu kreieren. Ob ausschlieรŸlich Geschรคftsbanken oder auch Nicht-Banken die Wallets anbieten dรผrfen, ist noch nicht geklรคrt. In den Wallets sollen alle Vorzรผge des Bargelds abgebildet werden. Folglich werden Transaktionen sofort verbucht, im gesamten Euro-Raum und mรถglichst darรผber hinaus anerkannt und sind gebรผhrenfrei.

Die POS-Transaktionen werden on- wie auch offline, etwa via Bluetooth ausfรผhrbar sein. Als Medium dient vorzugsweise das Mobilgerรคt, allerdings ist auch eine analoge Zahlkarte denkbar. Der digitale Euro bietet an dieser Stelle also alle Vorteile einer Bargeldtransaktion, plus der Anwendungsmรถglichkeiten im E-Commerce.

Anonym wie Bargeld

Um breite Akzeptanz unter den Verbrauchern zu schaffen, bedarf es allerdings weiterer Mehrwerte, die sich vom Angebot der Privatwirtschaft abheben. Digitale Zahlverfahren, die instant und kostenfrei auch grenzรผberschreitend genutzt werden kรถnnen, werden von Dienstleistern wie PayPal bekanntlich bereits angeboten.

Der fรผr Verbraucher negative Nebeneffekt bei derlei Anbietern ist jedoch, dass die Transaktionsdaten ebenso wie bei Kartenzahlungen fรผr den jeweiligen Dienstleister beziehungsweise das Kreditinstitut transparent sind und valide Informationen zum Verbraucherverhalten liefern. Darin liegen fรผr Unternehmen wiederum enorme Ertragspotentiale, weshalb diese Daten zum Zwecke der Kommerzialisierung zunehmend auswertbar gemacht werden.

Beim digitalen Euro verhรคlt es sich anders, wenn man den Statements der EZB Glauben schenken darf. Zwar mรผssen diese fรผr eine adรคquate Buchhaltung auf einem zentralen Kontensystem abgelegt werden, allerdings hat die EZB als Non-Profit-Institution keinerlei Anlass zur wirtschaftlichen oder kommerziellen Nutzbarmachung der Daten. Auch eine Eigennutzung aus Marketing- oder Akquirierungsinteressen kommt fรผr die Wรคhrungshรผter nicht in Frage. Da Verbraucher laut verschiedenen Studien viel Wert auf Datenschutz und Anonymitรคt legen, kann der digitale Euro die privatwirtschaftlichen Dienstleister hier also ausstechen.

Marktmacht der Anbieter limitiert

โ€žIn einer immer digitaler werdenden Wirtschaft mรผssen wir auch die Stรคrke und Unabhรคngigkeit europรคischer Zahlungsverkehrssysteme sicherstellen.โ€œ Mit diesen Worten begrรผndet EZB-Prรคsidentin Christine Lagarde die Notwendigkeit zum digitalen Euro und nimmt damit den oligopolistischen Markt der europรคischen Payment-Anbieter ins Visier.

Big Techs wie Apple, Google oder auch PayPal besitzen aufgrund ihrer breiten Akzeptanz und Nutzung eine hohe Marktmacht und wissen diese auch zu ihrem Vorteil einzusetzen. Das populรคrste Beispiel ist Apple, die ihre NFC-Schnittstelle auf das kontaktlose Bezahlen mit Apple Pay begrenzen, um Wettbewerber von ihrem Endgerรคt auszuschlieรŸen.

Der digitale Euro limitiert die Marktmacht der Anbieter, auch und gerade mit Blick auf die Preispolitik. Transaktionen mit ihm werden kostenfrei in der bestehenden Payment-Infrastruktur angeboten. Der Verbraucher behรคlt somit die Freiheit, seinen Zahlungsdienstleister selbst zu wรคhlen, hat jedoch stets die kostenlose Zahlungsfunktion des digitalen Euro als Alternative. Wie Big Techs darauf reagieren, wird auch fรผr Banken spannend zu beobachten sein.

Eine wรผnschenswerte Alternative?

Wenn der digitale Euro kommt โ€“ und laut einhelliger Expertenmeinung ist die Frage mit โ€žwannโ€œ und nicht โ€žobโ€œ zu verstehen โ€“ steht Verbrauchern ein kostenloses, anonymes, wertstabiles, grenzรผberschreitendes Standardzahlverfahren mit sofortiger Verbuchung zur Verfรผgung. Fรผr Verbraucher eine wรผnschenswerte Alternative, fรผr Banken sehr wahrscheinlich eine massive Verรคnderung.

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