Samstag, 08. August 2026

5,3 Milliarden Euro für deutsche Startups – doch die Zahl der Finanzierungsrunden sinkt

Das Investitionsvolumen im deutschen Startup-Markt ist im ersten Halbjahr 2026 um 14 Prozent gestiegen. Gleichzeitig gab es deutlich weniger Finanzierungsrunden. Das aktuelle EY Startup-Barometer zeigt: Vor allem große Deals treiben den Markt.

Der deutsche Startup-Markt hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr Risikokapital angezogen. Das zeigt das aktuelle EY Startup-Barometer Deutschland, das die Finanzierungsaktivitäten im deutschen Startup-Ökosystem halbjährlich auswertet. Insgesamt flossen 5,29 Milliarden Euro in deutsche Jungunternehmen. Das waren 663 Millionen Euro beziehungsweise 14 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit erreichte das Investitionsvolumen den dritthöchsten Wert, der bislang in einem ersten Halbjahr verzeichnet wurde. Nur 2021 und 2022 lag das Volumen noch höher.

Die Entwicklung hat allerdings eine Kehrseite: Die Zahl der Finanzierungsrunden sank gleichzeitig von 398 auf 354 Deals und damit um elf Prozent. Gegenüber dem bisherigen Höchststand im ersten Halbjahr 2021 mit 588 Finanzierungsrunden beträgt der Rückgang sogar 40 Prozent.

Großdeals treiben das Investitionsvolumen

Hinter dem steigenden Gesamtvolumen steht damit keine breite Zunahme der Finanzierungsaktivität. Vielmehr konzentriert sich ein erheblicher Teil des Kapitals auf größere Transaktionen.

Finanzierungsrunden mit einem Volumen von mehr als 50 Millionen Euro summierten sich im ersten Halbjahr auf 3,53 Milliarden Euro. Das waren 977 Millionen Euro mehr als ein Jahr zuvor. Damit entfielen 67 Prozent des gesamten Investitionsvolumens auf diese Großdeals. Bei Finanzierungen bis einschließlich 50 Millionen Euro entwickelte sich das Volumen dagegen rückläufig: Es sank von 2,07 auf 1,75 Milliarden Euro.

Besonders deutlich zeigt sich die Konzentration beim Blick auf einzelne Unternehmen. Die mit Abstand größte Finanzierungsrunde des Halbjahres entfiel mit knapp 1,2 Milliarden Euro auf Neura Robotics. Allein dadurch wurde auch das Branchen- und Regionalranking erheblich beeinflusst.

Berlin bleibt Deutschlands Startup-Hauptstadt

Beim Finanzierungsvolumen liegt Berlin weiterhin vorne. Startups aus der Hauptstadt erhielten im ersten Halbjahr knapp 1,7 Milliarden Euro und damit rund ein Drittel des bundesweit investierten Risikokapitals. Gegenüber dem Vorjahr stieg das Berliner Volumen um zehn Prozent.

Auf Ebene der Bundesländer folgt Baden-Württemberg mit knapp 1,6 Milliarden Euro. Rund 1,2 Milliarden Euro davon entfallen allerdings allein auf die Finanzierung von Neura Robotics. Bayern kommt auf gut 1,1 Milliarden Euro und verzeichnet damit gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang um 46 Prozent.

Auch bei der Anzahl der Deals bleibt Berlin mit 95 Finanzierungsrunden knapp Spitzenreiter, allerdings ging deren Zahl gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 40 zurück. Bayern folgt mit 93 Runden und konnte entgegen dem bundesweiten Trend um 16 Deals zulegen. Nordrhein-Westfalen liegt mit 46 Finanzierungsrunden auf Rang drei, elf weniger als ein Jahr zuvor.

Hardware profitiert von Milliarden-Deal

Auch auf Branchenebene wird sichtbar, wie stark einzelne Großfinanzierungen die Statistik prägen. Beim investierten Kapital liegt Hardware mit gut 1,6 Milliarden Euro an der Spitze. Allein 1,4 Milliarden Euro davon flossen in neun Finanzierungsrunden im Bereich Robotics. Das entspricht 87 Prozent des gesamten Hardware-Volumens.

Auf Platz zwei folgt Software & Analytics mit gut 1,2 Milliarden Euro. Besonders interessant ist dabei die Verschiebung innerhalb des Sektors: 753 Millionen Euro flossen in Artificial Intelligence. KI vereinigte damit 63 Prozent des gesamten Investitionsvolumens von Software & Analytics auf sich. In früheren Jahren hatte dagegen SaaS die Rangliste dominiert.

Bei der Zahl der Finanzierungsrunden bleibt Software & Analytics mit 116 Deals dennoch mit Abstand der größte Bereich. Dahinter folgen Health mit 66 und Hardware mit 24 Abschlüssen. Insgesamt ging die Zahl der Deals in zehn der 19 von EY untersuchten Sektoren zurück.

DefenseTech gewinnt deutlich an Bedeutung

Einen kräftigen Anstieg verzeichnet auch DefenseTech. Der Bereich kam im ersten Halbjahr auf 579 Millionen Euro Risikokapital und liegt damit beim Finanzierungsvolumen bereits auf Rang drei. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Plus von 388 Millionen Euro. Health und Energy folgen mit 486 beziehungsweise 465 Millionen Euro. Hardware konnte gegenüber dem Vorjahr mit einem Plus von rund 1,3 Milliarden Euro am stärksten zulegen.

Das EY Startup-Barometer zeichnet damit ein zweigeteiltes Bild des deutschen Wagniskapitalmarktes. Auf der einen Seite steht mit 5,3 Milliarden Euro eines der höchsten Investitionsvolumina seit Beginn der Erhebung. Auf der anderen Seite erreicht die Zahl der Finanzierungsrunden bei Weitem nicht mehr das Niveau der Boomjahre.

Vor allem die Entwicklung bei den Großdeals erklärt diesen scheinbaren Widerspruch: Mehr Kapital fließt in weniger Finanzierungsrunden. Für die Bewertung des Startup-Standorts dürfte deshalb nicht nur entscheidend sein, ob die Investitionssumme weiter wächst, sondern auch, ob sich die Finanzierung wieder auf eine größere Zahl junger Unternehmen verbreitert.

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