Freitag, 15. Mai 2026

EZB-Bericht: Steigende Energiepreise dämpfen Wachstum im Euroraum

Steigende Energiepreise, schwächere Wachstumsaussichten und zunehmender Druck auf Lieferketten: Der aktuelle EZB-Wirtschaftsbericht sieht erste deutliche Bremsen für die Konjunktur im Euroraum. Die Notenbank hält dennoch an ihrem Kurs fest und belässt die Leitzinsen unverändert.

Der aktuelle Wirtschaftsbericht der Europäischen Zentralbank zeichnet das Bild einer Weltwirtschaft, die sich trotz zunehmender Belastungen weiterhin vergleichsweise robust zeigt. Zugleich mehren sich laut EZB die Anzeichen einer konjunkturellen Abschwächung. Vor allem die Folgen des Kriegs im Nahen Osten dürften über steigende Energiepreise, sinkendes Vertrauen und schwächere Wachstumsaussichten zunehmend auf die Weltwirtschaft durchschlagen.

Besonders betroffen seien energieimportierende Länder wie Japan, Südkorea und Indien. Die verringerten Energieexporte aus der Golfregion belasteten energieintensive Branchen, während erste Anspannungen bei Lieferzeiten und Preisen sichtbar würden. Die direkten Auswirkungen auf den Welthandel blieben bislang allerdings begrenzt.

Schwächeres Wachstum im Euroraum

Im Euroraum habe sich das Wirtschaftswachstum zu Jahresbeginn weiter abgeschwächt. Laut Eurostat sei das reale BIP im ersten Quartal 2026 nur noch um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Während Spanien mit 0,6 Prozent ein vergleichsweise starkes Wachstum verzeichnet habe, sei die Wirtschaftsleistung in Deutschland um 0,3 Prozent gestiegen. In Frankreich habe die Wirtschaft hingegen stagniert. Auch die Stimmung im Euroraum habe sich nach Einschätzung der EZB eingetrübt. Der Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleistungen sei im März und April unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gefallen. Besonders der Dienstleistungssektor habe an Dynamik verloren. Zugleich hätten sich die Lieferkettenprobleme erneut verschärft. Unternehmen warnten laut Bericht insbesondere vor möglichen Engpässen bei Rohöl und rohölbasierten Vorprodukten.

Der Arbeitsmarkt zeige sich zwar weiterhin stabil, allerdings nehme die Nachfrage nach Arbeitskräften allmählich ab. Die Arbeitslosenquote habe im März mit 6,2 Prozent dennoch weiterhin in der Nähe ihres historischen Tiefstands gelegen.

Inflationsdruck steigt erneut

Belastet werde die Wirtschaft im Euroraum zudem durch US-Zölle, den Wettbewerbsdruck aus China sowie steigende Energiepreise. Das Volumen der Warenausfuhren aus dem Euroraum sei im Februar im Dreimonatsvergleich um 3,4 Prozent gesunken. Besonders energieintensive Branchen gerieten dadurch zunehmend unter Druck. Zugleich nehme infolge der steigenden Energiepreise auch der Inflationsdruck wieder zu.

Die Inflation im Euroraum habe sich im April 2026 erneut beschleunigt. Die jährliche Gesamtinflation sei von 2,6 Prozent im März auf 3,0 Prozent gestiegen. Die zugrunde liegenden Inflationsindikatoren seien hingegen weitgehend stabil geblieben. Gleichzeitig deute sich bei den Arbeitskosten eine weitere Abschwächung des Lohndrucks an.

Vor diesem Hintergrund habe der EZB-Rat die drei Leitzinsen auf seiner Sitzung am 30. April 2026 unverändert belassen. Die Notenbank habe ihren datenabhängigen Kurs bekräftigt und erklärt, die Geldpolitik weiterhin so auszurichten, dass sich die Inflation mittelfristig beim Zielwert von zwei Prozent stabilisiere.

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