Mittwoch, 12. August 2026

Betrug in Deutschland: Zwei Drittel betroffen – viele überschätzen ihre Sicherheit

Betrugsversuche sind für viele Verbraucher längst keine Ausnahme mehr. Laut dem „State of Scams Germany 2026“ wurden 66 Prozent der Deutschen innerhalb eines Jahres mindestens einmal zum Ziel. Gleichzeitig zeigt die Studie eine deutliche Lücke zwischen dem eigenen Sicherheitsgefühl und der Fähigkeit, moderne Betrugsmaschen zu erkennen.

Betrugsversuche haben in Deutschland eine enorme Verbreitung erreicht. 66 Prozent der Verbraucher wurden innerhalb der vergangenen zwölf Monate mindestens einmal mit einem Betrugsversuch konfrontiert. Im Durchschnitt kamen die Betroffenen sogar auf rund 130 Betrugsversuche pro Person. Das geht aus dem neuen Report „State of Scams Germany 2026“ hervor, den Worldline gemeinsam mit der Global Anti-Scam Alliance (GASA) veröffentlicht hat. Für die Studie wurden 2.550 Erwachsene in Deutschland befragt.

Dabei zeigt sich ein für Banken und Zahlungsdienstleister besonders relevantes Problem: Viele Verbraucher trauen sich bei der Erkennung von Betrug mehr zu, als ihre tatsächlichen Schutzmechanismen vermuten lassen.

Viele verlassen sich auf überholte Warnsignale

57 Prozent der Befragten sind überzeugt, Betrugsversuche zuverlässig erkennen zu können. Bei der Beurteilung verdächtiger Nachrichten verlassen sich viele jedoch weiterhin auf vergleichsweise klassische Merkmale. Jeder Zweite achtet vor allem auf Rechtschreib- und Grammatikfehler.

Andere Möglichkeiten zur Überprüfung werden wesentlich seltener genutzt. Unabhängige Bewertungen ziehen 34 Prozent heran, 24 Prozent achten auf sichere und rückbuchbare Zahlungsmethoden wie Kreditkarte oder PayPal. Lediglich elf Prozent kontaktieren den vermeintlichen Absender direkt, um dessen Identität zu überprüfen.

Das wird angesichts professionellerer Betrugsmethoden zunehmend zum Problem. Täuschend echte Webseiten, professionell formulierte Nachrichten und der Einsatz künstlicher Intelligenz machen es schwieriger, betrügerische Inhalte anhand der bekannten Warnzeichen zu identifizieren.

„Dass sich viele Verbraucher noch immer vor allem auf Rechtschreibung oder Grammatik verlassen, zeigt eindrücklich, wie stark inzwischen die Erkennungsmethoden hinter den genutzten Betrugsmethoden zurückbleiben“, sagt Christian Michelsen, Head of Fraud Management bei Worldline. Von Verbrauchern könne deshalb nicht erwartet werden, jede Betrugsmasche selbst zu erkennen.

Mehr als die Hälfte der Betrugsfälle wird durch Dritte erkannt

Wie wichtig zusätzliche Schutzmechanismen sind, zeigt auch die Frage, wer einen Betrug überhaupt bemerkt. Nur 45 Prozent der Betroffenen erkannten diesen selbst. In den übrigen Fällen kam der entscheidende Hinweis von Dritten, darunter Banken, Online-Plattformen, Telekommunikationsanbieter, Familienangehörige, Medien oder Strafverfolgungsbehörden.

Die Bedeutung dieser externen Erkennung hat laut Studie deutlich zugenommen. Der entsprechende Anteil stieg gegenüber dem Vorjahr von 44 auf 65 Prozent.

Damit verschiebt sich auch die Verantwortung für die Betrugsprävention. Verbraucher bleiben zwar ein wichtiger Bestandteil der Sicherheitskette, können angesichts zunehmend professioneller Methoden jedoch nicht allein für die Erkennung verantwortlich sein. Banken, Zahlungsdienstleister und andere beteiligte Unternehmen werden entsprechend wichtiger, um verdächtige Aktivitäten frühzeitig zu identifizieren.

