Dienstag, 27. Januar 2026
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Geldwäscheprävention: Know Your Risk

Regeln, Vorgaben und Erwartungen an Compliance nehmen stetig zu – doch mit bloßem Abarbeiten ist es längst nicht getan. Wie Compliance wirksam und risikoorientiert gestaltet werden kann und warum „immer mehr“ nicht automatisch besser ist, erklärt Christine Wimmer. Sie zeigt am Beispiel der Geldwäscheprävention, wie gezielte Risikoanalyse, klare Kommunikation und der richtige Tone-from-the-top den entscheidenden Unterschied machen.

Nicht nur im Bereich der Geldwäscheprävention wird die Regulatorik von Jahr zu Jahr umfangreicher. Deutschland, die Europäische Union (EU) und die vielen anderen Jurisdiktionen im Rest der Welt versorgen die Institute mit Regeln, Vorgaben und Gesetzen. Um all diese einzuhalten, braucht es umfangreiche Kapazitäten. Personell, fachlich und strukturell. Es werden Teams aufgebaut, schlaue Menschen eingestellt, das Personal geschult und trainiert. Und trotzdem funktionieren die Präventionssysteme teilweise nicht, wie sie sollen. Und dann wird gefragt: Warum ist das so? Müssen wir jetzt noch mehr Personal einstellen, noch schlauere Menschen, noch mehr Schulungen durchführen, noch mehr IT einkaufen?

Immer mehr ist nicht immer besser. Das reine Abarbeiten der Vorgaben ist nicht die Lösung. Die Organisation ungefiltert der Regulatorik auszusetzen und zu hoffen, es würde schon an der richtigen Stelle ankommen, klappt auch nicht. Dieser Artikel möchte ein paar Denkanstöße für eine überzeugende und taugliche Geldwäscheprävention geben.

Kommunikation und Tone-from-the-top

Regelgebende Einheiten werden in Organisationen nicht gerade geliebt. Sätze wie „Wir verdienen das Geld, das ihr nur ausgebt“, „Ihr behindert uns immer in unseren Vertriebsaktivitäten“ und ähnliches haben alle Compliance- Mitarbeitenden schon so oft gehört, dass sie mit dem berühmten „Cent pro Aussage“ alle auf ihrer eigenen Insel sitzen könnten.

Bevor die Compliance und hier speziell die Geldwäscheprävention ansetzen kann, ist eine gute Kommunikationsstrategie und der Rückhalt der Leitungsebene eine notwendige Voraussetzung. Adressatengerechtes Erklären hilft dabei. Da werden gegenüber dem Vertriebsmitarbeitenden sicher andere Worte gebraucht als gegenüber dem Risikovorstand.

Apropos Vorstand. Die Arbeit der Geldwäscheprävention wird sehr viel leichter, wenn echte Unterstützung aus der Leitung kommt. Hiermit ist das gesamte Leitungsgremium gemeint. Es ist gut, wenn das Leitungsorgan, an das berichtet wird, die Risikolage und die daraus resultierenden Anliegen versteht; es sollte jedoch ein Verständnis im gesamten Leitungsgremium vorhanden sein. Darauf gehen auch die letzten EBA-Leitlinien vermehrt ein. Mit dem richtigen „Tone from the top“ wird für die Compliance-Abteilung das Leben leichter. Und hier kommt wieder die adressatengerechte Kommunikation ins Spiel. Die geldwäschebeauftragte Person hat die Aufgabe, die Themen klar und verständlich in die Leitung zu tragen. Wenn von dort Unterstützung kommt, wird es in verschiedenen Bereichen leichter.

Risikoanalyse in Zeiten ständiger Veränderung

Die Risikoanalyse ist eine jährlich wiederkehrende anstrengende und zeitraubende Tätigkeit. Verwendet man die gleiche Blaupause wie schon seit Jahren, befüllt sie mit den mühsam zusammengestellten eingesammelten Zahlenwerken und betet sie der Leitung vor, auch wie jedes Jahr, führt dies nicht zu neuen Erkenntnissen. Aktuell verändert sich die Risikolage gefühlt täglich. Geopolitische Ereignisse können die Vertriebsaktivitäten verändern und beeinflussen auch die nationale Risikoarchitektur (zum Beispiel Finanzsanktionen oder Terrorismusfinanzierung).

Wer seine Risiken nicht kennt, kann ihnen kaum wirksam begegnen. Das wird seit Jahr und Tag Konferenz-weit gepredigt. Es lohnt sich daher, einen genaueren Blick auf die nationalen und globalen Veränderungen zu werfen und diese in die Analyse einzubauen. Eine gute Datenarchitektur hilft, die Grundstruktur der Risikoanalyse effizient zu befüllen und sich somit für die Befassung mit neuen oder veränderten Risiken Zeit zu erkaufen.

Überwachung mit Fokus

Diese Erkenntnisse fließen dann in die Überwachungen und Kontrollen mit ein. Es ist verführerisch, einmal einen Kontroll-/Überwachungsplan aufzustellen und diesen dann Jahr für Jahr abzuarbeiten. Mit der Zeit bedarf dies auch immer weniger Aufwand, man kennt die Vorgehensweise, die Systeme und Ansprechpersonen. Tick-the-box ist hier ein etwas böses, aber nicht ganz abwegiges Schlagwort.

Ein risikoorientiertes Überwachungskonzept, welches risikoärmere Themen weniger in den Fokus und risikoreichere Themen und mögliche neue Risiken stärker unter die Lupe nimmt, hilft vielen Seiten. Es erfolgt eine sinnvollere Durchführung, das betroffene Personal hat für diese Art der Überwachung möglicherweise mehr Verständnis als für „sinnlose“ Kontrollen und die Organisation erkennt dabei im besten Fall die wahren Schwachstellen.

Schulungen sinnvoll gestalten

Aus diesen Erkenntnissen können, vor allem wenn die festgestellten Mängel systematischer Natur sind, die durchzuführenden Schulungen gespeist werden. Denn auch diese sind regelmäßig ein Stachel im Kalender der Belegschaft. Aufgrund der Regulatorik kommt die Organisation um eine Grundlagenschulung für alle Mitarbeitenden nicht herum, denn Grundkenntnisse zum Erkennen von (potenzieller) Geldwäsche müssen vorhanden sein. Darüber hinaus können die Schulungsmethoden und -themen frei an die jeweiligen Situationen angepasst werden. Auch hier gilt wie bei den Überwachungshandlungen: Je weniger sinnlos sie den Mitarbeitenden erscheinen, desto eher werden sie angenommen.

Dies sind Beispiele für risikoorientiertes Herangehen an die Geldwäscheprävention, von denen es weitere gibt. In allen Themen kann man sich jedoch zwei Fragen stellen: Wie und wo ist mein Risiko? Wie kommuniziere ich und mit wem?

Christine Wimmer

Christine Wimmer ist zertifizierte Com plianceExpertin (CCP) mit langjähriger Erfahrung in der Prävention von Geld wäsche und Terrorismusfinanzierung.

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