Montag, 10. August 2026

Die neue Währung: Wirkung statt Volumen

Förderbanken stellen zunehmend nicht nur die Höhe ihrer Finanzierung, sondern auch deren konkrete Wirkung in den Mittelpunkt. Die NRW.BANK zeigt, wie sich gesellschaftliche, ökologische und ökonomische Effekte systematisch messen und für die strategische Steuerung nutzen lassen.

Lange Zeit galt für Förderbanken eine einfache Logik: Je höher das Fördervolumen, desto größer der Erfolg. Diese Sichtweise verändert sich. Denn angesichts der tiefgreifenden wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Transformation reicht es nicht mehr aus, allein Kapital bereitzustellen. Entscheidend ist, welche nachhaltigen Veränderungen dadurch tatsächlich entstehen und welche Rückschlüsse sich daraus ableiten lassen.

Investitionen entfalten ihren Wert nicht allein durch ihre Höhe, sondern durch die Veränderungen, die sie anstoßen. Deshalb entwickelt sich die Wirkungsmessung zu einer der zentralen Zukunftsaufgaben von Förderbanken. Seit jeher finanzieren sie gezielt nachhaltige Projekte, deren Wirkung in Teilen bereits messbar ist und die beispielsweise über Green Bonds und Social Bonds refinanziert werden können. Über ein SDG-Mapping wird sichtbar gemacht, welchen Beitrag das Fördergeschäft zu den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen leistet. Doch all diese Instrumente beantworten nur teilweise diese Fragen: Welche Veränderungen werden durch die Förderung tatsächlich ausgelöst? Werden CO₂-Emissionen reduziert? Werden strukturschwache Regionen resilienter? Entstehen durch Digitalisierungsprogramme dauerhaft produktivere Geschäftsmodelle?

Wird Wirkung zum strategischen Steuerungsinstrument?

Genau hier setzt das Wirkungsmanagement der NRW.BANK an, dessen Basis jetzt aufgebaut und technisch umgesetzt wurde. Es ist fest in der Nachhaltigkeits- und Gesamtbankstrategie verankert und ergänzt die klassische Betrachtung des Fördervolumens um eine neue Perspektive. Wirkung bedeutet hier die Veränderung, die durch Förderung auf gesellschaftlicher, ökologischer und ökonomischer Ebene angestoßen wird. Ziel ist es, diese Veränderungen systematisch messbar zu machen und daraus Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Förderangebote abzuleiten. Damit ist Wirkung auf dem Weg zu einem strategischen Steuerungsinstrument.  

Im Mittelpunkt stehen derzeit neun Wirkungskategorien, die die zentralen Transformationsfelder Nordrhein-Westfalens abbilden: Klima, Biodiversität und Umweltschutz, Kreislaufwirtschaft und Ressourcennutzung, Energieversorgung, Mobilität, Wettbewerb und Beschäftigung, Digitalisierung und Innovation, Lebensqualität und Gemeinwesen sowie Wohnraum. Für diese Kategorien wurden Indikatoren entwickelt, mit denen die Wirkung des Fördergeschäfts erstmals automatisiert und bereichsübergreifend erfasst werden kann.

Methodisch orientiert sich die NRW.BANK an der Theory of Change sowie unter anderem an den Wirkungsansätzen der KfW. Die Theory of Change beschreibt den Weg von den eingesetzten Fördermitteln über die geförderten Projekte bis hin zu den langfristigen Veränderungen für Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft. So entsteht eine nachvollziehbare Wirkungslogik, die weit über die reine Betrachtung von Finanzierungsvolumina hinausgeht.