Durchschnittlicher Schaden von mehr als 2.600 Euro

Die Folgen erfolgreicher Betrugsversuche können erheblich sein. 44 Prozent der Betroffenen interagierten laut Studie mit einem Betrugsversuch. Jeder Vierte erlitt anschließend einen finanziellen Verlust oder wurde Opfer eines Identitätsdiebstahls. Der durchschnittliche finanzielle Schaden belief sich auf 2.619 Euro pro Opfer.

Besonders häufig floss das Geld über klassische Banküberweisungen ab. Auf sie entfielen 28 Prozent der finanziellen Schäden, gefolgt von Debit- und Kreditkarten mit 27 Prozent. Bemerkenswert ist auch die weiterhin hohe Bedeutung von Bargeld: Mit einem Anteil von 18 Prozent liegt Deutschland hier über dem europäischen Durchschnitt.

Zudem endet das Problem häufig nicht mit einem einzelnen Vorfall. 56 Prozent der Betroffenen werden laut Untersuchung innerhalb eines Jahres erneut Opfer eines Betrugsversuchs.

Neben den finanziellen Folgen verweist die Studie auf die psychische Belastung der Opfer. 70 Prozent berichten von anhaltenden emotionalen Auswirkungen nach einem Betrugsfall.

Betrugsprävention wird zur Gemeinschaftsaufgabe

Die Ergebnisse zeigen damit auch, wie sehr sich die Anforderungen an Fraud Prevention verändern. Je schwieriger Betrugsversuche für Verbraucher zu erkennen sind, desto stärker müssen verdächtige Aktivitäten bereits innerhalb der Zahlungs- und Kommunikationswege identifiziert werden.

Andrei Skorobogatov, Policy Director bei der Global Anti-Scam Alliance, sieht die Branche dabei vor der Herausforderung, ihre Abwehrmaßnahmen ebenso schnell weiterzuentwickeln wie Betrüger ihre Methoden. Dafür müssten Echtzeitinformationen, künstliche Intelligenz und menschliches Fachwissen miteinander kombiniert werden.

Gleichzeitig reicht der Blick auf Banken und Zahlungsdienstleister allein nicht aus. Betrugsversuche können ihren Ursprung beispielsweise auf Kommunikationsplattformen haben, über Telekommunikationsnetze verbreitet werden und schließlich in einer Banküberweisung münden. Eine wirksame Prävention erfordert deshalb zunehmend die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure.

Für Banken bedeutet diese Entwicklung insbesondere, Betrug möglichst zu erkennen, bevor das Geld den Besitzer gewechselt hat. Echtzeitanalyse, Datenaustausch und KI-gestützte Erkennung gewinnen damit ebenso an Bedeutung wie möglichst reibungslose Melde- und Interventionsprozesse.

Der „State of Scams Germany 2026“ macht vor allem eines deutlich: Mit der zunehmenden Professionalisierung der Betrugsmethoden stößt die individuelle Wachsamkeit der Verbraucher an Grenzen. Betrugsprävention entwickelt sich deshalb immer stärker von einer Aufgabe des einzelnen Kunden zu einer Aufgabe des gesamten Payment-Ökosystems.

Betrugsprävention im Fokus bei FRAUDMANAGEMENTforBANKS 2026

Wie Banken auf neue Betrugsmaschen reagieren und ihre Prävention weiterentwickeln können, steht auch beim FRAUDMANAGEMENTforBANKS 2026 am 18. und 19. November in Köln im Mittelpunkt. Mit dabei ist Andrei Skorobogatov, Policy Director bei der Global Anti-Scam Alliance (GASA), der bereits in der Studie die Notwendigkeit eines gemeinsamen Vorgehens gegen Betrug betont und beim Kongress als Referent weitere Einblicke in aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen geben wird.

Weitere Informationen zum Programm und zur Anmeldung finden Sie auf der Veranstaltungsseite des FRAUDMANAGEMENTforBANKS 2026.

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