Dienstag, 11. August 2026

1948: Geheimsache D-Mark 

Wirtschaftliche Not und wachsende Spannungen zwischen den Besatzungsmächten prägten die deutsche Nachkriegszeit. Im Geheimen wurde bereits die neue Währung vorbereitet und mit ihr einer der spektakulärsten Geldtransporte der Nachkriegsgeschichte.

Herbst 1947. In den Vereinigten Staaten läuft unter strengster Geheimhaltung der Druck einer neuen deutschen Währung an. In New York City und Washington, D.C., werden Banknoten der späteren Deutschen Mark (D-Mark) gedruckt – Monate vor der Währungsreform 1948. Unter dem Codenamen „Operation Bird Dog“ werden Anfang 1948 in einer streng geheimen Militäroperation rund 23.000 Holzkisten mit etwa sechs Milliarden D-Mark per Schiff erst nach Bremerhaven und anschließend in das ehemalige Reichsbankgebäude in Frankfurt am Main transportiert. In den Tagen vor der Währungsreform wurden die Banknoten unter ständiger Bewachung in die Ausgabestellen der drei westlichen Besatzungszonen gebracht. 

Wirtschaftliche Lage in Deutschland 

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland war nach dem Zweiten Weltkrieg prekär: Zu viel Geld im Umlauf, zu wenige Güter, hohe Staatsschulden sowie ein ausgeprägter Schwarzmarkt führten zur Erkenntnis, dass eine Rückkehr zur Marktwirtschaft notwendig war. Mit der Wirtschaftsreform sollte eine Währungsreform einhergehen.  

Bereits während und kurz nach dem Krieg entwickelten Experten sowohl in Deutschland als auch in den USA Pläne für eine solche Reform. Der spätere Bundeskanzler Ludwig Erhard erstellte 1943/1944 eine Denkschrift über „Kriegsfinanzierung und Schuldenkonsolidierung“, in dem Erhard eine Währungssanierung empfahl. In den USA wurde 1946 der Colm-Dodge-Goldsmith-(CDG-)Plan konzipiert, der zu einem wichtigen Ausgangspunkt für die weitere Planung einer Währungsreform wurde. 

Insbesondere die USA waren in ihrem Besatzungsgebiet an einer Stärkung der deutschen Wirtschaft interessiert. US-Militärgouverneur Lucius Clay begründete die Notwendigkeit der Währungsreform damit, dass sie ein wirtschaftliches Umfeld schaffen sollte, welches sowohl Demokratie als auch freies Unternehmertum fördern sollte. Großbritannien stand einer gemeinsamen Währungsreform grundsätzlich ebenfalls offen gegenüber, hatte jedoch andere wirtschaftspolitische Vorstellungen – etwa ein Gleichgewicht der öffentlichen Haushalte aller Regionen, welches jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben war. Doch bei zentralen Fragen der Umsetzung und Kontrolle der neuen Währung konnten sich die vier Besatzungsmächte nicht einigen.  

Mit zunehmenden Spannungen insbesondere zwischen den USA und der Sowjetunion konnte im Alliierten Kontrollrat keine Einigung erzielt werden und es kam schließlich zur Operation Bird Dog. Die konkrete Herstellung und der geheime Transport der Banknoten wurden jedoch selbst gegenüber britischen Stellen weitgehend geheim gehalten.

Die ersten D-Mark-Banknoten

Die ersten D-Mark-Banknoten sahen Dollarscheinen sehr ähnlich, waren auf einfachem Papier gedruckt und besaßen kein Wasserzeichen. 

Das Konklave von Rothwesten 

Die drei westlichen Besatzungsmächte, insbesondere die USA, waren die entscheidenden Akteure bei der Vorbereitung und Durchführung der westdeutschen Währungsreform 1948. Vom 21. April bis zum 8. Juni 1948 arbeiteten deutsche und alliierte Wirtschaftsexperten im Haus Posen auf dem Gelände des ehemaligen Luftwaffenstützpunkts Rothwesten unter strengster Geheimhaltung an den rechtlichen Grundlagen der Reform – dabei bezogen sie sich auf die Grundlagen des CDG-Plans und auch des Homburger Plans, einem westdeutschen Entwurf von der Sonderstelle für Geld und Kredit, an dem unter anderem Ludwig Erhard mitarbeitete.  

In den 49 Tagen wurde Haus Posen komplett abgeschirmt: Das Gebäude war umzäunt und wurde von der amerikanischen Militärpolizei bewacht. Auch das Servicepersonal von Küche bis Wäscherei wurde während dieser Zeit auf dem Gelände untergebracht und von der Außenwelt isoliert. Neben elf deutschen Wirtschaftsexperten waren außerdem zwei US-Amerikaner, ein Franzose und ein Brite beteiligt. 