Daten werden zum entscheidenden Erfolgsfaktor

Eine entscheidende Voraussetzung für ein Wirkungsmanagement sind belastbare Daten. Förderbanken verfügen bereits heute über umfangreiche Informationen zu Anträgen, Auszahlungen oder Vorhaben, in die investiert werden soll. Für die Messung gesellschaftlicher Wirkung reicht das allein jedoch nicht aus. Erforderlich sind zusätzliche Informationen über die Ergebnisse bei den Fördernehmenden sowie – soweit möglich – über die langfristigen Veränderungen, die durch die Förderung angestoßen werden. Gleichzeitig gewinnen externe Datenquellen an Bedeutung. Die Herausforderung besteht dabei sowohl in der Menge der verfügbaren Daten als auch in ihrer intelligenten Verknüpfung und Auswertung. Erst dadurch entsteht ein Gesamtbild der tatsächlichen Wirkung.

Wirkungsmanagement entwickelt sich deshalb zu einem integralen Bestandteil der Gesamtbanksteuerung. Es verbindet Strategie, Produktentwicklung, Fördergeschäft und Reporting miteinander. Förderziele werden operationalisiert, Wirkungslogiken entwickelt und geeignete Indikatoren definiert. Die aus den Wirkungsindikatoren und deren unterjähriger Entwicklung gewonnenen Erkenntnisse fließen als Impuls in die Weiterentwicklung von Förderprogrammen ein. So entsteht ein kontinuierlicher Lernprozess – statt einer rein rückblickenden Erfolgskontrolle.

Das Wirkungsmanagement der NRW.BANK wird kontinuierlich weiterentwickelt. Dennoch liefert es bereits heute belastbare Erkenntnisse darüber, was Förderung in Nordrhein-Westfalen tatsächlich bewirkt. So hat die NRW.BANK im Jahr 2025 durch ihre Förderung zum Beispiel mehr als 46.100 Arbeitsplätze geschaffen oder gesichert. Rund 4.200 Vorhaben dienten dem Klimaschutz. Darüber hinaus wurden mehr als 9.100 Unternehmensvorhaben sowie fast 1.500 Digitalisierungs- und Innovationsvorhaben unterstützt. Gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen konnten im Rahmen der öffentlichen Wohnraumförderung rund 13.400 neue Wohneinheiten geschaffen werden.

Diese Beispiele zeigen, welchen Mehrwert ein systematisches Wirkungsmanagement bietet. Es schafft Transparenz und liefert Erkenntnisse darüber, welche Förderinstrumente den größten Beitrag zur Transformation leisten. Kurz: Eine Wirkungsmessung hilft dabei, bessere Entscheidungen zu treffen. Denn nur wer weiß, welche Maßnahmen tatsächlich den größten gesellschaftlichen Nutzen entfalten, kann Förderangebote konsequent an den Herausforderungen der Zukunft ausrichten.

Die Anforderungen an Förderbanken werden in den kommenden Jahren weiter steigen. Das Fördervolumen bleibt eine wichtige Kennzahl. Die eigentliche Währung erfolgreicher Förderung ist jedoch ihre Wirkung.

Dr. Peter Stemper ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der NRW.BANK. Als Risikovorstand verantwortet er die Bereiche Compliance und Nicht-finanzielle Risiken, Geschäftsunterstützung, Kreditmanagement sowie Risikocontrolling.

Dr. Stemper arbeitete nach dem Mathematik- und Informatikstudium sowie seiner Promotion an der Gerhard-Mercator-Universität in Duisburg ab 1997 einige Jahre in leitender Funktion im Risikomanagement der WestLB AG.

2007 wechselte er zur Tochter readybank ag und leitete dort zunächst das Risikocontrolling, bevor er 2012 den Vorstandsvorsitz übernahm. Ab 2013 bekleidete Dr. Stemper verschiedene Führungspositionen bei der Portigon AG: Nach der Leitung des Bereichs Risk Services, wurde er 2014 Mitglied des Vorstands und hatte dort die Rollen des CRO und CFO inne. 2016 übernahm er den Vorstandsvorsitz. In dieser Funktion verantwortet er unter anderem den Rückbau der WestLB. 2019 wechselte er zur NRW.BANK und leitete dort bis zu seiner Ernennung als Vorstandsmitglied im Jahr 2024 den Bereich Unternehmensentwicklung.

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