Nach mehreren Jahren mit vergleichsweise schwacher Entwicklung zeigt der deutsche Markt für Wagniskapital wieder deutliche Aufwärtstendenzen. Im zweiten Quartal 2026 sammelten Start-ups nach Angaben von KfW Research 3,4 Milliarden Euro ein – so viel wie seit dem zweiten Quartal 2022 nicht mehr. Vor allem mehrere Großfinanzierungen, darunter ein KI-Milliardendeal, sorgten für den kräftigen Anstieg des Investitionsvolumens. Nachdem der Venture-Capital-Markt in den vergangenen Jahren unter dem Ende der Niedrigzinsphase, einer schwächeren Konjunktur und einer insgesamt zurückhaltenderen Investitionsbereitschaft gelitten hatte, zeichnet sich damit eine weitere Erholung ab. Bereits 2025 war das Investitionsvolumen wieder gestiegen. Das aktuelle Quartal zeigt nun, dass insbesondere großvolumige Finanzierungsrunden wieder häufiger zustande kommen.
„Mit einem Volumen von 3,4 Milliarden Euro waren April, Mai und Juni für den deutschen Venture-Capital-Markt ein starkes Quartal“, sagt KfW-Chefvolkswirt Dr. Dirk Schumacher. Zugleich mahnt er zur Zurückhaltung: Der Aufschwung werde vor allem von wenigen sehr großen Finanzierungsrunden getragen. Mit lediglich 86 Transaktionen ab einem Volumen von einer Million Euro liege die Zahl der Deals weiterhin auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau.
Weniger Deals, aber größere Finanzierungsrunden
Im zweiten Quartal wurden 86 Finanzierungsrunden mit einem Volumen von mindestens einer Million Euro gezählt. Im gesamten ersten Halbjahr summierte sich das auf 184 Transaktionen und ein Investitionsvolumen von 5,1 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2025 wurden 380 entsprechende Finanzierungsrunden registriert. Den bisherigen Höchststand erreichte der deutsche Venture-Capital-Markt im Jahr 2022 mit 626 Deals.
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen einen längerfristigen Trend. Zwar bewegt sich das jährliche Investitionsvolumen seit 2023 mit jeweils etwas mehr als sieben Milliarden Euro auf einem vergleichsweise stabilen Niveau, das Kapital verteilt sich jedoch auf immer weniger Unternehmen. Die durchschnittlichen Finanzierungsrunden werden damit größer – und das, obwohl in Deutschland zuletzt wieder mehr Start-ups gegründet wurden.
Scale-ups und HealthTech besonders gefragt
Besonders profitierten im zweiten Quartal Unternehmen, die die Gründungsphase bereits hinter sich gelassen haben und sich in einer starken Wachstumsphase befinden. Auf diese sogenannten Scale-ups entfielen 72 Prozent des gesamten investierten Kapitals. Auch die Gesundheitsbranche blieb bei Investoren gefragt: Rund jeder vierte Deal wurde mit einem Start-up aus diesem Bereich abgeschlossen.
Mit Blick auf die weitere Entwicklung dürfte entscheidend sein, ob sich die Erholung in den kommenden Quartalen auch in einer steigenden Zahl von Finanzierungsrunden widerspiegelt. Bislang wird das Wachstum des deutschen Venture-Capital-Marktes vor allem von wenigen großvolumigen Investments getragen. Eine breitere Belebung der Start-up-Finanzierung würde darauf hindeuten, dass der Aufschwung nachhaltig im gesamten Ökosystem ankommt.