Zu den wichtigsten Themen gehörten Umtauschkurse, Bankguthaben oder auch Schulden. Das Ergebnis: Gesetze und Verwaltungsanweisungen, die die Währungsreform konkret regelten. Am 18. Juni 1948 wurde über den Rundfunk die Einführung der neuen Währung für Sonntag, den 20. Juni, angekündigt. Ab dem 21. Juni 1948 war die Deutsche Mark in den drei Westzonen das alleinige gesetzliche Zahlungsmittel. 

Währungsreform 1948 

Mit dem endgültigen Beschluss und der Verkündung der Währungsreform am 18. Juni begann die Verteilung der Banknoten an die Landeszentralbanken und schließlich an die Umtauschstellen der drei westlichen Besatzungszonen.  

Am 20. Juni 1948 erhielt jede Einwohnerin und jeder Einwohner des neuen Währungsgebiets zunächst 40 D-Mark als sogenannten Kopfbetrag. Weitere 20 D-Mark wurden innerhalb von zwei Monaten ausgezahlt. Insgesamt betrug der Kopfbetrag somit 60 D-Mark. Löhne und Gehälter wurden beim nächsten Monatsanfang in D-Mark ausgezahlt. Altgeldbestände mussten bis zum 26. Juni 1948 angemeldet beziehungsweise abgeliefert werden; danach verfiel der Anspruch. 

Zunächst verschlechterte sich die Lage, denn Preise und Lebenshaltungskosten stiegen stark an, während Löhne zunächst unverändert blieben. In der Bevölkerung wuchs der Unmut und die Gewerkschaften forderten staatliche Eingriffe und auch Preiskontrollen. Am 12. November 1948 beteiligten sich mehr als neun Millionen Beschäftigte an einem eintägigen Generalstreik gegen die Wirtschafts- und Preispolitik der Bizone und insbesondere gegen Ludwig Erhards Kurs. Zur Entschärfung der Versorgungskrise wurde unter anderem das sogenannte „Jedermann-Programm“ aufgelegt. Dabei kamen begehrte Waren wie Schuhe und Kochgeschirr aus Beständen zu besonders günstigen Preisen auf den Markt. 

Die Lage stabilisierte sich. Der Marshallplan erleichterte zudem die Finanzierung wichtiger Rohstoffimporte und trug damit zur Ausweitung der Produktion bei. 1950 verstärkte der Ausbruch des Koreakriegs den bereits einsetzenden Aufschwung: Die Nachfrage nach deutschen Industrieprodukten stieg deutlich, und die Produktion nahm weiter zu. Die Arbeitslosigkeit sank und der wirtschaftliche Aufschwung, der später als „Wirtschaftswunder“ bezeichnet wurde, nahm Fahrt auf. 

Reaktion der Sowjetunion 

Die sowjetische Besatzungsmacht reagierte schnell: Auf die Reform in den drei Westzonen folgte am 23. Juni 1948 eine eigene Währungsreform in der sowjetischen Besatzungszone. Banknoten gab es noch keine, so wurden die vorhandenen Reichsmarkscheine in der Zone mit Coupons beklebt.  

Für die sowjetische Militäradministration (SMAD) stand fest, dass Berlin von der neuen D-Mark ausgenommen werden sollte. Doch nachdem die Westmächte die D-Mark in ihren Sektoren Berlins eingeführt hatten, reagierte die Sowjetunion: Am 24. Juni 1948 begann die Berlin-Blockade. Alle Straßen-, Schienen- und Wasserwege wurden gesperrt, die Strom- und Gasversorgung wurde auf sowjetischer Seite eingeschränkt. Die Bevölkerung war damit von den wichtigsten Versorgungswegen für Lebensmittel, Kohle und andere Güter wie Medikamente abgeschnitten. 

Die westlichen Alliierten versorgten die rund zwei Millionen Einwohner von West-Berlin über eine britisch-amerikanische Luftbrücke. Die Berlin-Blockade verschärfte die politische Konfrontation zwischen den Westmächten und der Sowjetunion und wurde zu einem entscheidenden Schritt auf dem Weg zur politischen und wirtschaftlichen Teilung Deutschlands.

Maria Scherban absolvierte ihr redaktionelles Volontariat beim BANKINGCLUB und arbeitet seit Mitte 2025 als Redakteurin. Zuvor schloss sie ihren Master of Arts an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn ab.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Neuste Artikel
Bleiben Sie informiert
Einmal pro Woche informieren wir Sie über die neusten & wichtigsten Artikel auf BANKINGCLUB.de und über aktuelle Events. Für die Anmeldung reicht Ihre Mailadresse und natürlich können Sie sich von diesem Verteiler jederzeit abmelden.